Medikamente zur BPS-Behandlung

Das BPS wird meist mit Phytopharmaka, Alpha-Blockern oder 5-alpha- Reduktase-Hemmern behandelt. Diese Medikamentengruppen und ihre häufigsten Vertreter werden im folgenden näher vorgestellt.

Nachdem die Untersuchungsbefunde vorliegen und die Entscheidung zur medikamentösen Behandlung gefallen ist (siehe Abschnitt Behandlung), kann das geeignetste Medikament ausgesucht werden. Die Dosierung ist individuell anzupassen und die Wirkung regelmäßig zu kontrollieren.

Phytopharmaka

Hierbei handelt es sich um Arzneimittel, die aus Pflanzenbestandteilen hergestellt werden, oft aus Auszügen (Extrakten) mittels Alkohol. Sie enthalten in der Regel mehrere Wirkstoffe, ihre genaue Zusammensetzung ist herstellerabhängig. Die Präparate sind nicht rezeptpflichtig, die Kosten werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Phytopharmaka können die Beschwerden lindern, führen jedoch nicht zur Verkleinerung der Prostata. Ein Wirksamkeitsnachweis steht für einige Präparate noch aus. Verwendet werden am häufigsten Sägepalmenfrucht (von Sabal serrulatum = Serenoa repens), Kürbiskerne (von Cucurbita pepo) und Brennnesselwurzel (von Urtica dioica oder Urtica urens). Zudem gibt es Präparate mit standardisierten Mengen an Sitosterin (Phytosterol).

Alpha-Blocker

Diese Medikamente hemmen die so genannten Alpha-1-Rezeptoren, die für die Muskelspannung in der Prostata und im Blasenhals sorgen. So senken sie den Abflusswiderstand, allerdings nur gering und führen nicht zur Verkleinerung der Prostata. Die Beschwerden lindern sie hingegen deutlich. Die verfügbaren Wirkstoffe (z.B. Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin, Terazosin) haben ähnliche, dosisabhängige erwünschte und unerwünschte Wirkungen. Eine verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs soll die Verträglichkeit verbessern.

5-alpha-Reduktase-Hemmer

Das Enzym 5-alpha-Reduktase wandelt Testosteron in der Prostata in DHT (Dihydrotestosteron) um. Hemmstoffe dieses Enzyms (z.B. Dutasterid, Epristerid, Finasterid) führen zur Verkleinerung der Prostata, Verbesserung des Harnflusses und Linderung der Beschwerden. Zudem sinkt der Blutspiegel des PSA (Prostata-spezifisches Antigen) um etwa die Hälfte, was bei der Früherkennung eines Prostatakarzinoms berücksichtigt werden muss. Die Wirkungen treten langsam ein und sind individuell verschieden stark. Empfohlen wird die Anwendung bei einem Prostatavolumen über 40ml.

Weitere Arzneimittel

Aromatase-Hemmer behindern die Bildung von Östrogenen aus Testosteron (vgl. Abschnitt Ursachen und Entstehung); bei BPS haben sie keine befriedigenden Wirkungen gezeigt.

Weiterhin werden über verschiedene Kanäle, vor allem über das Internet zahlreiche Präparate (z.B. Aminosäuren, Organextrakte) mit zweifelhafter Wirkung angeboten. Werden Sie hellhörig bei Heilversprechen und denken Sie bei Berichten über Verbesserungen der Beschwerden daran, dass diese auch ohne Behandlung zeitweise zurückgehen können. Fragen Sie am besten Ihren Arzt, bevor Sie für solche Präparate unnütz Geld ausgeben oder Ihren Körper gar damit schädigen.

Weiterführende wissenschaftliche Informationen finden sich in der aktuellen Leitlinie „Therapie des Benignen Prostata-Syndroms (BPS)“. Sie ist Bestandteil der Leitlinien der Deutschen Urologen bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und dort zugänglich über das Menü „Leitlinien nach Fächern“ und dann das Fachgebiet „Urologie“.

Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 20.12.2004

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