Prostatakrebs-Patienten geben ihren Ärzten gute Noten

Die Zwischenauswertung der HAROW-Studie ergab, dass die meisten Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom ein niedriges Risiko haben, die Operation wählen und sich ärztlich bestens betreut fühlen.

Die Abkürzung HAROW steht für die fünf Möglichkeiten zur Behandlung von lokal begrenztem Prostatakrebs: Hormontherapie, Active Surveillance (aktive Überwachung), Radiotherapie (Strahlentherapie), Operation (radikale Prostatektomie) und Watchful Waiting (abwartendes Beobachten).

Die HAROW-Studie ist die bisher größte Untersuchung über die Versorgung von Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs im deutschsprachigen Raum. Sie startete 2008 und umfasst derzeit fast 1500 Patienten. Geplant sind eine Laufzeit von 5 Jahren und 5000 Patienten. Durchgeführt wird die Studie von der gemeinnützigen Stiftung Männergesundheit in Zusammenarbeit mit dem BDU (Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.), der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), dem BPS (Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.) und dem Dachverband der Prostatazentren Deutschlands e.V. mit finanzieller Unterstützung durch ein privates Unternehmen.

Ziel der Studie ist die Beantwortung von Fragen, die für den Patienten und den Arzt wichtig sind, die in anderen Untersuchungen aber noch nicht geklärt wurden, zum Beispiel welchen Wert die einzelnen Therapieoptionen unter Alltagsbedingungen haben. Hierzu dokumentieren sowohl die Patienten als auch die Studienärzte in Praxen und Kliniken den Verlauf in regelmäßigen Abständen.

In die Zwischenauswertung vom März 2010 waren 1213 Patienten und 194 Ärzte eingeschlossen. Die meisten Patienten waren 65-74 Jahre alt (54%), lebten in einer festen Partnerschaft (75%), befanden sich im Ruhestand (64%) und hatten keine weiteren Begleiterkrankungen (56%). Die Tumoren wurden am häufigsten wegen eines erhöhten PSA-Wertes von 4-10 ng/ml (bei 60%) mit mindestens 12 Biopsien (bei 39%) festgestellt, was ein Stadium T1c bedeutet (bei 52%; zum TNM-System s. Wachstum und Ausbreitung). Der Gleason-Score betrug überwiegend 4-6 (bei 59%), und fast drei Viertel (72%) der Patienten hatten einen Tumor mit niedrigem Risiko (nach den Chism-Kriterien: PSA-Wert bis 10 ng/ml und T1a-T2c und Gleason-Score bis 6).

Der Krankheitsverlauf bei 591 Patienten über ein Jahr ergab bei 16% eine Höherstufung der Tumorkategorie, zumeist nach der histologischen (feingeweblichen) Untersuchung nach Operation, und bei 3% ein Fortschreiten der Erkrankung, am häufigsten erkannt anhand einer kurzen PSA-Verdoppelungszeit (PSA-DT).

Von 1190 Patienten mit vorliegendem Therapieentschluss entschieden sich 56% für die radikale Prostatektomie, 12% für die aktive Überwachung, 11% für eine Strahlentherapie, 8% für eine Kombination, 6% für eine Hormontherapie und 2% für das abwartende Beobachten. Ältere und Patienten mit hohem Risiko wählten am ehesten ein konservatives Vorgehen, also eine der beiden letztgenannten Optionen. Die Entscheidung fiel im Schnitt nach einem Monat, und es dauerte einen weiteren Monat bis zur Operation oder zum Beginn der Strahlentherapie.

Die Lebensqualität der Patienten und ihr Verhältnis zum behandelnden Arzt ist eine wichtiger Bestandteil der HAROW-Studie und wurde mit verschiedenen Fragebogen erfasst, zum Teil bereits über ein Jahr. Die Beurteilung der Lebensqualität bezüglich der allgemeinen Gesundheit, der Krebserkrankung und deren Änderung über die Zeit lieferte im Großen und Ganzen keine unerwarteten Ergebnisse. So fühlten sich die Patienten in den meisten Bereichen kaum und nicht zunehmend beeinträchtigt, mit Ausnahme von sexuellen Problemen nach einer eingreifenden Behandlung.

Ihren behandelnden Ärzten stellten die Patienten fast durchweg Bestnoten aus: Den Aussagen zur Zuwendung, Unterstützung, Aktivierung und Information durch den Arzt stimmten jeweils 57-93% voll und ganz und 9-28% eher zu (zusammen über 95%). Weniger Zustimmung erreichten die Erreichbarkeit des Arztes außerhalb der Sprechzeiten (zusammen 69%) und die Weitergabe von Informationen, die nicht direkt die Behandlungsmöglichkeiten betreffen (36-62%).

Fazit der Autoren

Patienten mit Prostatakrebs fühlen sich von ihrem Arzt bestens betreut: Die weitaus meisten denken, dass er sie unterstützt, wertschätzt, verständlich informiert und in die Therapieentscheidung einbezieht und dass er ihnen genügend Zeit für ihre Entscheidung gibt. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass noch nicht alle Ärzte ihre Patienten ausreichend über Selbsthilfegruppen, Reha-Möglichkeiten und ärztliche Zweitmeinungen informieren.

Quellen

  • Stiftung Männergesundheit: HAROW, Zwischenbericht 2010. Neue Erkenntnisse zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms. Berlin, 3.5.10. -> zur Website der Stiftung
  • BDU (Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.), DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.): Aktuelle Auswertungen der HAROW-Versorgungsstudie. Prostatakrebs-Patienten attestieren ihren Urologen Bestnoten. Pressemitteilung 2.6.10. Verfügbar auf dem Urologenportal im Pressebereich
     

Weitere Informationen