Doppelte Bestrahlung gegen Knochenmetastasen

Doppelt hält besser – das könnte auch für die Kombination aus „äußerer“ Strahlen- und „innerer“ Radionuklidtherapie zur Behandlung von Knochenmetastasen gelten.

Beim fortgeschrittenen Prostatakrebs kann sich der Tumor in benachbartes Gewebe ausbreiten oder Metastasen in Lymphknoten oder Knochen bilden. Die Knochenmetastasen wiederum führen zu Schmerzen sowie einer eingeschränkten Lebensqualität.

Neue Bestrahlungsvariante

Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, bei denen zusätzlich zur Hormontherapie weitere Maßnahmen notwendig werden, ist seit Ende 2013 die sogenannte Radionuklidbehandlung mit Radium-223-dichlorid zugelassen. Dabei handelt es sich um einen „Alpha-Strahler“ mit einer sehr kurzen Reichweite von bis zu 60 Mikrometer. Da diese Reichweite unter der anderer radioaktiver Arzneimittel liegt, ist die Substanz schonender für nicht erkranktes Gewebe, wenn sie – aufgrund ihrer ähnlichen Eigenschaften zu Kalzium – in den Knochen eingebaut wird. Dies erfolgt, nachdem das Radium in die Vene des Patienten gespritzt wird und sich dann insbesondere in Bereichen schnellen Knochenumbaus anreichert, wie es bei Knochenmetastasen der Fall ist. Dort kommt es dann zu einer Bestrahlung von innen – eine neue schonende Behandlung beim fortgeschrittenen Prostatakrebs.

Zwar wurde die Radionuklidtherapie zur Beschwerde-lindernden (palliativen) und nicht zur heilenden (kurativen) Behandlung entwickelt, einer großen internationalen Studie zufolge kann sie jedoch auch zu einer deutlichen Verlängerung des Überlebens der behandelten Patienten führen. Zudem wird die Lebensqualität durch die in der Regel gut verträgliche Therapie der Betroffenen verbessert.

Kombination mit Strahlentherapie

Bei Knochenmetastasen ist die Strahlentherapie von außen (perkutan) bereits seit Jahrzehnten als Standardbehandlung etabliert. Nicht nur, dass sie zu einer Linderung von Schmerzen und einer Wiederherstellung der Knochenstabilität führt, durch aktuelle Entwicklungen neuer präziserer Technologien in der Strahlenheilkunde wird eine wirksame und schonende Behandlung ermöglicht. Dadurch kann der lokale Effekt der Strahlentherapie – also die Wirkung am Sitz der Knochenmetastase – verstärkt und somit möglicherweise ein weiteres Wachstum der Metastase dauerhaft verhindert werden.

Da sowohl die äußere als auch die innere Bestrahlung sichtbarer Knochenmetastasen ein Absterben von Tumorzellen bewirkt, soll nun eine Studie (α-RT Studie) unter der Leitung der Freiburger Universitätsklinik herausfinden, inwieweit durch die Kombination beider Behandlungen größere, in der Bildgebung nachweisbare, aber auch kleine, noch „unsichtbare“ Metastasen abgetötet werden. Von der zeitnahen Verbindung beider Verfahren erhoffen sich die Wissenschaftler einen sich gegenseitig verstärkenden Effekt auf die Kontrolle des Tumorleidens.

Erkrankung stoppen?

Erwartet wird eine besonders gute Wirkung der Behandlungskombination bei Patienten mit sehr wenigen Metastasen (≤5 Herde, sogenannte Oligometastasierung). Hier könnte es – so die Hoffnungen – sogar zu einem Stillstand der Erkrankung kommen.

Zudem ist das Ziel der Studie, neue Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Prostatakrebstherapie zu gewinnen, die wiederum zu einer besseren individuellen Behandlung beitragen könnten. So könnte eine effektive frühe Kontrolle von Knochenmetastasen vielleicht weitere Behandlungen, wie Chemotherapie oder Knochenoperationen, unnötig oder erst später erforderlich machen.

Weitere Informationen zu der aktuellen Studie unter www.alpha-radiotherapy.eu


Quellen:

  • Universitätsklinikum Freiburg
  • Parker C et al., NEJM 2013; 369: 213-23

Autorin: Anne Göttenauer, 25.10.2016