Prostatabiopsie
Die Probeentnahme aus der Prostata dient der weiteren Abklärung auffälliger Befunde, will aber gut überlegt sein. Standard ist die transrektale Prostatastanzbiopsie, auch bei einer Rebiopsie.
Beim Prostatakarzinom ist die Früherkennung besonders wichtig. Denn es verursacht im Anfangsstadium nur selten Beschwerden, zugleich sind die Heilungsaussichten um so besser, je früher es behandelt wird (s. Früherkennung des Prostatakarzinoms).
Um Prostataerkrankungen festzustellen, verwendet der Arzt vor allem die digitale rektale Untersuchung (s. DRU), die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), insbesondere den transrektalen Ultraschall (TRUS), sowie die Bestimmung des PSA-Spiegels im Blut (s. PSA-Bestimmung).
Dabei können sich auffällige Befunde ergeben, und man kann mit einer Prostatabiopsie (Probeentnahme) weiter untersuchen, ob Prostatakrebs vorliegt. Im Rahmen der Früherkennung soll eine Prostatabiopsie empfohlen werden, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien zutrifft:
- PSA-Wert ab 4 ng/ml bei der ersten Früherkennungsuntersuchung, der mit einer zweiten Messung bestätigt wurde (die genaue Höhe hängt vom Messverfahren ab)
- Verdächtiger Befund bei der DRU (digitalen rektalen Untersuchung)
- Auffälliger PSA-Anstieg bei gleichem Messverfahren und unter Berücksichtigung von individuellen Schwankungen (z.B. PSA-V = PSA-Anstiegsgeschwindigkeit ab 0,75 ng/ml/Jahr, abhängig vom Messverfahren)
Aufklärung vor der Biopsie
Vor der Entscheidung soll der Patient in ausreichendem zeitlichen Abstand zu dem Eingriff über mögliche Vorteile, Gefahren und Konsequenzen der Prostatabiopsie aufgeklärt werden. Dies umfasst auch Informationen über die Durchführung und mögliche Komplikationen des geplanten Biopsieverfahrens (s.u.), über die Behandlungsmöglichkeiten bei Nachweis von krankhaftem Gewebe (positive Biopsie) und über ein mögliches falsch negatives Ergebnis (vorhandener Krebs nicht entdeckt, s.u. im Abschnitt Befunde).
Für die Entscheidung über die Biopsie spielen nicht nur das Ausmaß der oben genannten Veränderungen (z.B. die Höhe des PSA-Werts) eine Rolle, sondern auch weitere Faktoren wie die Lebenserwartung des Betroffenen (Alter, Begleiterkrankungen) und Fälle von Prostatakrebs bei Verwandten. So ist zum Beispiel eine Biopsie bei geringer PSA-Erhöhung und unauffälligem Tastbefund nicht dringlich und in hohem Alter vielleicht sogar verzichtbar, weil eine Behandlung nicht möglich oder wegen des langsamen Tumorwachstums nicht nötig wäre.
Wichtig ist außerdem zu wissen, dass nach dem derzeitigen Stand der Forschung eine Biopsie keinen Einfluss auf ein Prostatakarzinom hat: Weder beschleunigt sie dessen Wachstum, noch begünstigt sie die örtliche Ausbreitung oder gar Absiedlungen (Metastasen). Eine Biopsie wird also keinesfalls „einen schlafenden Krebs wecken“, wohl aber ihn hoffentlich in einem frühen, noch heilbaren Stadium entdecken.
Transrektale Prostatastanzbiopsie
Für die Prostatabiopsie gibt es verschiedene Verfahren (s. Prostatabiopsie im Lexikon). Standard ist heute die transrektale Prostatastanzbiopsie unter TRUS-Kontrolle, das heißt das Ausstanzen dünner Gewebezylinder durch eine Nadel vom Mastdarm aus, deren Lage mittels Ultraschall kontrolliert wird. Dies erleichtert die gezielte Entnahme von Proben aus verschiedenen Stellen der Prostata und ermöglicht die Messung des Prostatavolumens. Da sich Bereiche, die bei der DRU auffällig waren, nicht unbedingt auch im TRUS abgrenzen lassen, kann es sinnvoll sein, dort unter Tast-Kontrolle weitere Proben zu entnehmen.
Vor dem Eingriff dient das Erheben der Anamnese (Vorgeschichte) vor allem dazu, erhöhte Risiken für Komplikationen (s.u.) im Voraus zu erkennen, um dagegen vorzubeugen. Die Anamnese betrifft insbesondere das Herz-Kreislauf-System, die Blutgerinnung, den Stoffwechsel und das Immunsystem (z.B. Herzerkrankung, Bluthochdruck, gerinnungshemmende Medikamente, Diabetes mellitus, Implantate, Transplantation, Allergie, HIV-Infektion).
Die Stanzbiopsie soll unter Antibiotikaschutz erfolgen, das heißt, man nimmt vorsorglich kurzzeitig ein Antibiotikum ein, um das Risiko einer Infektion durch Darmkeime zu vermindern. Weitere Maßnahmen vor oder während des Eingriffs wie eine Narkose sind nur selten nötig. Das örtliche Einspritzen von Betäubungsmitteln (Infiltrationsanästhesie) vermindert zwar mögliche Schmerzen, ist jedoch mit weiteren Vorsorgemaßnahmen wie dem Legen einer Infusion verbunden. Ähnliches gilt auch für die Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln (Analgosedierung).
Zur Biopsie wird die Ultraschallsonde in den Mastdarm eingeführt (Abb. 1). Sie enthält einen Kanal, durch den sich die Biopsienadel in den Zielbereich vorschieben lässt. Das Ausstanzen der Gewebezylinder selbst erfolgt mit einem speziellen Apparat blitzschnell und damit kaum spürbar, nur ein Klick ist zu hören.

So sollen nach einem festen Schema in der Regel 10-12 Gewebezylinder entnommen werden, oder mindestens sechs (Sextantenbiopsie), falls dies wegen einer sehr kleinen Prostata nicht möglich ist. Zusätzlich kann eine Entnahme aus tastbaren Knoten oder anderen verdächtigen Bezirken infrage kommen. Jede Probe kommt in ein separates Gefäß (Abb. 2), und ihr Entnahmeort wird genau notiert, damit die Befunde später zugeordnet werden können.

Nach der Biopsie dürfen Sie sich ein, zwei Tage schonen. Ein leichtes Druckgefühl kommt oft vor, nur gelegentlich ist ein Schmerzmittel nötig. Ebenso wenig beunruhigend sind geringe Blutauflagerungen auf dem Stuhl sowie Blutbeimengungen zum Sperma (s. Hämospermie) und zum Urin (s. Hämaturie). Sie sollten viel trinken, um die Harnwege zu spülen. Und bitte beachten Sie, vor allem direkt nach dem Eingriff, dass Medikamente Ihre Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen einschränken können.
Mögliche Komplikationen der Biopsie
Die transrektale Prostatastanzbiopsie ist ein relativ einfacher und sicherer Eingriff. Komplikationen sind insgesamt selten. Sie können jedoch eine weitere medikamentöse oder operative Behandlung erforderlich machen. Bei ersten Anzeichen dafür sollten Sie sich sofort an Ihren Arzt wenden. Hier die wichtigsten:
Blutungen: Als Zeichen für die Verletzung eines größeren Blutgefäßes kann eine starke Blutung aus dem Darm oder der Harnröhre auftreten. Hingegen spricht eine anhaltende Blutbeimengung zum Urin (länger als etwa zwei Wochen, s. auch Hämaturie) oder zum Sperma (länger als etwa vier Wochen, s. auch Hämospermie) für eine verzögerte Wundheilung.
Entzündungen: Trotz Antibiotikaprophylaxe (s.o.) verursachen verschleppte Darmkeime manchmal Infektionen wie einen Harnweginfekt oder eine Prostataentzündung (s. akute Prostatitis). Diese können sich abkapseln (z.B. zu einem Prostataabszess) oder auch ausbreiten. Vor allem starke Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost sind ernste Krankheitszeichen.
Allergie: Solche Überempfindlichkeitsreaktionen, zum Beispiel gegen ein Betäubungsmittel oder ein Antibiotikum, können sich mit Hautausschlag, Juckreiz, Schwindel oder Atembeschwerden äußern.
Akute Harnverhaltung: Die Harnentleerung ist plötzlich unmöglich, so dass die Blase schmerzhaft überdehnt wird. Mögliche Ursachen sind das Verstopfen des Blasenausgangs mit Blut oder eine Schwellung der Prostata, ähnlich wie bei der gutartigen Prostatavergrößerung (vgl. Zeichen und Komplikationen des BPS).
Befunde und ihre Aussagekraft
Die Gewebeproben werden aufgearbeitet und von einem Pathologen mit dem Mikroskop histologisch (feingeweblich) untersucht. Bei krankhaften Veränderungen (positive Biopsie) kann er deren Art bestimmen, so auch die Malignität (Bösartigkeit) eines Tumors (s. hierzu Klassifikation des Prostatakarzinoms). Zudem sind Rückschlüsse auf die örtliche Ausdehnung möglich, wenn die Entnahmeorte der Proben bekannt sind.
Die Aussagekraft des histologischen Befunds wird eingeschränkt durch die Tatsache, dass die Biopsie immer nur Teile der Prostata erfasst. So lässt sich zum Beispiel bei einer positiven Biopsie die Ausbreitung eines Prostatakarzinoms erst nach einer Operation sicher beurteilen.
Ist hingegen kein krankhaftes Gewebe nachweisbar (negative Biopsie), so kann dies bedeuten, dass tatsächlich keines vorhanden ist (richtig negatives Ergebnis), oder aber, dass es nicht getroffen wurde (falsch negatives Ergebnis). Und das obwohl beispielsweise der PSA-Wert erhöht oder ein Knoten tastbar ist. Die Biopsie kann also ein Prostatakarzinom nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen.
Rebiopsie
In manchen Fällen ist eine Rebiopsie (Wiederholungsbiopsie) nötig, am besten nach einer PSA-Kontrolle. Insbesondere hier sollten störende Einflüsse auf den PSA-Spiegel bekannt sein und möglichst ausgeschlossen werden (Näheres siehe PSA-Bestimmung). Hierzu zählt vor allem eine Prostatitis, weshalb eine vorbeugende Einnahme eines Antibiotikums vor der Blutentnahme infrage kommen kann.
Vor jeder Rebiopsie soll der Patient erneut über mögliche Vorteile, Gefahren und Konsequenzen der Prostatabiopsie aufgeklärt werden. Dazu gehören beispielsweise Informationen über die geringere Trefferrate, die andere Aussagekraft des Befunds und das weitere Vorgehen, wenn die Biopsie wieder negativ ausfällt.
Eine Rebiopsie innerhalb von sechs Monaten soll empfohlen werden
- beim Nachweis einer ausgedehnten HG-PIN (hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie, Krebsvorstufe),
- beim Nachweis einer ASAP (atypische mikroazinäre Proliferation, verdächtiges Gewebe),
- bei einem verdächtigen Wert oder Verlauf des PSA-Spiegels.
Bei negativer Biopsie empfiehlt sich spätestens nach 12 Monaten eine erneute Untersuchung, einschließlich DRU (digitale rektale Untersuchung) und PSA-Kontrolle. Die Entscheidung zur Rebiopsie richtet sich dann nach den neuen Untersuchungsergebnissen. Hinzu kommen wie bei der Erstbiopsie die weiteren Faktoren, zum Beispiel die Frage, ob bei einem positiver Befund überhaupt eine Behandlung möglich wäre (s.o. im Abschnitt Aufklärung).
Quellen
- Börgermann, C., et al.: PSA – Quo vadis? Urologe 2009; 48: 1008-1017
- Börgermann, C., et al.: Probleme, Zielsetzung und Inhalt der Früherkennung beim Prostatakarzinom. Urologe 2010; 49: 181-189
- Braun, K.-P., et al.: Stellenwert der Rebiopsie in der Diagnostik des Prostatakarzinoms. Urologe 2009; 48: 163-169
- DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 1.00, September 2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
- Heynemann, H.: Diagnostik des Prostatakarzinoms. Die sonografisch gesteuerte Prostatabiopsie. Uro-News 2010; 5: 50-54
- Rübben, H. (Hrsg.): Uroonkologie. 4. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007
Weitere Informationen
- Zur Probeentnahme im Magazin unter Probeentnahme bei Prostatakrebs und in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre „Die Prostatastanzbiopsie - Gewebeentnahme aus der Prostata“
- Zum PSA in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Untersuchungen“ unter PSA-Bestimmung sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre „Prostatakrebs - Viel häufiger als man denkt“
- Zur Vorsorgeuntersuchung in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Früherkennung von Prostatakrebs sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre „Prostatakrebs - Viel häufiger als man denkt“
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 26.10.2010

