Medikamente zur BPS-Behandlung

Das BPS wird meist mit Phytopharmaka, Alpha-Blockern, 5-alpha-Reduktase-Hemmern oder Muskarinrezeptorantagonisten behandelt. Therapieziele sowie Wirkungen der Einzelstoffe und Kombinationen werden hier näher vorgestellt.

Nachdem die Untersuchungsbefunde vorliegen und die Entscheidung zur medikamentösen Behandlung gefallen ist (siehe vorheriger Abschnitt Behandlungsplanung), wird das geeignetste Medikament ausgesucht. Es stehen Präparate aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung (s.u.), die nach einer Aufklärung über jeweiligen Vor- und Nachteile einzeln oder in Kombination (s.u.) gegeben werden. Die Auswahl richtet sich auch nach dem Ziel der Therapie, entweder nur die Beschwerden zu lindern oder auch das Fortschreiten des BPS zu hemmen, also die Zunahme von Symptomen, Prostatawachstum und möglichen Komplikationen zu bremsen (s. hierzu Zeichen und Komplikationen). Für Letzteres ist eine langfristige, mehrjährige Behandlung nötig. Die Dosierung der Medikamente ist individuell anzupassen und ihre Wirkung regelmäßig zu kontrollieren.

Phytopharmaka

Hierbei handelt es sich um Arzneimittel, die aus Pflanzenbestandteilen hergestellt werden, oft als Auszüge (Extrakte) mittels Alkohol. Sie enthalten deshalb zahlreiche Substanzen, was natürlich erst recht für Kombinationspräparate aus mehreren Pflanzen gilt. Selbst bei Verwendung nur einer Pflanze sind ihre genaue Zusammensetzung und damit ihre Verträglichkeit und erwünschten wie unerwünschten Wirkungen herstellerabhängig.

Zur BPS-Therapie verwendet werden hierzulande vor allem Phytopharmaka mit Beta-Sitosterin (ein Phytosterin = „pflanzliches Cholesterin“) sowie Mittel aus Sägepalmenfrucht (von Sabal serrulatum = Serenoa repens), Roggenpollen (von Secale cereale), Kürbiskernen (von Cucurbita pepo), Brennnesselwurzel (von Urtica dioica oder Urtica urens), Stargras (Hypoxis rooperi), Kiefer (Pinus) und Fichte (Picea). Die Präparate sind nicht rezeptpflichtig, und die Kosten werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Nur für einzelne Präparate aus den ersten drei Gruppen gibt es bislang Hinweise aus Studien, dass sie die BPS-Beschwerden lindern und den Harnstrahl verbessern können. Daten zur Langzeitwirkung und zum Einfluss auf das Fortschreiten des BPS fehlen jedoch. Eine langfristige und klinisch bedeutende Wirksamkeit wurde also noch für keines der Präparate nachgewiesen. Ebenso ist bislang unbekannt, welche der Inhaltsstoffe für ihre Effekte verantwortlich sind. Eine einheitliche Empfehlung lässt sich zu dieser recht „bunten“ Gruppe von Phytopharmaka nicht geben.

Alpha-Blocker (Alpha-1-Rezeptorantagonisten)

Diese Wirkstoffe hemmen so genannte Alpha-1-Rezeptoren, die für die Muskelspannung in der Prostata und im Blasenhals sorgen (s. dazu auch im Lexikon unter Alpha-Blocker). Zur BPS-Therapie stehen in Deutschland derzeit Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosin zur Verfügung. Sie unterscheiden sich etwas in den Eigenschaften und der Verabreichung.

Bei entsprechender Dosierung sind jedoch alle Alpha-Blocker ähnlich wirksam: Sie lindern die Beschwerden schnell (in Tagen) und deutlich, bei langfristiger Therapie auch über mehrere Jahre. Auf die anderen Kriterien für das Fortschreiten des BPS, Prostatawachstum und Komplikationsrisiko, haben sie aber keinen Einfluss. Den Harnabflusswiderstand durch die Prostata sowie den Harnstrahl verbessern sie nicht oder kaum. Sie kommen also insbesondere zur Therapie von mäßigen bis starken Beschwerden infrage.

Die unerwünschten Wirkungen sind bei allen ebenfalls dosisabhängig und ähnlich. Wichtig ist eine mögliche Wirkungsverstärkung von Medikamenten gegen Bluthochdruck. Als typisch gelten weiterhin Abgeschlagenheit, Schwindel, Kopfschmerz, Durchfall, Schwellung der Nasenschleimhaut, Erkältungszeichen, Blutdruckabfall, abnormaler Samenerguss (v.a. bei Tamsulosin) und Erschwernisse bei einer Staroperation. In der Regel verschwinden die Nebenwirkungen nach Absetzen des Alpha-Blockers wieder. Eine verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs (in Retard-Präparaten) verbessert die Verträglichkeit etwas.

5-alpha-Reduktase-Hemmer

Das Enzym 5-alpha-Reduktase wandelt das männliche Geschlechtshormon Testosteron in den meisten Zielzellen in das wesentlich wirksamere DHT (Dihydrotestosteron) um, auch in der Prostata (mehr dazu s. unter Geschlechtshormone). An Hemmstoffen dieses Enzyms (engl. 5ARI) zur BPS-Therapie sind hierzulande Dutasterid und Finasterid verfügbar. Sie unterscheiden sich in ihren Eigenschaften, nicht jedoch in Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Beide Stoffe lindern die Beschwerden deutlich (langsamer und etwas weniger als Alpha-Blocker), auch auf Dauer. Aber auch auf die anderen Kriterien für das Fortschreiten des BPS wirken sie positiv: So nimmt das Volumen der Prostata vor allem bei einem großen Organ sogar ab, im Schnitt nach sechs Monaten um ein Viertel, später mehr. Und das Risiko für BPS-Komplikationen sinkt. Den Harnabflusswiderstand durch die Prostata sowie den Harnstrahl verbessern sie dagegen nicht oder kaum. Sie dienen also beiden Behandlungszielen, sowohl der Linderung von Symptomen (vor allem mäßige bis starke bei großer Prostata) als auch der Hemmung des weiteren Fortschreitens des BPS.

Die unerwünschten Wirkungen sind bei beiden wiederum ähnlich, zum Beispiel Abnahme der Spermamenge, Libidoverlust (Libido = „Lust“), erektile Dysfunktion („Impotenz“) und Schwellung der Brustdrüse. Als Besonderheit senken sie den PSA-Wert innerhalb eines Jahres auf etwa die Hälfte. Zur Beurteilung der Höhe kann der Messwert einfach verdoppelt werden, was die Früherkennung von Prostatakrebs nicht verschlechtert.

Muskarinrezeptorantagonisten

Muskarinrezeptoren befinden sich vor allem auf der unwillkürlichen Muskulatur von Blutgefäßen, Magen, Darm und Harntrakt. Sie vermitteln deren Kontraktion, ausgelöst durch den Botenstoff Acetylcholin des unwillkürlichen Nervensystems. Hemmstoffe dieser Rezeptoren nennt man deshalb auch Anticholinergika. Sie entspannen beispielsweise die Muskulatur der Harnblase, weshalb sie bei überaktiver Blase (Reizblase, engl. OAB) verwendet werden. Dabei bestehen irritative (durch Reizung bedingte) Krankheitszeichen (z.B. häufiger, nächtlicher und imperativer = unwiderstehlicher Harndrang, s. Miktionsstörungen) wie sie auch beim BPS vorkommen (s. Zeichen und Komplikationen).

Besteht beim BPS jedoch eine Prostata-bedingte Harnabflussstörung (s. Untersuchung), erhöhen Muskarinrezeptorantagonisten das Risiko für eine akute Harnverhaltung (s. Zeichen und Komplikationen). Bei BPS ohne Abflussstörung können sie aber zur Linderung von häufigem und imperativem Harndrang sowie Dranginkontinenz eingesetzt werden (in Kombination mit einem Alpha-Blocker, s.u.). Als alleiniges Medikament zur Behandlung anderer BPS-Symptome und bei Männern mit Harnabflussstörung können sie derzeit nicht empfohlen werden.

Weitere Arzneimittel

Verschiedene Wirkstoffe werden derzeit auf ihre Wirksamkeit beim BPS untersucht, zum Beispiel PDE-5-Hemmer sowie Botulinustoxin, das in die Prostata gespritzt werden muss (s. auch Artikel Botulinustoxin bei Prostataerkrankungen). Hemmstoffe des Enzyms Aromatase behindern die Bildung von Östrogenen aus Testosteron, die mit dem Alter zunimmt und ein Grund für die Prostatavergrößerung sein könnte (vgl. Ursachen und Entstehung); beim BPS haben Aromatase-Hemmer aber bislang keine befriedigende Wirkung gezeigt.

Weiterhin werden über verschiedene Kanäle, vor allem über das Internet zahlreiche Präparate (z.B. Aminosäuren, Organextrakte) mit zweifelhafter Wirkung angeboten. Werden Sie hellhörig bei Heilversprechen und denken Sie bei Berichten über Verbesserungen der Beschwerden daran, dass diese auch ohne Behandlung zeitweise zurückgehen können. Fragen Sie am besten Ihren Arzt, bevor Sie für solche Präparate unnütz Geld ausgeben oder Ihren Körper gar damit schädigen.

Kombination aus Alpha-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer

Hierbei vermindert der Alpha-Blocker besonders die BPS-Symptome und der 5-alpha-Reduktase-Hemmer vor allem das Komplikationsrisiko. So war in Studien die Linderung der Krankheitszeichen bei der Kombination nicht besser als bei einem Alpha-Blocker alleine. Nur zur Verbesserung des Symptome ist diese Kombination also nicht angezeigt.

Dagegen nahmen die Krankheitszeichen oder die Komplikationen bei der Kombination weniger zu als bei jedem der beiden Wirkstoffe alleine. Die Kombination eignet sich also vor allem dazu, bei großer Prostata mäßige bis starke Beschwerden zu lindern und gleichzeitig das Risiko für ein Fortschreiten des BPS zu verringern.

Weil auch die unerwünschten Wirkungen bei der Kombination stärker sind, ist abzuwägen, bei welchen Patienten sie sinnvoll ist. Vermutlich betrifft dies am ehesten Patienten mit einem hohen Risiko für ein Fortschreiten (hohes Alter, starke Beschwerden, große Prostata bzw. hohes PSA). Doch besonders bei ihnen kommt alternativ eine Operation infrage (s. nächster Abschnitt Operationsverfahren). Es gibt zur Zeit keine Methode, mit der sicher zu bestimmen ist, welche Risikopatienten sich für diese Kombinationstherapie eignen.

Kombination aus Alpha-Blocker und Muskarinrezeptorantagonisten

In Studien waren häufiger und imperativer Harndrang sowie die Dranginkontinenz unter dieser Kombination deutlich besser als unter den Einzelstoffen, wobei noch keine Langzeitergebnisse vorlagen. Doch auch hier verstärken sich wiederum die unerwünschten Wirkungen. Deshalb kann die Kombination eingesetzt werden zur Behandlung der drei genannten Symptome bei Männern mit BPS, aber ohne Prostata-bedingte Harnabflussstörung. Dagegen kann der Einsatz dieser Kombination zur Behandlung anderer BPS-Symptome oder bei vorhandener Harnabflussstörung mangels Daten nicht empfohlen werden.

Quellen (u.a.)

  • Berges, R., et al.: Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1503-1516
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/035, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Oelke, M., et al.: Guidelines on the treatment of non-neurogenic male LUTS. European Association of Urology (EAU), 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU Website über die Seite der Leitlinien (dort auf den genannten Titel klicken) als PDF (englisch)
  • Oelke, M., et. al.: Medikamentöse Therapie der benignen Prostatahyperplasie. Urologe 2009; 48: 1365-1377
  • Schlenker, B., et al.: Medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms. Alles wieder im Fluss? MMW-Fortschr. Med. 2009; 151: 33-36

Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 09.07.2012

Letzte Änderung am 09.07.2012