Permanente Seedimplantation (LDR-Brachytherapie)
Bei der permanenten Seedimplantation werden zwischen 25 und 80 wenige Millimeter große, radioaktiv geladene Metallstifte („Seeds“) in die Prostata eingebracht (Abbildung 12 und 13). Diese Seeds geben kontinuierlich ihre Strahlung ab, bis sie nicht mehr radioaktiv geladen sind. Sie verbleiben jedoch dauerhaft in der Prostata. Die Strahlung – es handelt sich normalerweise in Deutschland um 125Jod – reicht nur wenige Millimeter weit in das Gewebe. Das ist der Grund, warum die gesamte Prostata in genau definierten Abständen mit Seeds beladen werden muss. Dadurch erklärt sich auch die ungenaue Angabe der Zahl der Seeds, denn jede Prostata ist unterschiedlich groß und benötigt daher eine individuell unterschiedliche Menge von Seeds zur optimalen Bestrahlung. In der Regel wird die permanente Seedimplantation nicht in Verbindung mit einer perkutanen Strahlentherapie durchgeführt, es gibt jedoch Ausnahmen.
Die permanente Seedimplantation wird von Strahlentherapeuten und Urologen gemeinsam durchgeführt. Die Einlage der Seeds kann sowohl ambulant als auch für wenige Tage stationär erfolgen. Vor der Bestrahlung werden Ihr behandelnder Urologe, ein Anästhesist (ein Spezialist für die Narkose) und Ihr Strahlentherapeut Ihnen das Vorgehen genau erläutern und Sie über mögliche Nebenwirkungen aufklären (siehe Mögliche Komplikationen und Folgen der Strahlentherapie). In einer urologischen Voruntersuchung wird im transrektalen Ultraschall zunächst die Größe der Prostata bestimmt (sie sollte unter 60 cm³ sein). Darüber hinaus müssen individuelle Daten über das Wasserlassen bei Ihnen erhoben werden, u.a. die Urinflussgeschwindigkeit („Uroflow“). Geklärt werden muss auch die Frage, ob bei Ihnen eine größere Menge Restharn besteht. All dieses kann Einfluss darauf nehmen, ob die permanente Seedimplantation bei Ihnen durchgeführt werden kann.
In der Regel werden Sie am Tag vor der Implantation stationär aufgenommen. Nachdem Sie in den strahlentherapeutischen Operationssaal gebracht worden sind, wird Ihnen durch den Anästhesisten über einen kleinen Schlauch ein Betäubungsmittel um den unteren Anteil des Rückenmarksackes („peridural“) gespritzt. Der Schlauch wird während der gesamten Implantationszeit verbleiben, um die Betäubung optimal zu steuern. Auch eine Allgemeinnarkose ist möglich. Zunächst wird die Prostata mit dem Ultraschall vermessen und ein Bestrahlungsplan erstellt, der die genaue Lage der Seeds darstellt. Dieser Vorgang wird „intraoperative Planung“ genannt. Ist der optimale Plan fertig, werden anhand eines Koordinationssystems die Seeds mit Hilfe einer Nadel über den Damm in die Prostata eingebracht. Dieses geschieht völlig schmerzlos unter Ultraschallkontrolle (die Ultraschallsonde liegt im Enddarm).
Nachdem der letzte Seed in die Prostata eingebracht worden ist, wird die Nadel entfernt. Danach wird mit Durchleuchtung überprüft, ob alle Seeds korrekt in der Prostata liegen. Wenn dieser Vorgang abgeschlossen ist, werden Sie auf die Station zurückgebracht und können nach einer kurzen Zeit der Beobachtung wieder zurück nach Hause.
Nach etwa vier Wochen wird eine Computertomographie angefertigt, um die Lage der Seeds zu überprüfen und eine Nachberechnung der Dosis durchzuführen. Dadurch besteht bei größeren Abweichungen die Möglichkeit, die Dosis korrigieren zu können (durch eine erneute Implantation), auch wenn dieses nur selten vorkommt. Damit ist die Bestrahlung für Sie beendet. Wichtig für Sie ist, dass Sie zu keiner Zeit die Strahlung, die sich in Ihrem Körper „befindet“, auf Ihre Umgebung „übertragen“ können. Aus Strahlenschutz-Gründen sollten Sie allerdings über einen kurzen Zeitraum darauf verzichten, Kleinkinder auf den Schoß zu nehmen.



