Fortgeschrittenes Prostatakarzinom – Vorteile durch Therapiekombination

Für Patienten, die sich einer Therapie mit Radium-223 unterziehen, bringt die zusätzliche Gabe von Abirateron und/oder Enzalutamid Vorteile bezüglich des Überlebens.

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom – Vorteile durch Therapiekombination In der Zulassungsstudie ALSYMPCA (ALpharadin in SYMptomatic Prostate CAncer) wurde Radium-223-dichlorid mit Placebo verglichen und zwar bei Patienten mit fortgeschrittenem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) mit symptomatischen Metastasen in den Knochen. Solche Metastasen können zu Schmerzen in Rücken oder Gliedmaßen, Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit, Lähmungen oder auch zu Knochenbrüchen führen.

Die Studie zeigte, dass Radium-223 bei diesem Patientenkollektiv das mittlere Überleben verlängern kann (14,9 Monate gegenüber 11,3 Monaten). Zudem war die Zeit bis zum ersten sogenannten skelettalen Ereignis, wie etwa einem Knochenbruch oder einer Knochenoperation, unter Radium-223 länger, und das bei einem günstigen Nebenwirkungsprofil.

Zusätzliche Wirkstoffe

Fraglich ist, inwieweit die zusätzliche Gabe der antihormonellen Wirkstoffe Abirateron und/oder Enzalutamid weitere Vorteile für die Patienten bringt. Dies wollte eine aktuelle Studie untersuchen. In diese Untersuchung (internationales Early-Access-Programm, iEAP)  wurden 696 mCRPC-Patienten aus Europa, Kanada und Israel eingeschlossen, mit den gleichen Einschlusskriterien wie bei der Zulassungsstudie. Zusätzlich zu Radium-223 erhielten von allen Probanden

  • 154 Patienten Abirateron,
  • 50 Patienten Enzalutamid und
  • 15 Patienten beide Wirkstoffe.

Von allen Studienteilnehmern hatten ca. 50-75 Prozent der Patienten (je nach Gruppe) vorher eine Chemotherapie mit Docetaxel erhalten.

Im Rahmen der Untersuchung wurden dann im Durchschnitt sechs Radium-223-Injektionen verabreicht – ergänzt durch eine Abirateron- bzw. Enzalutamid-Gabe von ca. 25 bzw. 15 Wochen.

Überleben verlängert

Entscheidendes Ergebnis der Studie: Erhielten die Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs zusätzlich zu Radium-223 entweder Abirateron, Enzalutamid oder beides, lebten sie länger als Patienten ohne die ergänzende Gabe dieser Wirkstoffe. Dabei wurde das verbesserte Überleben nicht mit einem schlechteren Nebenwirkungsprofil „erkauft“. Das heißt, es wurden keine zusätzlichen unerwünschten Nebenwirkungen beobachtet. So war die Rate an Anämien, Thrombo-, Leuko- und Neutropenien sowie Diarrhoe in allen Patientenkollektiven vergleichbar niedrig, sowohl untereinander als auch im Vergleich zur Zulassungsstudie von Radium-223.

Damit zeigte die iEAP-Untersuchung, dass mCRPC-Patienten insbesondere durch ein verlängertes Überleben von der zusätzlichen Gabe von Abirateron und/oder Enzalutamid zur Radium-223-Therapie profitieren.

Diese gute Wirksamkeit der Kombinationstherapie soll nun in weiteren Studien überprüft werden.


Quellen:

  • Wirth M et al., Effects of concomitant use of abiraterone and/or enzalutamide with radium-223 on safety and overall survival in metastatic castrationresistant prostate cancer (mCRCP) patients treated in an early access program (EAP), Abstract V03.7, Abstract-CD, 88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V., 2016, ISSN 1863-2254
  • Saad F et al., Lancet Oncol 2016; 17: 1306-16
  • Vortragssitzung 3, Metastasiertes Kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom: Therapie, 88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V., 2016
  • Urologische Nachrichten, 09.2016, DGU-Kongressausgabe 1
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums