Nachsorge nach Prostatakrebs-Behandlung

Ziele der langfristigen Nachbetreuung sind, die Rehabilitation fortzuführen, den Behandlungserfolg zu überwachen und bei einem möglichen Fortschreiten des Prostatakarzinoms rechtzeitig die weitere Therapie einzuleiten.

Unter Tumornachsorge versteht man die langfristige ärztliche Betreuung eines Krebspatienten nach einer kurativen Primärtherapie, also nach einer Erstbehandlung mit Heilungsabsicht. Bei Prostatakrebs sind dies die radikale Prostatektomie (RPE) und die primäre Strahlentherapie. In einem weiteren Sinne kann man aber auch die Verlaufskontrolle während einer Hormontherapie zur Tumornachsorge zählen. Anders die Kontrolluntersuchungen bei aufgeschobener Erstbehandlung (s. Aktive Überwachung bei Prostatakarzinom). 

Neben der allgemeinen Betreuung, zum Beispiel durch Gespräche, ist das Hauptziel der Tumornachsorge, den Behandlungserfolg zu überwachen, um ein mögliches Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) frühzeitig zu entdecken. Die Nachsorge kann schon während der Rehabilitation, der Erholungsphase direkt nach der Erstbehandlung beginnen. Umgekehrt setzt sich die Rehabilitation in der langjährigen Nachsorge fort, beispielsweise durch die weitere Behandlung von Harninkontinenz oder erektiler Dysfunktion, durch Hilfen im seelischen Bereich und durch Unterstützung beim Gesundheitstraining, das auch die richtige Ernährung umfasst (mehr dazu im Abschnitt Rehabilitation nach Prostatakrebs-Behandlung). 

Tumornachsorge nach lokaler kurativer Therapie

Sind nach der örtlichen (lokalen) Behandlung durch eine radikale Prostatektomie oder Strahlentherapie keine Krankheitszeichen (Symptome) durch den Tumor mehr vorhanden, sollten die Nachsorgeuntersuchungen der S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms zufolge in folgenden Abständen durchgeführt werden: 

  • Die erste zwischen sechs und zwölf Wochen nach Ende der Behandlung
  • danach in den ersten zwei Jahren alle drei Monate
  • in den nächsten beiden Jahren alle sechs Monate und 
  • ab dem fünften Jahr alle zwölf Monate. 

Etwas anders sieht es die europäische Leitlinie vor. Demnach sollte eine Nachsorge im ersten Jahr nach der Therapie nach drei, sechs und zwölf Monaten stattfinden, im zweiten und dritten Jahr jeweils alle sechs Monate und danach jährlich. 

Beiden Leitlinien ist gemein, dass bei den Untersuchungen immer der PSA-Wert bestimmt werden soll. Steigt er über einen bestimmten Grenzwert an, spricht man von einem biochemischen Rezidiv (BCR). Dieses kann verursacht sein durch ein Wiederauftreten des Tumors am ursprünglichen Ort (Tumorrezidiv, „Lokalrezidiv“) oder das Wachstum von Metastasen in Lymphknoten oder an anderen Stellen des Körpers („systemisches Rezidiv“). 

Die Tastuntersuchung (digitale rektale Untersuchung, DRU) würde ein Rezidiv später als der PSA-Wert erkennen lassen. Sie ist deshalb nur bei Tumoren nützlich, die kein PSA abgeben. Bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) können zum Beispiel zur Lokalisation eines Tumorrezidivs und von Metastasen dienen. Sie sollen nur eingesetzt werden, wenn eine lokale, gezielte Therapie möglich ist und/oder Symptome bestehen. 

Die weitere Diagnostik und Therapie sind abhängig von der Art der Erstbehandlung, vom Ort des Rezidivs (lokal oder systemisch) und von individuellen Faktoren (beispielsweise Begleiterkrankungen). Näheres dazu in den Abschnitten radikale Prostatektomie und Strahlentherapie

Verlaufskontrolle während Hormontherapie 

Während einer langdauernden Hormontherapie sollten alle drei bis sechs Monate eine körperliche Untersuchung durchgeführt und der PSA-Wert bestimmt werden. Der Einsatz weiterer Verfahren (zum Beispiel DRU, bildgebende Verfahren, andere Labor-Tests wie die Bestimmung von Testosteron und anderer Blutwerte) hängt wiederum davon ab, ob Krankheitssymptome vorhanden sind und ob sich aus den Ergebnissen Konsequenzen für die Behandlung ergeben können. 

Diese regelmäßigen Kontrolluntersuchungen sind vor allem nötig, um das Ansprechen auf die Hormontherapie zu beurteilen und mögliche unerwünschte Wirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Wichtig ist, den PSA-Tiefstwert (Nadir) zu bestimmen. Steigt der PSA-Wert danach wieder an, sind eventuell weitere medikamentöse Maßnahmen möglich (s. Fortschreitender Prostatakrebs unter Hormontherapie). 

Quellen: 

  • Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und Deutschen Krebshilfe e. V. (DKH) (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 3.1, 2014
  • Mottet N et al., Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology (EAU), European Society for Radiotherapy & Oncology (ESTRO) and International Society of Geriatric Oncology (SIOG).  März 2016 
  • Rübben H (Hrsg.): Uroonkologie. 4. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007 


Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland, Dr. med. Hubert E. Weiß, Anne Göttenauer