Vorbeugung gegen das BPS

Die Reduktion starken Übergewichts, eine gesunde Kost und viel Bewegung können gegen das Entstehen eines benignen Prostatasyndroms helfen. Gegen seine Verschlimmerung und gegen Komplikationen kommen Medikamente oder invasive Maßnahmen infrage.

Wegen seiner großen Verbreitung (s. Häufigkeit), ist die Vorbeugung gegen das BPS immer wieder wissenschaftlich diskutiert worden. Nicht nur, um die Behandlungskosten zu reduzieren, die stetig steigen, weil Männer immer älter werden, sondern auch, um den Männern Behandlungen und Komplikationen zu ersparen und ihre Lebensqualität auch im Alter zu erhalten.

Wie bei anderen Erkrankungen unterscheidet man auch beim BPS folgende Stufen der Vorbeugung (Prävention):

  • Primärprävention: Alle Verhaltensweisen und Maßnahmen, die verhindern sollen, dass ein BPS oder seine Bestandteile (Prostatavergrößerung = BPE, Blasenauslasshindernis = BOO und Beschwerden am unteren Harntrakt = LUTS) überhaupt entstehen, oder die deren Entstehen verzögern sollen (zu den Bezeichnungen der Bestandteile s. Begriffe, zur BPS-Entwicklung s. Ursachen und Entstehung).
  • Sekundärprävention: Alle Maßnahmen, um die Verschlimmerung eines BPS oder seiner Bestandteile sowie das Auftreten von Komplikationen am Harntrakt zu verzögern oder zu verhindern (zu möglichen BPS-Folgen s. Zeichen und Komplikationen).
     

Primärprävention: Vorbeugung gegen das Entstehen eines BPS

Im Mittelpunkt der Vorbeugung stehen die Risikofaktoren (vgl. Ursachen und Entstehung): Als solche gelten Alter und Geschlechtshormone, die sich nicht beeinflussen lassen, sowie die beeinflussbaren Faktoren, hier insebsondere das metabolische Syndrom (bestimmte Kombinationen aus Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit) und ein Ungleichgewicht des unwillkürlichen Nervensystems. Dazu gibt es zahlreiche, allerdings oft nicht sehr aussagekräftige Studien. Daraus kann man folgende Ansätze zur Vorbeugung ableiten, abgesehen von einer sorgfältigen Behandlung der genannten Krankheiten natürlich:

Körpergewicht: Bei einem BMI über 35,0 kg/qm ist das BPS-Risiko dreieinhalb mal erhöht (gegenüber BMI unter 25 kg/qm). Beim Abnehmen auf Normalgewicht gehen Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) zurück (übrigens ebenso wie eine erektile Dysfunktion oder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Es gibt jedoch auch Studien, in denen kein größeres Risiko bei erhöhtem BMI gefunden wurde (z.B. Meigs et al. 2001).

Ernährung: Dass es (anders als beim Prostatakarzinom) bei der Verbreitung des BPS kaum geographische Unterschiede gibt, macht einen Einfluss der Ernährung unwahrscheinlich. Dennoch vermindert wohl der Verzehr von Gemüse das BPS-Risiko etwas. Dies gilt vor allem für Gemüse und Obst mit einem hohen Gehalt an Betakarotin, Lutein oder Vitamin C. Roher Knoblauch (täglich 0,2 g pro kg Körpergewicht für 30 Tage) und eventuell Tomaten sollen die Prostata schrumpfen lassen. Östrogene (weibliche Geschlechtshormone), die auch bei Männern in geringen Mengen gebildet werden, kommen selbst in Lebensmitteln vor: Als Rückstand (z.B. in Fleisch) oder als normale, gesunde Pflanzenstoffe, die Phytoöstrogene (pflanzliche Östrogene, z.B. Isoflavonoide und Lignane, v.a. in Soja, Leinsamen und Vollkorngetreide). Dass Östrogene in der Nahrung das Prostatawachstum fördern, wurde bisher nicht nachgewiesen (vgl. Ursachen und Entstehung). Zudem müsste dann das BPS bei Asiaten, deren Kost reich an Phytoöstrogenen ist, häufiger auftreten.

Nahrungsergänzungsmittel: Für keines der vielen angebotenen Präparate ist bisher stichhaltig nachgewiesen, dass man damit gegen das BPS vorbeugen kann. Bitte beachten Sie hierzu auch den Hinweis unter „Weitere Arzneimittel“ im Abschnitt Medikamente.

Alkohol: Regelmäßige Alkoholzufuhr vermindert wohl das BPS-Risiko: Täglich bis 5g Alkohol sollen die Wahrscheinlichkeit für eine Prostatavergrößerung (BPH) um 35% senken, bis 36g (ca. 0,25l Wein oder 0,5l Bier) um 19% und mehr als 36g um 25%. Auf die Gefahren eines übermäßigen Alkoholkonsums sei hingewiesen.

Körperliche Aktivität: Männer, die jede Woche 2-3 Stunden spazieren gehen, senken ihre Risiken für Beschwerden am unteren Harntrakt (LUTS) und für eine Prostataoperation um jeweils etwa ein Viertel. Bei stärkerer Aktivität fällt die Wahrscheinlichkeit für eine Prostatavergrößerung (BPH) auf bis die Hälfte. Wenn man sich im Alter von 30 Jahren erheblich körperlich betätigt (mehr als 5 Stunden täglich) sinkt das Risiko für LUTS stärker, als wenn man dies später tut.

5-alpha-Reduktase-Hemmer: Diese Wirkstoffe werden bereits zur Behandlung des BPS verwendet (s. Medikamente). Aus zwei großen Studien zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs ist zu entnehmen, dass sie sich auch zur Vorbeugung gegen das BPS eignen könnten. Wegen der Kosten und möglicher Nebenwirkungen ist dieser Einsatzzweck aber derzeit nicht allgemein anerkannt.

Sekundärprävention: Vorbeugung gegen das Fortschreiten des BPS

Das BPS ist eine Erkrankung, die langsam fortschreitet, wobei gleichzeitig die Gefahr von Komplikationen wächst (z.B. akute Harnverhaltung und Nierenschäden, s. Zeichen und Komplikationen). Da die Beschwerden (LUTS) am Anfang zumeist schwach ausgeprägt sind, ist eine frühzeitige ärztliche Konsultation angeraten, um deren Ursache abzuklären und zu befürchtende Langzeitschäden rechtzeitig zu erkennen. Dies bedeutet, Männer über mögliche Krankheitszeichen aufzuklären, damit sie erste Anzeichen selbst erkennen können, und sie zu regelmäßigen Untersuchungen zu bewegen (z.B. ab dem 40. Lebensjahr). Um das weitere Fortschreiten des BPS und damit Komplikationen zu verzögern oder gar zu verhindern, kann die vorbeugende Gabe folgender Medikamente infrage kommen, vor allem bei Männern mit hohem Risiko für ein Fortschreiten (zu diesem Risiko s. „Beurteilung der Befunde“ im Abschnitt Untersuchung):

Alpha-Blocker (Alpha-1-Rezeptorantagonisten): Diese Wirkstoffe vermindern langfristig bereits vorhandene Beschwerden (LUTS) und das Fortschreiten der LUTS. Das weitere Prostatawachstum, Komplikationen und die Notwendigkeit einer Operation können sie dagegen nicht verhindern (s. auch Medikamente).

5-alpha-Reduktase-Hemmer: Auch diese Wirkstoffe vermindern langfristig bereits vorhandene Beschwerden (LUTS) und das Fortschreiten der LUTS. Zudem reduzieren sie die Prostatagröße, die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und die Notwendigkeit einer Operation (s. auch Medikamente). Dass sie auch das Blasenauslasshindernis (BOO) günstig beeinflussen, wird vermutet, es fehlen jedoch noch Langzeitergebnisse.

Kombination aus Alpha-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer: Die Effekte auf die Beschwerden, Komplikationen und Notwendigkeit einer Operation sind bei der Kombination stärker als bei den Einzelstoffen, die Prostatagröße nimmt jedoch in gleichem Umfang ab wie bei einem 5-alpha-Reduktase-Hemmer alleine (s. auch Medikamente).

Fazit

Abgesehen von der Behandlung von Krankheiten, die als Risikofaktoren gelten, gibt es gegenwärtig keine „harten“ Empfehlungen, wie man das Entstehen eines BPS sicher verzögern oder gar verhindern kann. Das Reduzieren von starkem Übergewicht, die Umstellung der Ernährung auf eine gesunde (z.B. mediterrane oder asiatische) Kost und viel Bewegung können jedoch helfen. Dies soll ja zudem gegen viele andere Krankheiten vorbeugen (z.B. gegen Prostatakarzinom, andere Krebsformen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Prostatadiäten sind dagegen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht wirksam. Um gegen die Verschlimmerung eines BPS und Komplikationen vorzubeugen, empfehlen sich rechtzeitige Untersuchungen und gegebenenfalls die Einnahme von Medikamenten oder invasive Maßnahmen.

Quellen (u.a.)

  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Meigs, J. B., et al.: Risk factors for clinical benign prostatic hyperplasia in a community-based population of healthy aging men. J Clin Epid 2001; 54: 935-944
  • Oelke, M., et al.: Primär- und Sekundärprävention des benignen Prostatasyndroms. Aktueller Wissensstand und Auswirkungen auf die klinische Routine. Urologe 2011; 50: 1257-1264