Ursachen und Entstehung des BPS

Mit der Zeit wird die Prostata größer, mit möglichen Folgen. Warum, das ist noch nicht völlig klar. Es gibt aber außer dem Alter noch einige Risikofaktoren wie Übergewicht und mangelnde Bewegung.

Früher wurde so manches verdächtigt, ein BPS zu verursachen: Gicht, Blasenreizung, Geschlechtskrankheiten, geschlechtliche Enthaltsamkeit, geschlechtliche Exzesse, Erkältungen, Reiten und sitzende Lebensweise. Mittlerweile konnte einiges ausgeschlossen werden wie die sexuelle Aktivität, die genauen Ursachen sind aber immer noch ungeklärt.

BPH: Vermehrung von Prostatazellen

Etwa ab dem 30. Lebensjahr kommt es in der Übergangszone der Prostata (vor allem vor und seitlich des Harnröhrenbeginns, s. Anatomie der Prostata) zunehmend zum Wachstum von Drüsen und Zwischengewebe. Dies nennt man benigne Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Vermehrung von Prostatazellen, s. auch Begriffe). Bei ihrer Entstehung spielen Androgene (männliche Geschlechtshormone, z.B. Testosteron) eine große Rolle, vermutlich zusammen mit Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone):

Mit zunehmendem Alter fällt der Androgen-Blutspiegel. Vor allem nimmt das freie Testosteron ab, weil der Blutspiegel eines Eiweißes, des sexualhormonbindenden Globulins (SHBG) zunimmt. Zugleich steigt der Blutspiegel der Östrogene, die in geringen Mengen auch bei Männern mit Hilfe des Enzyms Aromatase aus Androgenen gebildet werden. Und in der Prostata steigt die Aktivität des Enzyms 5-alpha-Reduktase, die Testosteron weitgehend unabhängig von dessen Blutspiegel in seine biologisch aktivste Form umwandelt, das DHT (Dihydrotestosteron; Näheres zu allen Hormonen s. Geschlechtshormone).

So könnten folgende Faktoren die Prostata überschießend wachsen lassen:

  • Erhöhte DHT-Spiegel in der Prostata und vermehrte Bindungsstellen für Androgene auf den Prostatazellen
  • Erhöhte Östrogen-Blutspiegel
  • Vermehrte Ausschüttung von Wachstumsfaktoren in der Prostata
  • Zu starke Vermehrung von Prostata-Stammzellen
  • Verlängerte Lebensdauer der Prostatazellen wegen vermindertem Zelltod
     

Für die Entwicklung der normalen Prostata ist DHT unabdingbar. Dennoch lässt sich das später wieder einsetzende Wachstum alleine mit Veränderungen der Androgene nicht erklären. Es ist wohl eine Kombination aus den genannten Faktoren, die zur Vermehrung (Hyperplasie) der Prostatazellen (Drüsen, Bindegewebe und Muskulatur) führt, also zur BPH. Unklar ist noch, inwieweit dabei andere Dinge eine Rolle spielen wie die Veranlagung (genetische Einflüsse) oder Stoffe aus der Nahrung.

BPE: Gutartige Prostatavergrößerung

Auf Grund der Zellvermehrung in der Übergangszone kommt es zunächst zur Verdrängung des restlichen Gewebes. Später wird das ganze Organ größer, was man als gutartige Prostatavergrößerung bezeichnet (BPE, s. auch Begriffe). Je nachdem, ob mehr Zwischengewebe oder Drüsen betroffen sind, wird die Prostata mehr oder weniger hart. Zudem bilden sich kleinere und größere Knoten, zum Teil auch in nicht vergrößerten Bereichen. Und es treten Bezirke mit Gewebeschwellung, Sekretstauung und Entzündung auf. Letztere wird nicht von Keimen verursacht, sondern ist eine Reaktion des Körpers auf die Schädigung.

BPS: Harnabflussstörung mit Folgen

Da die BPH (Zellvermehrung) vor allem den oberen Bereich der Prostata in der Nähe der Harnröhre betrifft, wird die Harnröhre eventuell schon zu Beginn verengt. Dies bleibt jedoch selbst bei einer starken Vergrößerung manchmal lange aus. Behindert die Verengung den Harnabfluss aus der Blase, wird dies als BPO bezeichnet (engl. benign prostatic obstruction, wörtlich: gutartiges Prostatahindernis, s. auchBegriffe).

Mögliche Folgen der BPO bestehen zum einen in Beschwerden am unteren Harntrakt (Harnblase und Harnröhre, z.B. beim Wasserlassen), die man als LUTS zusammenfasst (engl. lower urinary tract symptoms, s. auch Begriffe) und Beschwerden am oberen Harntrakt (Harnleiter und Niere; Näheres zu Beschwerden s. Zeichen und Komplikationen). Zum anderen kann die BPO zu messbaren Veränderungen führen (z.B. Harnrückstau, Näheres s. Untersuchung). Zwischen beiden besteht jedoch nur ein lockerer Zusammenhang, das heißt es sind sowohl schwere Veränderungen ohne große Beschwerden möglich als auch erhebliche Beschwerden ohne große Veränderungen. Sind subjektive oder objektive Zeichen vorhanden, spricht man von einem BPS (benignen Prostatasyndrom). Es hat die Tendenz, mit der Zeit stärker zu werden.

Risikofaktoren für ein BPS

Der wichtigste und zugleich nicht beeinflussbare Risikofaktor sowohl für Beschwerden (z.B. LUTS) als auch für objektive Zeichen der Harnabflussstörung ist das Alter. Weitere Faktoren sind dem gegenüber eher untergeordnet, jedoch vom Einzelnen durchaus zu beeinflussen, zum Beispiel Übergewicht, mangelnde Bewegung, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und chronische Prostataentzündung (Prostatitis). Die Rolle von Alkohol, Rauchen und Ernährung (auch von speziellen Diäten) wird noch diskutiert.

Quellen (u.a.)

  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Krombach, P., et al.: Benigne Prostatahyperplasie und Urolithiasis. Urologe 2010; 49 (Suppl. 1): 149-153