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Prostatabiopsie

Die Probeentnahme aus der Prostata dient der weiteren Abklärung auffälliger Befunde. Die Entscheidung dazu fällt aber nicht immer leicht. Das Standardverfahren, die transrektale Prostatastanzbiopsie, wird hier ebenso behandelt wie die Frage der Wiederholungsbiopsien.

Beim Prostatakarzinom ist die Früherkennung besonders wichtig. Denn es verursacht im Anfangsstadium nur selten Beschwerden, zugleich sind die Heilungsaussichten um so besser, je früher es behandelt wird (s. Früherkennung des Prostatakarzinoms).

Um Prostataerkrankungen festzustellen, verwendet der Arzt vor allem die digitale rektale Untersuchung (s. DRU), die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), insbesondere den transrektalen Ultraschall (TRUS), sowie die Bestimmung des PSA-Spiegels im Blut (s. PSA-Bestimmung).

Dabei können sich auffällige Befunde ergeben, zum Beispiel tastbare Knoten bei der DRU, verdächtige Bezirke beim TRUS oder ein erhöhter PSA-Spiegel (in der Regel ab 4ng/ml). In diesen Fällen empfiehlt sich eine Prostatabiopsie um zu untersuchen, ob ein Prostatakarzinom vorliegt.

Entscheidung zur Biopsie

Neben den genannten Befunden sind weitere Faktoren wichtig für die Entscheidung, beispielsweise die Lebenserwartung des Betroffenen (Begleiterkrankungen, Alter bis 70 Jahre), Fälle von Prostatakarzinom in seiner Verwandtschaft und die Höhe des PSA-Werts. So ist zum Beispiel eine Biopsie bei geringer PSA-Erhöhung und unauffälligem Tastbefund nicht dringlich, und der PSA-Wert sollte zunächst kontrolliert werden.

Basis der Entscheidung ist immer eine umfangreiche Aufklärung. Auch über die Durchführung und mögliche Komplikationen des geplanten Biopsieverfahrens sowie über das weitere Vorgehen bei Nachweis von krankhaftem Gewebe (positive Biopsie).

Wichtig ist außerdem zu wissen, dass nach dem derzeitigen Stand der Forschung eine Biopsie keinen Einfluss auf ein Prostatakarzinom hat: Weder beschleunigt sie dessen Wachstum, noch begünstigt sie die örtliche Ausbreitung oder gar Absiedlungen (Metastasen). Eine Biopsie wird also keinesfalls „einen schlafenden Krebs wecken“, wohl aber ihn hoffentlich in einem frühen, noch heilbaren Stadium entdecken.

Verschiedene Biopsieverfahren

Zur Prostatabiopsie werden verschiedene Verfahren eingesetzt: Bei der Nadelbiopsie wird Zellmaterial angesaugt, bei der Stanzbiopsie durch eine Nadel hindurch ein dünner Gewebezylinder ausgestanzt. In beiden Fällen lässt sich die Lage der Nadel mit dem Finger oder mittels Ultraschall kontrollieren. Der Zugang erfolgt transperineal (durch den Damm) oder transrektal (durch den Mastdarm).

Das Standardverfahren ist heute die transrektale Prostatastanzbiopsie unter TRUS-Kontrolle (s.u.). Denn bei der transperinealen Biopsie ist zwar das Infektionsrisiko etwas geringer, jedoch eine Betäubung (örtlich oder „Rückenmarksnarkose“) erforderlich. Und für die Stanzbiopsie spricht, dass eine Diagnose aus Gewebe genauer möglich ist als aus Zellmaterial.

Standard: Transrektale Prostatastanzbiopsie

Nach der Entscheidung zur Biopsie dient das Erheben der Anamnese (Vorgeschichte) vor allem dazu, erhöhte Risiken für Komplikationen (s.u.) im Voraus zu erkennen, um dagegen vorzubeugen. Die Anamnese betrifft insbesondere das Herz-Kreislauf-System, die Blutgerinnung, den Stoffwechsel und das Immunsystem (z.B. Herzerkrankung, Bluthochdruck, gerinnungshemmende Medikamente, Diabetes mellitus, Implantate, Transplantation, Allergie, HIV-Infektion).

Eine Antibiotikaprophylaxe ist angezeigt, um das Risiko einer Infektion durch Darmkeime zu mindern: Man nimmt vorsorglich kurzzeitig ein Antibiotikum ein. Weitere Maßnahmen vor oder während des Eingriffs wie die Gabe von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln sowie eine örtliche Betäubung sind nur selten nötig. Eine Narkose ist Ausnahmefällen vorbehalten.


Zur Biopsie wird die Ultraschallsonde in den Mastdarm eingeführt (Abb. 1). Sie enthält einen Kanal, durch den sich die Biopsienadel in den Zielbereich vorschieben lässt. Das Ausstanzen der Gewebezylinder selbst erfolgt mit einem speziellen Apparat blitzschnell und damit kaum spürbar, nur ein Klick ist zu hören.

So werden meist sechs Gewebeproben entnommen (deshalb als Sextantenbiopsie bezeichnet), vorwiegend aus den seitlichen Bereichen der Prostata und natürlich aus tastbaren Knoten oder anderen verdächtigen Bezirken. Jede Probe kommt in ein separates Gefäß (Abb. 2), und ihr Entnahmeort wird genau notiert, damit die Befunde später zugeordnet werden können.



Nach der Biopsie dürfen Sie sich ein, zwei Tage schonen. Ein leichtes Druckgefühl kommt oft vor, nur gelegentlich ist ein Schmerzmittel nötig. Ebenso wenig beunruhigend sind geringe Blutauflagerungen auf dem Stuhl sowie Blutbeimengungen zum Sperma (s. Hämospermie) und zum Urin (s. Hämaturie). Sie sollten viel trinken, um die Harnwege zu spülen. Und bitte beachten Sie, vor allem direkt nach dem Eingriff, dass Medikamente Ihre Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen einschränken können.


Komplikationen der Prostatabiopsie

Die transrektale Prostatastanzbiopsie ist ein relativ einfacher und sicherer Eingriff. Komplikationen sind insgesamt selten. Sie können jedoch eine weitere medikamentöse oder operative Behandlung erforderlich machen. Bei ersten Anzeichen dafür sollten Sie sich sofort an Ihren Arzt wenden. Hier die wichtigsten:

Blutungen: Als Zeichen für die Verletzung eines größeren Blutgefäßes kann eine starke Blutung aus dem Darm oder der Harnröhre auftreten. Hingegen spricht eine anhaltende Blutbeimengung zum Urin (länger als etwa eine Woche, s. auch Hämaturie) oder zum Sperma (länger als etwa vier Wochen, s. auch Hämospermie) für eine verzögerte Wundheilung.

Entzündungen: Trotz Antibiotikaprophylaxe (s.o.) verursachen verschleppte Darmkeime manchmal Infektionen wie einen Harnweginfekt oder eine Prostataentzündung (s. akute Prostatitis). Diese können sich abkapseln (z.B. zu einem Prostataabszess) oder auch ausbreiten. Vor allem starke Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost sind ernste Krankheitszeichen.

Allergie: Solche Überempfindlichkeitsreaktionen, zum Beispiel gegen ein Betäubungsmittel oder ein Antibiotikum, können sich mit Hautausschlag, Juckreiz, Schwindel oder Atembeschwerden äußern.

Akute Harnverhaltung: Die Harnentleerung ist plötzlich unmöglich, so dass die Blase schmerzhaft überdehnt wird. Mögliche Ursachen sind das Verstopfen des Blasenausgangs mit Blut oder eine Schwellung der Prostata, ähnlich wie bei der gutartigen Prostatavergrößerung (vgl. Zeichen und Komplikationen des BPS).

Befunde und ihre Aussagekraft

Die Gewebeproben werden aufgearbeitet und von einem Pathologen mit dem Mikroskop histologisch (feingeweblich) untersucht. Bei krankhaften Veränderungen (positive Biopsie) kann er deren Art bestimmen, so auch die Malignität (Bösartigkeit) des Tumors (s. hierzu Klassifikation des Prostatakarzinoms). Zudem sind Rückschlüsse auf die örtliche Ausdehnung möglich, soweit die Entnahmeorte der Proben bekannt sind.

Die Aussagekraft des histologischen Befunds wird eingeschränkt durch die Tatsache, dass die Biopsie immer nur Teile der Prostata erfasst. So lässt sich zum Beispiel bei einer positiven Biopsie die Ausbreitung eines Prostatakarzinoms erst nach einer Operation abschließend beurteilen.

Ist hingegen kein krankhaftes Gewebe nachweisbar (negative Biopsie), so kann dies bedeuten, dass tatsächlich keines vorhanden ist, oder aber, dass es nicht getroffen wurde. Und das obwohl beispielsweise der PSA-Wert erhöht oder ein Knoten tastbar ist. Die Biopsie kann also ein Prostatakarzinom nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen.

Deshalb gibt es Empfehlungen, schon bei der ersten Biopsie bis zu 18 Proben zu entnehmen, abhängig vom Prostatavolumen. Dies erhöht die Sicherheit des Ausschlusses wie auch die Erkennungsrate. Zudem wird die Aussagekraft der Befunde verbessert und damit die Behandlungsplanung erleichtert.

Wiederholungsbiopsie

In manchen Fällen ist eine Wiederholung der Biopsie (Rebiopsie) nötig, am besten nach einer PSA-Kontrolle. Dabei sollten störende Einflüsse auf den PSA-Spiegel bekannt sein und möglichst ausgeschlossen werden (Näheres siehe PSA-Bestimmung). Hierzu zählt insbesondere eine Prostatitis, weshalb die vorbeugende Einnahme eines Antibiotikums für zwei Wochen vor der Blutentnahme empfohlen wird.

Eine Rebiopsie innerhalb von sechs Monaten ist anzuraten bei:

Nachweis einer HG-PIN (hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie, Krebsvorstufe)
Nachweis einer ASAP (atypische mikroazinäre Proliferation, verdächtiges Gewebe)
Einem Biopsiebefund, der die Höhe des PSA-Spiegels nicht erklärt
Steigendem PSA-Spiegel

Bei negativer Biopsie sollte spätestens nach 12 Monaten eine erneute Untersuchung stattfinden, einschließlich DRU (digitale rektale Untersuchung) und PSA-Kontrolle. Die Entscheidung zur Rebiopsie richtet sich dann nach den Untersuchungsergebnissen.

Weitere Informationen

Weiterführende wissenschaftliche Informationen (auch zur Prostatabiopsie) finden sich in der aktuellen Leitlinie "PSA-Bestimmung in der Prostatakarzinomdiagnostik (Früherkennung des Prostatakarzinoms)", von der es eine Kurzfassung und eine Vollversion gibt. Beide sind Bestandteil der Leitlinien der Deutschen Urologen bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und dort zugänglich über das Menü "Leitlinien nach Fächern" und dann das Fachgebiet "Urologie".

Artikel und Broschüren zum Thema Prostatabiopsie:

M. Wirth: Prostatakrebs-Früherkennung. Die Kernpunkte der Leitlinie zur Prostatakrebs-Früherkennung. Weiter ...
Broschüre "Prostatakrebs - Viel häufiger als man denkt". Weiter ...
Broschüre "Die Prostatastanzbiopsie". Weiter ...

Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 15.11.2005



Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre „Die Prostatastanzbiopsie“. Weiter ...




 
 
 
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