Dr. med. Hubert E. Weiß (08.12.2011)

Neue Medikamente gegen Prostatakrebs

Zur Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms gibt es einige neue Wirkstoffe. Eine aktuelle Übersicht wurde auf dem Jahreskongress der deutschen Urologen in Hamburg vorgestellt.

Unter einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC) versteht man Prostatakrebs, bei dem der PSA-Wert (wieder) ansteigt trotz maximaler Androgenblockade (LH-RH-Analogon oder LH-RH-Antagonist plus Antiandrogen) und trotz eines Auslassversuchs des Antiandrogens (Näheres zu diesen Methoden s. Hormontherapie). Bei einem solchen Tumor ist die weitere Behandlung palliativ: Sie zielt darauf, die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern, und kann Beschwerden lindern, verlängert jedoch oft nicht oder kaum die Überlebenszeit. Einen Therapiestandard gibt es dafür derzeit nicht, am häufigsten erfolgt eine Behandlung mit dem Zytostatikum Docetaxel (mehr dazu s. Chemotherapie). In letzter Zeit wurden folgende neuen Wirkstoffe zugelassen:

Cabazitaxel: Wie Docetaxel (s. Chemotherapie) gehört Cabazitaxel zu den so genannten Taxanen, die die Zellteilung behindern. Es kann (zusammen mit Prednison, einem Kortikosteroid) gegeben werden, wenn eine Behandlung mit Docetaxel erfolglos war. In der Zulassungsstudie war die Überlebenszeit damit etwa 3 Monate länger als unter der Therapie mit Mitoxantron plus Prednison (zu Letzteren s. Chemotherapie).

Abirateron: Dieser Wirkstoff blockiert die Bildung von Androgenen überall im Körper, also in den Hoden, den Nebennieren und dem Tumor selbst. Letzteres scheint mit dafür verantwortlich zu sein, dass ein Tumor unabhängig von der üblichen Hormontherapie weiter wächst, also kastrationsresistent wird. Abirateron kann (zusammen mit Prednison) ebenfalls in Betracht kommen bei einem metastasierten CRPC nach einer erfolglosen Chemotherapie mit Docetaxel. Unter Abirateron plus Prednison war die Überlebenszeit etwa 4 Monate länger als unter Prednison alleine.

Denosumab: Hierbei handelt es sich um einen so genannten humanen monoklonalen Antikörper, also einen künstlich hergestellten menschlichen Abwehrstoff. Dieses besondere Eiweiß richtet sich gegen ein Antigen, ein anderes Eiweiß, das im Knochen dessen Abbau aktiviert. Bei Männern mit Prostatakrebs, die eine Hormontherapie (einen Androgenentzug) erhielten, nahm die Knochendichte unter Denosumab zu. Außerdem kam es gegenüber Zoledronsäure später zu Knochenkomplikationen (s. dazu Palliativtherapie). Ein Einfluss von Denosumab auf die Überlebenszeit wurde nicht nachgewiesen.

In Europa noch nicht zugelassen ist eine Hormontherapie mit Abirateron vor Chemotherapie, mit TAK700 (einem Wirkstoff ähnlich wie Abirateron) und mit MDV3100 (einem neuen Antiandrogen). Gleiches gilt für verschiedene neue Stoffe zur Immuntherapie (z.B. Sipuleucel-T) und zur Gentherapie (zu beiden Methoden s. weitere systemische Therapie) sowie weitere neue Substanzen zur Behandlung von Knochenmetastasen (z.B. Radium 223 und Cabozantinib).

Quellen

  • 63. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Hamburg 14.-17.9.11, Akademie-Forum 1, Teil 2 am 14.9.11 „Neue Substanzen in der urologischen Onkologie“
  • PCa im Spätstadium zunehmend umzingelt. Mehrere neue Medikamente in Entwicklung - vielfältige Wirkmechanismen. Biermann, Köln, Urologische Nachrichten 7-8/2011 S. 1+20
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 1.03, März 2011. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Heidenreich, A., et al.: Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology (EAU) 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite dieser Leitlinie (dort auf „Prostate Cancer“ klicken) als PDF (englisch)

Weitere Informationen

  • Zur Hormonbehandlung von Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Hormontherapie und in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre Informationen zur Hormontherapie des Prostatakarzinoms mittels LHRH-Agonisten
  • Zur Behandlung von Prostatakrebs mit Zytostatika in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Chemotherapie
  • Zur Behandlung von Prostatakrebs mit Target-Therapie, Immuntherapie und Gentherapie in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter weitere systemische Therapie
  • Zur Behandlung von Knochenkomplikationen bei Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Palliativmedizin