Operationsverfahren zur BPS-Behandlung

Am häufigsten werden heute die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P), die Adenomenukleation (AE, „Prostatektomie“) und seltener die transurethrale Inzision der Prostata (TUIP) durchgeführt, je nach Befund.

Nachdem die Entscheidung zum operativen Eingriff gefallen ist (siehe Abschnitt Behandlung), steht die Wahl des Verfahrens an.

Als Standard gilt die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P, s.u.), an der sich alle anderen Verfahren messen lassen müssen. Derzeit sind eine ganze Fülle höchst unterschiedlicher Verfahren verfügbar, und es werden ständig neue entwickelt. Alle haben zwei Ziele: Erstens, die Beschwerden und den Harnabfluss möglichst schnell, gut und dauerhaft zu verbessern und Komplikationen des BPS zu verhindern. Und zweitens, die Belastung durch den Eingriff und dessen mögliche Komplikationen zu minimieren.

Leider widersprechen sich diese Ziele: Je mehr Prostatagewebe beseitigt wird, desto deutlicher und dauerhafter bessern sich die Beschwerden und (stets in geringerem Maße) der Harnabfluss. Desto eher ist aber auch mit negativen Auswirkungen des Eingriffs zu rechnen. Ein ideales Verfahren gibt es also (noch) nicht. So bleibt nur, nach genauer Aufklärung durch den Arzt das im Einzelfall am besten geeignete auszuwählen. Wegen der Vielgestaltigkeit können dieser Prozess und die Verfahren im folgenden nur zusammengefasst und stichwortartig vorgestellt werden.

Auswahlkriterien sind zum Beispiel:

  • Untersuchungsbefunde: Sie können die Auswahl erheblich einschränken.
  • Operationsziel: Vollständige oder teilweise, dauerhafte oder vorübergehende Verbesserung
  • Belastung durch den Eingriff: Ambulante oder stationäre Durchführung, Katheterisierung und Beschwerden nach dem Eingriff, Dauer bis zur Linderung der Beschwerden und bis zur vollständigen Heilung.
  • Langzeiterfolg: Weil die Prostata nicht vollständig entfernt wird, kann verbliebenes Gewebe nachwachsen und erneut ein BPS verursachen (Rezidiv), so dass ein weiterer Eingriff erforderlich werden kann. Das Risiko ist um so höher, je mehr Gewebe zurückbleibt und je mehr Zeit vergeht. Auch Komplikationen wie Narbenbildung (s.u.) können den Langzeiterfolg mindern. Beim Vergleich zwischen der TUR-P und neuen, insbesondere so genannten minimal invasiven (wenig eingreifenden) Verfahren ist es deshalb wichtig, einen möglichst langen Zeitraum zu betrachten (für Langzeitergebnisse mindestens 10 Jahre). Und an Studien sind strenge Anforderungen zu stellen.
  • Verfügbarkeit und Kosten: Manche Verfahren sind nur in Spezialzentren verfügbar, und es stellt sich die Frage der Kostenübernahme.
  • Entfernung oder Schädigung des Gewebes: Nur entferntes Gewebe kann auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms untersucht werden.

Mögliche Komplikationen des Eingriffs sind zum Beispiel:

  • Zwischenfälle während und bald nach Narkose und Operation: Abhängig zum Beispiel von Narkoseart, Alter und weiteren Erkrankungen.
  • Infektion und Beschwerden beim Wasserlassen während der Abheilung.
  • Inkontinenz (unwillkürlicher Harnabgang): Nach TUR-P relativ selten, kann eine weitere Behandlung (z.B. Beckenbodengymnastik) erfordern.
  • Erektionsstörung ("Impotenz", erektile Dysfunktion, ED): Besteht nach TUR-P in 10-15% der Fälle, zum Teil jedoch auch schon davor. Selbst Verbesserungen der Erektion nach TUR-P sind möglich.
  • Retrograde ("trockene") Ejakulation: Die Entleerung des Spermas beim Samenerguss in die Harnblase (rückwärts) tritt nach TUR-P sehr häufig auf, weil mit dem Prostatagewebe ein Teil der Muskulatur des inneren Schließmuskels entfernt wird. Das Empfinden des Orgasmus (sexueller Höhepunkt) wird dadurch nicht beeinträchtigt.
  • Behinderung des Harnabflusses durch Narbenbildung in der Harnröhre oder am Blasenhals.

Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P): Entfernen des Gewebes mit einer Elektroschlinge in Narkose durch die Harnröhre unter Sicht (endoskopisch). Katheter für 1-3 Tage, Krankenhausaufenthalt wenige Tage, vollständige Heilung in 3-6 Monaten. Minimal-TUR-P: Teilweises Entfernen des Gewebes; nur bei schwerkranken Patienten; weniger Komplikationen, aber höheres Risiko des Nachwachsens von Gewebe. Transurethrale Vaporesektion der Prostata (TUVRP): Neue TUR-P-Variante mit „Verdampfung“ des Gewebes; Langzeitergebnisse fehlen noch.

Adenomenukleation (AE, „Prostatektomie“): Entfernen der vergrößerten Prostatateile in Narkose durch einen offenen Zugang (durch die Bauchdecke, dann durch die Blase oder zwischen Blase und Schambein). Ältestes Verfahren. Heute Standard bei sehr großer Prostata (über 100g), großen Harnblasensteinen oder großen Ausstülpungen der Harnblasenwand. Vergleich zur TUR-P: Ergebnisse und Komplikationsraten etwa gleich, Katheter etwas länger nötig, längerer Krankenhausaufenthalt.

Transurethrale Inzision der Prostata (TUIP): Einschneiden von Blasenhals und Prostata durch die Harnröhre unter Sicht, eventuell Entfernen störenden Gewebes. Standard bei so genannter Blasenhalsstarre und kleiner Prostata. Vergleich zur TUR-P: Weniger Komplikationen, aber höheres Risiko des Nachwachsens von Gewebe.

Laserverfahren: Resektion (Wegschneiden), Koagulation (Verkochung) oder Vaporisation (Verdampfung) des Gewebes durch die Harnröhre unter Sicht, Koagulation des Gewebes nach Einbringen der Laserfaser in die Prostata vom Damm aus (interstitielle Laserkoagulation, ILC). Verwendet werden zahlreiche Laser-Arten für viele verschiedene Verfahren, zum Beispiel Nd:YAG-Laser (für die ILC und die VLAP = visuelle Laserablation der Prostata), Diodenlaser (für die ILC), KTP-Laser, Ho:YAG–Laser (für die Laserresektion der Prostata), „Greenlight“-Laser (zur photoselektiven Vaporisation der Prostata, PVP). Vergleich zur TUR-P: Bestenfalls Ergebnisse gleich gut und weniger Komplikationen (fehlende Langzeitergebnisse). Narkose, Katheterisierung (Katheter oft länger nötig) und Zeit bis zur Linderung der Beschwerden hängen stark vom Verfahren ab. Derzeit gelten die meisten Verfahren als minimal invasiv und als (bessere) Alternative zur medikamentösen Behandlung, zur TUR-P hingegen nur in besonderen Fällen.

Transurethrale Mikrowellenthermotherapie (TUMT): Erhitzen des Gewebes mit Mikrowellen durch die Harnröhre, entweder mit Niedrig-Energie (NE-TUMT) oder Hoch-Energie (HE-TUMT, bessere Ergebnisse). Vergleich zur TUR-P: Ergebnisse nicht so gut (fehlende Langzeitergebnisse), weniger Komplikationen, ambulant und ohne Narkose möglich, Katheter nicht unbedingt nötig, zunächst Verschlimmerung, dann langsamere Linderung der Beschwerden. Die NE-TUMT gilt als Alternative zur medikamentösen Behandlung.

Transurethrale Nadel-Ablation der Prostata (TUNA): Erhitzen des Gewebes mit Radiofrequenzwellen über Nadelantennen durch die Harnröhre unter Sicht. Vergleich zur TUR-P: Ergebnisse nicht so gut (fehlende Langzeitergebnisse), weniger Komplikationen, ohne Narkose möglich, Katheter nicht unbedingt nötig, zunächst Verschlimmerung, dann langsamere Linderung der Beschwerden. Die TUNA gilt als (bessere) Alternative zur medikamentösen Behandlung.

Intraprostatische Stents: Röhrchenförmige Implantate aus verschiedenem Material, die in örtlicher Betäubung vorübergehend oder dauerhaft in die Harnröhre eingesetzt werden. Stents können den Katheter ersetzen, vorübergehende Stents müssen aber regelmäßig gewechselt werden. Wegen Komplikationen (z.B. Verlagerung, Reizblase, dauerhafter Harndrang) kommen sie nur bei Patienten in Frage, bei denen andere Verfahren nicht möglich sind.

Ungeeignete Verfahren: Keine ausreichende Wirkung erzielen Hyperthermie (Überwärmung) und Ballondilatation (Aufweitung mittels Ballonkatheter). Die HIFU (gebündelter Ultraschall) ist noch in Erprobung.

Weiterführende wissenschaftliche Informationen finden sich in der aktuellen Leitlinie „Therapie des Benignen Prostata-Syndroms (BPS)“. Sie ist Bestandteil der Leitlinien der Deutschen Urologen bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und dort zugänglich über das Menü „Leitlinien nach Fächern“ und dann das Fachgebiet „Urologie“.

Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 20.12.2004

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