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Warum Prostatakrebszellen entstehen und sich manche zu einer lebensbedrohlichen Krankheit weiterentwickeln, ist unbekannt. Als Risikofaktoren gelten das Alter sowie hormonelle und genetische Faktoren.
Das Hauptrisiko tragen Männer ab 75 Jahren. In diesem Alter tritt ein Prostatakarzinom mehr als 12mal so häufig auf wie zwischen 45 und 59 Jahren und fast doppelt so häufig wie zwischen 60 und 74 Jahren (s. Häufigkeit des Prostatakarzinoms). Neben dem Alter werden folgende, nur zum Teil beeinflussbare Risikofaktoren diskutiert: Hormonelle FaktorenAndrogene (männliche Geschlechtshormone) spielen bei Entstehung und Wachstum des Prostatakarzinoms eine wichtige Rolle. So soll dieser Krebs nach Kastration vor der Pubertät (bei Eunuchen) nicht vorkommen und nach Kastration vor dem 40. Lebensjahr oder bei anderen Erkrankungen mit Störung der Androgenbildung nur sehr selten. Zudem führt die Absenkung der Androgene ("Androgenentzug") sowohl zu einer Schrumpfung der Prostata als auch in etwa 80% zur Rückbildung eines Prostatakarzinoms (s. Hormontherapie des Prostatakarzinoms).
Ein weiterer Hinweis ist die relative Seltenheit des Prostatakarzinoms bei Asiaten (s. Häufigkeit des Prostatakarzinoms). Bei ihnen soll die Androgenbildung niedriger sein als bei Europäern und Nordamerikanern, genauso wie die in der Prostata stattfindende Umwandlung von Testosteron in DHT (Dihydrotestosteron, s. Geschlechtshormone). Dies könnte genetisch bedingt sein, aber auch auf die Ernährung, Umwelteinflüsse oder andere unbekannte Faktoren zurückgehen (s.u.). Genetische FaktorenDie unterschiedliche Häufigkeit des Prostatakarzinoms in verschiedenen Bevölkerungen (gering in Asien, höher bei farbigen als bei weißen US-Amerikanern, höher in Nordeuropa als in Südeuropa) lässt einen Einfluss von Erbfaktoren nur vermuten und schließt andere Ursachen nicht aus.
Es ist aber bekannt, dass das Prostatakarzinom in manchen Familien gehäuft auftritt (familiäre Häufung). So steigt das Risiko auf das Zwei- bis Dreifache, wenn ein Verwandter ersten Grades (Bruder, Vater) an einem Prostatakarzinom erkrankt ist oder war, und auf das Fünffache bei zwei Verwandten ersten Grades. Das Risiko ist auch erhöht, wenn andere Verwandte väter- oder mütterlicherseits betroffen sind oder waren (z.B. Onkel, Großvater).
Etwa 10% der Prostatakarzinome sollen erblich bedingt sein. Man vermutet, dass mehrere Gene verändert sind, und spricht deshalb von genetischer Disposition („Veranlagung“). Die Veränderungen können bei Vater oder Mutter vorhanden (gewesen) oder spontan in einer ihrer Keimzellen entstanden sein und an die nächste Generation vererbt werden. Um welche Gene es sich dabei handelt und warum sich selbst bei vorhandenen Genveränderungen nicht in jedem Fall ein Prostatakarzinom entwickelt, wird noch untersucht.
Wichtig ist, dass erbliche Prostatakarzinome etwa 10 Jahre früher auftreten als die nicht erblichen Formen. Deshalb wird bei familiärer Häufung empfohlen, die jährliche Früherkennungsuntersuchung bereits ab dem 40. Lebensjahr in Anspruch zu nehmen und einen PSA-Test durchführen zu lassen. Umwelteinflüsse und ErnährungBei Asiaten, die in die USA einwandern, steigt das Prostatakarzinom-Risiko an, es ist in der nächsten Generation gleich hoch wie bei gebürtigen US-Amerikanern. Dies verdeutlicht den Einfluss von Umwelt und Ernährung, zumindest auf das Wachstum des Prostatakarzinoms.
Unter den Umweltfaktoren gibt es auch solche mit einem positiven Effekt: Die natürliche UV-Strahlung der Sonne fördert die Bildung von Vitamin D in der Haut und soll so eine schützende Wirkung haben. Dies könnte das deutliche Nord-Süd-Gefälle der Prostatakarzinom-Häufigkeit in Europa erklären.
Bezüglich der Ernährung gelten als Risiko-erhöhend: Vermehrter Verzehr von Fleisch (tierischen Eiweißen) und Fett (vor allem tierischen, gesättigten Fetten), verminderter Verzehr von Obst, Gemüse, Getreide und Ballaststoffen, Übergewicht (durch Einfluss auf den Hormonstoffwechsel?). Weitere FaktorenLanges Sitzen und mangelnde Bewegung sollen das Prostatakarzinom-Risiko erhöhen. Hingegen ist der Einfluss des Rauchens umstritten, und für folgende Faktoren konnte bislang kein Zusammenhang nachgewiesen werden: Beruf, sozialer Status, Infektionskrankheiten, Sexualverhalten, Vasektomie (Unterbrechung der Samenleiter, "Sterilisation"), gutartige Prostatavergrößerung (s. BPS). Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 21.12.2006 Nächster Abschnitt: Entstehung und Formen des Prostatakarzinoms
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