Gibt es Diätvorschläge zur Vorbeugung?
Diät zur Vorbeugung des Prostatakarzinoms
Zwischen 10% und 70% aller Karzinomerkrankungen sind vermutlich auf diätetische Einflüsse zurückzuführen. Die gutartige Vergrößerung der Prostata - die Prostatahyperplasie - und das Prostatakarzinom wird häufig als Erkrankung westlicher Industrienationen beschrieben.
Die Ernährungsweise in den westlichen Ländern ist gekennzeichnet durch einen hohen Gehalt an tierischen Fetten und Proteinen und ist arm an Ballaststoffen. Dieses steht im Gegensatz zu der asiatischen Ernährung, die arm an tierischen Fetten und reich an Früchten und Gemüsen ist. Die verfügbaren klinischen Studien basieren entweder auf Fallkontroll- oder Kohortenstudien.
Fett
Fettkonsum ist der am häufigsten untersuchte Parameter, der mit einer erhöhten Prostataerkrankungsrate in Verbindung gebracht wird. Die verfügbaren klinischen Studien zeigen eine signifikante Beziehung zwischen Fettkonsum oder spezifischen fetthaltigen Produkten und dem erhöhten Nachweis eines Prostatakarzinoms. Untersuchungen des Fettkonsums pro Bevölkerungsgruppe ergaben für zahlreiche Länder ebenfalls eine erhöhte Korrelation zur Mortalität der Prostatahyperplasie und des Prostatakarzinoms.
In einer von Giovannoucci publizierten Studie konnte gezeigt werden, dass der Konsum tierischer Fette direkt mit dem Risiko für ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom korrelierte. Pflanzliche Fette führen hingegen nicht zu einer Erhöhung des relativen Erkrankungsrisikos. Während die Aufnahme fleischlicher Fette mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung eines Prostatakarzinoms einher geht, konnten verschiedene Studien zeigen, dass Fettsäuren aus Fischöl einen Schutz-Effekt aufweisen.
Phytoöstrogene
Die in Japan traditionelle Ernährungsweise enthält zahlreiche Phytoöstrogene mit östrogener Aktivität. Prostataerkrankungen sind selten. Phytoöstrogene finden sich in verschiedenen Gemüsen und Getreidefrüchten und werden unterteilt in Isoflavonide, Flavonide und Lignane. Besonders Soja ist reich an Isoflavonide, Daidzein und Genistein. Flavonide befinden sich in hoher Konzentration in zahlreichen Früchten und Gemüsen, insbesondere Äpfeln, Zwiebeln und Teeblättern. Lignane sind in zahlreichen Getreidepflanzen (Leinsamen) in hoher Konzentration enthalten.
Aufgrund der Östrogenaktivität binden die Phytoöstrogene an den Ostrogenrezeptor und können so die Synthese des sexualhormon-bindenden Globulins der Leber erhöhen. Eine Zunahme des SHBG-Spiegels fährt zu einer Erniedrigung des freien Plasmatestosteronspiegels.
Ein protektiver Effekt einer pflanzlichen Ernährung wurde u. a. in der sehr großen über 17 Jahre laufenden japanischen Fallkontrollstudie an über 250.000 Erwachsenen gezeigt. Die Aufnahme von Gemüsen ging einher mit einer geringeren Karzinominzidenz.
Eine Untersuchung an japanischen Männern, die in Hawaii lebten, zeigte, dass ein erhöhter Konsum von Reis und Sojaprodukten mit einem erniedrigten Prostatakarzinom-Risiko assoziiert war. Verschiede Untersucher haben zusätzlich einen signifikanten Einfluss von Getreideprodukten auf eine verringerte Prostatakarzinominzidenz gefunden.
Eine weitere phytoöstrogenhaltige Substanz ist Roggen. Im Nordosten Finnlands wird eine sehr roggenhaltige Ernährungsweise durchgeführt, interessanterweise ist die Prostatakarzinominzidenz in diesem Gebiet deutlich erniedrigt.
Die Isoflavonide und Lignane können im Urin, Plasma und Speichel und auch der Samenflüssigkeit nachgewiesen werden. Die Urin- und Plasmaspiegel von Isoflavoniden sind bei japanischen und chinesischen Männern im Vergleich zu amerikanischen Männern um das 30- bis 100fache erhöht.
Als Antioxidanzien sollen Lutein und besonders Leucopene - Hauptfarbstoff in den Tomaten und der Paprika - einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben.
Vitamin E
Getreide enthält neben verschiedenen Lignanvorstufen und anderen phenolischen Bestandteilen Vitamin E, welches ebenfalls einen protektiven Effekt für eine Prostataerkrankung aufweisen soll. Eine Untersuchung an 29.000 männlichen Rauchern über einen Zeitraum von 6 Jahren wurde durchgeführt, um eine mögliche Korrelation zwischen Lungenkarzinomen und Vitamin A (ß-Carotene) und Vitamin E zu untersuchen. Interessanterweise fanden sich in der Vitamin-A-Gruppe gehäuft Lungenkarzinome!
Ein unerwarteter Befund war, dass in der Vitamin-E Gruppe die Prostatakarzinomhäufigkeit um 34% verringert war. In einer anderen Studie an knapp 3.000 Männern mit einem Follow-up von über 17 Jahren gingen erniedrigte Vitamin-E-Plasmaspiegel mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung eines invasiven Prostatakarzinoms einher.
Selen
Für das Spurenelement Selen (Natriumselenit) wurden fundierte Anwendungen für die Onkologie definiert, z.B. als komplementär-therapeutische Maßnahme während Chemo- und Strahlentherapie.
Der Nachweis, daß die antioxidative Wirkung von Natriumselenit die Effektivität der Chemo- und Strahlentherapie nicht hemmt und die Wirksamkeit der Chemo- und Strahlentherapien verstärkt, hat Studien zu dieser Maßnahme forciert, um Nebenwirkungen zu verringern bzw. eine Wirksamkeitssteigerung der Standardtherapie zu erreichen.
Die Grundlage der therapeutischen Verabreichung von Natriumselenit beruht auf der Kenntnis der weitverbreiteten Selenmangelversorgung und des erhöhten Bedarfes an Selen in definierten Lebensphasen, bzw. des dokumentierten Selenmangels bei Tumoren. Überdosierung sollte vermieden werden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen:
Eine BPH-gerechte Ernährung beinhaltet viele Bestandteile der asiatischen und mediterranen Küche:
- Grundsätzlich wenig Fett.
- Statt tierischem besser pflanzliches Fett mit ungesättigten Fettsäuren, z. B. Oliven-, Lein- und Sojaöl, Margarine statt Butter verwenden.
- Viel Ballaststoffe:
Das bedeutet viel frisches Obst, Gemüse, Salat und Vollkorn-Getreideprodukte - Nahrungsmittel mit sogenannten Phytoöstrogenen:
- Stoffe, die dem Hormon Östrogen ähneln:
Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Bohnen, Kichererbsen),
Sojaprodukte (Tofu, Sojabohnenkeimlinge, Sojaöl),
bestimmte Getränke (Tee, Wein in Maßen). - Cerealien mit ebenfalls hohem Anteil an Phytoöstrogenen, z. B. Haferflocken und Weizenkleie sowie Sesamkörner und Leinsamen.
- Und: Kürbiskerne als Fernseh-Snack.
- Vitaminzufuhr erhöhen:
Multivitaminpräparate als ergänzende Therapie: Vitamin A, E, C und D
(02/2004)
