Miktionsstörungen
Veränderungen und Beschwerden beim Wasserlassen
Frage: Wenn nach dem Wasserlassen Urin nachtropft und im Unterleib ein leichter Druck besteht, ist das eine Blasenentzündung?
Antwort: Das wäre sehr ungewöhnlich. Das Nachträufeln deutet auf eine Obstruktion (Behinderung des Harnabflusses aus der Blase), ebenso wie eine Harnstrahlabschwächung oder ein verzögertes oder verlängertes Wasserlassen. Sehr oft ist die Ursache eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Dabei entleert sich häufig auch die Harnblase nicht vollständig, was ein entsprechendes Gefühl, auch ein Druckgefühl auslösen kann.
Frage: Ich muss sehr oft Wasserlassen, so alle 1-2 Stunden, tags und nachts. Kann das mit der Prostata zusammenhängen?
Antwort: Häufiges Wasserlassen kann verschiedene Ursachen haben: Man unterscheidet die Polyurie (vermehrte Harnausscheidung, z.B. bei erhöhter Trinkmenge oder Stoffwechselerkrankungen), die Pollakisurie (tagsüber gehäuft Harndrang und Entleeren einer geringen Harnmenge) und die Nykturie (Harndrang und Wasserlassen mehr als zweimal pro Nacht). Die letzten beiden Formen können Zeichen einer Reizung der Blase sein, zum Beispiel durch Restharn, wie er bei einer Prostatavergrößerung entstehen kann. Eine Nykturie kann jedoch auch Zeichen einer Herzmuskelschwäche sein. Um die Ursache herauszufinden, ist also eine Untersuchung beim Urologen zu empfehlen.
Frage: Seit einigen Tagen habe ich beim Wasserlassen immer leichte Schmerzen im Penis. Soll ich zum Arzt gehen?
Antwort: Ja. Bei Ihren Beschwerden handelt es sich um eine Dysurie (erschwertes Wasserlassen) oder Algurie (schmerzhaftes Wasserlassen), was für eine Entzündung spricht (z.B. von Harnblase, Harnröhre, Prostata). Und wenn eine Entzündung nicht behandelt wird, kann sie chronisch werden oder öfters wiederkehren, so dass Folgeschäden entstehen können (z.B. Aufsteigen der Entzündung mit Nierenschädigung).
Frage: Bei mir wurde ein Restharn von 70ml festgestellt. Die Prostata ist etwas vergrößert, ich habe aber keine Beschwerden. Ist der Restharn gefährlich?
Antwort: Eine geringe Restharnbildung ist nicht gefährlich. Es besteht aber ein erhöhtes Risiko für einen Harnweginfekt und eine akute Harnverhaltung (plötzliche Blockierung des Harnabflusses durch die Prostata mit schmerzhafter Überdehnung der Blase). Sie sollten den Befund regelmäßig kontrollieren lassen (1-2mal pro Jahr), weil die Restharnbildung unbemerkt zunehmen und Schäden verursachen kann.
Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Krankheitszeichen“ unter Miktionsstörungen.
Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 07.02.2006