Benignes Prostatasyndrom (BPS)

Das BPS ist eine Prostata-bedingte Störung des Harnabflusses und kommt bei Männern im mittleren und höheren Alter recht häufig vor. Es führt vor allem zu Beschwerden beim Wasserlassen und kann medikamentös oder operativ behandelt werden.

Begriffe beim BPS

Unter dem benignen Prostatasyndrom versteht man die subjektiven Beschwerden (z.B. beim Wasserlassen) und objektiven Veränderungen, die entstehen, wenn die Prostata den Harnabfluss aus der Blase behindert.

Das benigne (gutartige) Prostatasyndrom (BPS) wird oft recht ungenau als gutartige Prostatavergrößerung bezeichnet. Um zu verstehen, was genau gemeint ist, sind folgende Begriffe voneinander zu unterscheiden:

  • LUTS (engl. lower urinary tract symptoms): Symptome (Krankheitszeichen, genauer: Beschwerden) des unteren Harntraktes (Harnblase und Harnröhre). Mögliche Ursachen der LUTS sind eine vergrößerte Prostata (BPE, s. nächster Absatz), eine normal große (aber veränderte) Prostata, aber auch andere Veränderungen (z.B. eine OAB = engl. overactive bladder = Syndrom der überaktiven Blase) und Nebenwirkungen von Medikamenten.
  • BPE (engl. benign prostatic enlargement): Gutartige Prostatavergrößerung. Sie wird durch Untersuchungen (z.B. Tastuntersuchung = DRU) festgestellt und kann (muss aber nicht) zu Beschwerden (LUTS, s.o.) führen.
  • BOO (engl. bladder outlet obstruction): Blasenauslasshindernis. Eine solche Harnabflussstörung ist ebenfalls anhand von Untersuchungen (z.B. mit Ultraschall) erkennbar und kann (muss aber nicht) von der (vergrößerten oder normal großen) Prostata verursacht werden und zu Beschwerden (LUTS, s.o.) führen.
  • BPO (engl. benign prostatic obstruction): Wörtlich: Gutartiges Prostatahindernis. Gemeint ist eine Harnabflussstörung (BOO, s.o.) durch eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE, s.o.).
  • BPH: Benigne Prostatahyperplasie, gutartige Vermehrung von Prostatazellen. Dies ist eine Diagnose, die nur durch eine histologische (feingewebliche) Untersuchung gestellt werden kann.
     

Unter einem BPS versteht man also ein Syndrom (das ist eine charakteristische Gruppe von zusammengehörigen Symptomen = Krankheitszeichen) aus Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) und eventuell des oberen Harntrakts (Niere, Harnleiter) sowie auffälligen Befunden des unteren und/oder oberen Harntrakts, verursacht von einer Harnabflussstörung aus der Blase (BOO), die wiederum auf eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE) oder eine anderweitige Veränderung der Prostata zurückgeht. Kurz: Ein BPS sind Beschwerden und Veränderungen durch eine Prostata-bedingte Harnabflussstörung (BPO).

Beim BPS sind die drei Hauptmerkmale, die Beschwerden (LUTS, mehr dazu s. Zeichen und Komplikationen des BPS), die Harnabflussstörung aus der Blase (BOO) und die gutartige Prostatavergrößerung (BPE) individuell sehr verschieden ausgeprägt (mehr zu den Befunden s. Untersuchung beim BPS). Grund ist, dass alle drei nur bedingt voneinander abhängen (s.o.). So kann beispielsweise selbst eine kleine Prostata den Harnabfluss aus der Blase erheblich behindern und zu ernsten Komplikationen führen, ohne dass starke Beschwerden auftreten. Meist sind aber die Prostata vergrößert und zunehmende Beschwerden beim Wasserlassen (bei der Miktion) vorhanden.

Quellen (u.a.)

  • Berges, R., et al.: Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1356-1364
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006

Häufigkeit des BPS

Die Häufigkeit des BPS nimmt mit dem Alter zu. So leiden Millionen von Männern in Deutschland an behandlungsbedürftigen Beschwerden, darunter jeder vierte über 50 Jahren.

Nach der Zahl der Betroffenen und den Kosten für Untersuchung und Behandlung ist das benigne Prostatasyndrom (BPS) eine Volkskrankheit. Dies gilt für zahlreiche Länder, wobei die Daten aus diversen Gründen (z.B. wegen verschiedener Diagnosen) sehr schwanken. Anders als beim Prostatakarzinom sind aber keine rassischen und geographischen Unterschiede in der Häufigkeit erkennbar.

In Deutschland haben etwa 40% von 12 Mio. Männern über 50 Jahren behandlungsbedürftige Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS, v.a. beim Wasserlassen, s. Begriffe sowie Zeichen und Komplikationen). Dies nimmt man an, wenn der so genannte IPSS über 7 liegt (Ergebnis eines Fragebogens, s. auch Untersuchung). Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen verspürt einen deutlichen Leidensdruck. Knapp 27% der Männer über 50 Jahren haben eine vergrößerte Prostata (über 25ml, gemessen mit Ultraschall, z.B. TRUS). Und bei gut 17% ist der Harnstrahl abgeschwächt (maximale Harnflussrate Qmax weniger als 10ml/s), was für ein Blasenabflusshindernis (BOO, s. Begriffe) spricht, zum Beispiel durch die Prostata. Beschwerden, Prostatagröße und Harnstrahlabschwächung nehmen mit dem Alter deutlich zu.

Nach anderen Untersuchungen beginnt die gutartige Vermehrung der Prostatazellen (benigne Prostatahyperplasie, BPH, s. Begriffe) nach dem 30. Lebensjahr und nimmt dann immer mehr zu. So sind in Europa bis zu 40% der Männer im Alter von 40-49 Jahren und bis zu 90% der Männer im Alter von 80-89 Jahren von einer BPH betroffen. Diese führt jedoch nicht automatisch zu Beschwerden (s. auch Zeichen und Komplikationen).

Quellen (u.a.)

  • Berges, R.: Epidemiologie des benignen Prostatasyndroms. Assoziierte Risiken und Versorgungsdaten bei deutschen Männern über 50. Urologe 2008; 47: 141-148
  • Berges, R., et al.: Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1356-1364
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Oelke, M., et al.: Guidelines on the treatment of non-neurogenic male LUTS. European Association of Urology (EAU), 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Websiteüber die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)

Ursachen und Entstehung des BPS

Mit der Zeit wird die Prostata größer, mit möglichen Folgen. Warum, das ist noch nicht völlig klar. Es gibt aber außer dem Alter noch einige Risikofaktoren wie Übergewicht und mangelnde Bewegung.

Früher wurde so manches verdächtigt, ein BPS zu verursachen: Gicht, Blasenreizung, Geschlechtskrankheiten, geschlechtliche Enthaltsamkeit, geschlechtliche Exzesse, Erkältungen, Reiten und sitzende Lebensweise. Mittlerweile konnte einiges ausgeschlossen werden wie die sexuelle Aktivität, die genauen Ursachen sind aber immer noch ungeklärt.

BPH: Vermehrung von Prostatazellen

Etwa ab dem 30. Lebensjahr kommt es in der Übergangszone der Prostata (vor allem vor und seitlich des Harnröhrenbeginns, s. Anatomie der Prostata) zunehmend zum Wachstum von Drüsen und Zwischengewebe. Dies nennt man benigne Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Vermehrung von Prostatazellen, s. auch Begriffe). Bei ihrer Entstehung spielen Androgene (männliche Geschlechtshormone, z.B. Testosteron) eine große Rolle, vermutlich zusammen mit Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone):

Mit zunehmendem Alter fällt der Androgen-Blutspiegel. Vor allem nimmt das freie Testosteron ab, weil der Blutspiegel eines Eiweißes, des sexualhormonbindenden Globulins (SHBG) zunimmt. Zugleich steigt der Blutspiegel der Östrogene, die in geringen Mengen auch bei Männern mit Hilfe des Enzyms Aromatase aus Androgenen gebildet werden. Und in der Prostata steigt die Aktivität des Enzyms 5-alpha-Reduktase, die Testosteron weitgehend unabhängig von dessen Blutspiegel in seine biologisch aktivste Form umwandelt, das DHT (Dihydrotestosteron; Näheres zu allen Hormonen s. Geschlechtshormone).

So könnten folgende Faktoren die Prostata überschießend wachsen lassen:

  • Erhöhte DHT-Spiegel in der Prostata und vermehrte Bindungsstellen für Androgene auf den Prostatazellen
  • Erhöhte Östrogen-Blutspiegel
  • Vermehrte Ausschüttung von Wachstumsfaktoren in der Prostata
  • Zu starke Vermehrung von Prostata-Stammzellen
  • Verlängerte Lebensdauer der Prostatazellen wegen vermindertem Zelltod
     

Für die Entwicklung der normalen Prostata ist DHT unabdingbar. Dennoch lässt sich das später wieder einsetzende Wachstum alleine mit Veränderungen der Androgene nicht erklären. Es ist wohl eine Kombination aus den genannten Faktoren, die zur Vermehrung (Hyperplasie) der Prostatazellen (Drüsen, Bindegewebe und Muskulatur) führt, also zur BPH. Unklar ist noch, inwieweit dabei andere Dinge eine Rolle spielen wie die Veranlagung (genetische Einflüsse) oder Stoffe aus der Nahrung.

BPE: Gutartige Prostatavergrößerung

Auf Grund der Zellvermehrung in der Übergangszone kommt es zunächst zur Verdrängung des restlichen Gewebes. Später wird das ganze Organ größer, was man als gutartige Prostatavergrößerung bezeichnet (BPE, s. auch Begriffe). Je nachdem, ob mehr Zwischengewebe oder Drüsen betroffen sind, wird die Prostata mehr oder weniger hart. Zudem bilden sich kleinere und größere Knoten, zum Teil auch in nicht vergrößerten Bereichen. Und es treten Bezirke mit Gewebeschwellung, Sekretstauung und Entzündung auf. Letztere wird nicht von Keimen verursacht, sondern ist eine Reaktion des Körpers auf die Schädigung.

BPS: Harnabflussstörung mit Folgen

Da die BPH (Zellvermehrung) vor allem den oberen Bereich der Prostata in der Nähe der Harnröhre betrifft, wird die Harnröhre eventuell schon zu Beginn verengt. Dies bleibt jedoch selbst bei einer starken Vergrößerung manchmal lange aus. Behindert die Verengung den Harnabfluss aus der Blase, wird dies als BPO bezeichnet (engl. benign prostatic obstruction, wörtlich: gutartiges Prostatahindernis, s. auchBegriffe).

Mögliche Folgen der BPO bestehen zum einen in Beschwerden am unteren Harntrakt (Harnblase und Harnröhre, z.B. beim Wasserlassen), die man als LUTS zusammenfasst (engl. lower urinary tract symptoms, s. auch Begriffe) und Beschwerden am oberen Harntrakt (Harnleiter und Niere; Näheres zu Beschwerden s. Zeichen und Komplikationen). Zum anderen kann die BPO zu messbaren Veränderungen führen (z.B. Harnrückstau, Näheres s. Untersuchung). Zwischen beiden besteht jedoch nur ein lockerer Zusammenhang, das heißt es sind sowohl schwere Veränderungen ohne große Beschwerden möglich als auch erhebliche Beschwerden ohne große Veränderungen. Sind subjektive oder objektive Zeichen vorhanden, spricht man von einem BPS (benignen Prostatasyndrom). Es hat die Tendenz, mit der Zeit stärker zu werden.

Risikofaktoren für ein BPS

Der wichtigste und zugleich nicht beeinflussbare Risikofaktor sowohl für Beschwerden (z.B. LUTS) als auch für objektive Zeichen der Harnabflussstörung ist das Alter. Weitere Faktoren sind dem gegenüber eher untergeordnet, jedoch vom Einzelnen durchaus zu beeinflussen, zum Beispiel Übergewicht, mangelnde Bewegung, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und chronische Prostataentzündung (Prostatitis). Die Rolle von Alkohol, Rauchen und Ernährung (auch von speziellen Diäten) wird noch diskutiert.

Quellen (u.a.)

  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Krombach, P., et al.: Benigne Prostatahyperplasie und Urolithiasis. Urologe 2010; 49 (Suppl. 1): 149-153

Zeichen und Komplikationen des BPS

Die veränderte Prostata behindert die Harnentleerung immer mehr, was ernste Folgen haben kann. Meist treten zunächst zunehmend Beschwerden am unteren Harntrakt auf (LUTS), vor allem solche beim Wasserlassen.

Veränderungen der Prostata, vor allem die gutartige Vergrößerung (BPE), können für den Urinfluss zu einem „gutartigen Prostatahindernis“ werden (BPO). Dann kann es zu Beschwerden am unteren Harntrakt (Harnblase und Harnröhre) kommen, die man als LUTS zusammenfasst (engl. lower urinary tract symptoms, zu allen drei Abkürzungen s. auch Begriffe). Sie sind nicht spezifisch für das BPS, können also auch bei anderen Erkrankungen auftreten, so dass eine Untersuchung zur Abklärung nötig ist. Beim BPS nehmen sie in der Regel mit der Zeit zu, wobei mehr oder weniger lange Schwankungen, auch zum Besseren normal sind:

Die Einengung (Obstruktion) der Harnröhre führt zu obstruktiven Miktionsstörungen (Miktion = Wasserlassen; s. hierzu auch Miktionsstörungen): Der Harnstrahl ist abgeschwächt, bis hin zum Tröpfeln. Der Beginn der Harnentleerung verzögert sich, sie stoppt möglicherweise zwischendurch und dauert insgesamt länger. Man presst, um die Blase zu entleeren, und im Anschluss kann der Harn nachträufeln. Zudem bemerkt man, dass die Blase nicht völlig entleert wird (Restharngefühl).

Die Harnblase muss den Widerstand der Prostata überwinden. Zunächst schafft sie die Entleerung noch, indem sie Reize aussendet (Reizblase). Es kommt zu irritativen Miktionsstörungen: Zur Pollakisurie (häufiger Harndrang bei geringerer Harnmenge) und Nykturie (Harndrang mehr als zweimal pro Nacht). Oder auch zu Dysurie (erschwertes Wasserlassen), Algurie (schmerzhaftes Wasserlassen) und imperativem Harndrang (plötzlicher, unwiderstehlicher Drang). Vor allem diese Reize sind nicht nur lästig, sondern auch belastend, zum Beispiel weil man ständig eine Toilette sucht oder die Nachtruhe dahin ist. Und sie nehmen zu.

Im weiteren Verlauf kann bei imperativem Harndrang (engl. urge) unwillkürlich Urin abgehen (Urge-Inkontinenz, s. auch Harninkontinenz). Wegen des zunehmenden Prostatawiderstands wird die Muskelschicht der Blase dicker. Dennoch verbleibt nach dem Wasserlassen eine immer größere Menge Harn in der Blase (Restharn). Die dauernde Überdehnung führt schließlich zum Abbau des Blasenmuskels, Stränge von Bindegewebe treten innen hervor (Balkenblase). Dazwischen stülpt sich die Wand eventuell zu so genannten Divertikeln aus, was Blasensteinbildung und Entzündungen (s.u.) begünstigt. Der Urin kann sich auch ohne große Beschwerden bis in die Nieren zurückstauen, die dadurch dauerhaft geschädigt werden können. Manchmal wird die Blase so überdehnt, dass sie sich nicht mehr zusammenziehen kann. Es entsteht eine Überlaufblase mit ständigem Harnträufeln (Überlaufinkontinenz, s. auch Harninkontinenz). Weitere mögliche Komplikationen sind:

Schmerzen: Sie entstehen meist bei einer plötzlichen Verschlechterung des Wasserlassens bis hin zur akuten Harnverhaltung (s.u.) oder bei Entzündungen von Harnwegen, Prostata, Samenblasen oder Nebenhoden (s.u.).

Blutbeimengung zum Urin (s. auch Hämaturie): Eine geringfügige Beimengung (Mikrohämaturie) ist ein typisches Zeichen eines Harnweginfekts (s.u.). Eine starke, schmerzlose Blutung (Makrohämaturie) kann durch Pressen beim Wasserlassen entstehen: Es platzt eine von der vergrößerten Prostata gestaute Vene am Harnröhrenanfang.

Akute Harnverhaltung (Ischurie): Beim BPS kann dieser Notfall praktisch jederzeit auftreten. Aus verschiedenen Gründen (z.B. Stress, Entzündung, Medikamente) wird die Harnentleerung plötzlich unmöglich. Die Blase wird akut überdehnt, was zu starken Schmerzen führt.

Harnweginfekte treten beim BPS oft auf, unter anderem weil sich Keime in dem Restharn gut vermehren. Typische Zeichen einer akuten Zystitis (Harnblasenentzündung) sind Algurie, Pollakisurie, imperativer Harndrang und eine geringfügige Hämaturie am Ende des Wasserlassens (Fachbegriffe s.o.). Bei chronischer Zystitis sind diese Zeichen weniger stark, bei einem Harnblasenstein kommt noch Harnstottern hinzu, wenn der Stein den Blasenausgang immer wieder verlegt. Entzündungen, die in die oberen Harnwege und Nieren aufsteigen, verursachen meist zusätzlich hohes Fieber sowie heftige Schmerzen in Rücken, Flanken oder Leisten. Sie können die Nieren dauerhaft schädigen.

Weitere Entzündungen: In der Prostata bilden sich Bereiche mit Gewebeschwellung, Sekretstauung und steriler Entzündung (s. auch im Abschnitt Ursachen und Entstehung). Eine mögliche Folge sind chronische Beschwerden im Bereich des Beckens wie beim chronischen Beckenschmerzsyndrom. Zudem erleichtern solche Bereiche das Wachstum von Keimen, so dass es zur bakteriellen Prostataentzündung kommen kann (s. akute Prostatitis und chronische Prostatitis), zumal wenn schon ein Harnweginfekt besteht. Gleiches gilt für Entzündungen von Samenblasen und Nebenhoden, wenn die Keime über die Samenwege aufsteigen.

Quellen (u.a.)

  • Berges, R.: Epidemiologie des benignen Prostatasyndroms. Assoziierte Risiken und Versorgungsdaten bei deutschen Männern über 50. Urologe 2008; 47: 141-148
  • Berges, R., et al.: Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1356-1364
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Oelke, M., et al.: Deutsche Leitlinien zur Diagnostik des benignen Prostatasyndroms. Was ist neu in 2007? Urologe 2008; 47: 149-154

Untersuchung beim BPS

Die Basis sind das Erheben der Vorgeschichte (Anamnese), die körperliche Untersuchung, Blut- und Urin-Tests sowie der Ultraschall. In besonderen Fällen können weitere Untersuchungsmethoden hinzukommen.

Beim BPS verursacht eine gutartige Prostatavergrößerung (engl. BPE) eine Prostata-bedingte Harnabflussstörung (engl. BPO). Diese stellt wiederum für den Urin ein Blasenauslasshindernis dar (engl. BOO) und kann so zu Beschwerden am unteren Harntrakt (engl. LUTS, v.a. beim Wasserlassen) führen (diese vier Abkürzungen kommen oft in Untersuchungsbefunden vor, Näheres dazu s. Begriffe).

Ziel der Untersuchung ist festzustellen, ob und in welchem Ausmaß bei einem Patienten diese Veränderungen und Zusammenhänge vorhanden sind. Vor allem soll geklärt werden, ob die Beschwerden (LUTS) zum BPS passen, wie stark sie sind, ob eine Behandlung nötig ist und welche Therapie sich am besten eignet. Hierzu werden zunächst Basisuntersuchungen durchgeführt, gegebenenfalls gefolgt von weiteren Untersuchungen:

Basisuntersuchungen

Anamnese: Beim Erheben der Vorgeschichte fragt der Arzt nach früheren und jetzigen Krankheiten und Beschwerden, nach Operationen und dem Sexualleben. Im Vordergrund steht beim BPS natürlich das Wasserlassen. Aber auch Medikamente und andere Präparate, die eingenommen werden, sind wichtig. Denn manche stören das komplizierte Zusammenspiel zwischen Harnblase und Schließmuskeln und können zu Beschwerden beim Wasserlassen führen.

Beurteilung der Beschwerden: Welche Beschwerden vorliegen und wie stark und beeinträchtigend sie der Betroffene empfindet, lässt sich mit einem standardisierten Fragebogen bestimmen. Wenn man einen solchen mehrfach zu verschiedenen Zeitpunkten ausfüllt, lassen sich aus dem Vergleich auch Hinweise auf den Krankheitsverlauf beziehungsweise den Behandlungserfolg entnehmen. Verwendet wird oft der IPSS (internationaler Prostata-Symptomen-Score; mehr dazu im Lexikon unter IPSS). Aus den Antworten ergibt sich die wichtige IPSS-Punktezahl. Nach dem Ergebnis der Fragen 1-7 unterscheidet man milde (1-7), mäßige (8-19) und schwere Beschwerden (20-35). Eine Behandlung erfolgt meist, wenn der Wert über 7 liegt und ein Leidensdruck besteht (Frage 8 zur Lebensqualität mit 1-6 Punkten bewertet).

Blutuntersuchungen: Der Blutspiegel des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) kann Hinweise auf Prostatakrebs, auf eine Prostataentzündung (Prostatitis) und auf das Risiko für ein Fortschreiten des BPS geben. Seine Höhe wird von bestimmten Medikamenten beeinflusst und hängt auch von mechanischen Belastungen der Prostata ab (z.B. Radfahren, Geschlechtsverkehr). Deshalb ist die Blutprobe vor der Tastuntersuchung (s. nächster Absatz) abzunehmen (Näheres zum Thema im Abschnitt „Untersuchungen“ unter PSA-Bestimmung). Weitere Laborwerte dienen vor allem dazu, die Funktion der Nieren zu beurteilen und eine mögliche Schädigung festzustellen.

Körperliche Untersuchung: Das Augenmerk richtet sich vor allem auf Bauch und Geschlechtsorgane sowie auf die Funktion der Nerven der unteren Körperhälfte. Bei der Tastuntersuchung (DRU) werden besonders die Größe, Form, Konsistenz und Empfindlichkeit der Prostata beurteilt (Näheres im Abschnitt „Untersuchungen“ unter digitale rektale Untersuchung). Beim BPS ist sie meist vergrößert und prall elastisch; die Härte wird von der Vermehrung des Zwischengewebes bestimmt (s. auch Anatomie der Prostata). Zudem können Knoten zu tasten sein. Ein Druckschmerz spricht für eine Entzündung.

Urinstatus: Eine Urinprobe wird besonders auf Entzündungszeichen und Blutbeimengungen (Hämaturie) untersucht, meist mittels Teststreifen und Mikroskop, gegebenenfalls auch mit anderen Methoden. Manchmal muss die Probe auch auf spezielle Weise gewonnen werden, um den Ursprung von Beimengungen festzustellen (z.B. Dreigläserprobe; Näheres zum Thema im Abschnitt Untersuchungen unter Urinuntersuchungen).

Ultraschalluntersuchung: Den oberen Harntrakt und die Harnblase untersucht der Arzt durch die Bauchdecke (s. dazu auch im Lexikon unter Sonographie). Dabei kann er ausschließen, dass Harnleiter (Ureter) und Nieren von einem eventuell BPS-bedingten Harnrückstau betroffen sind. Er achtet auf weitere Veränderungen in diesem Bereich (z.B. Steine, Zysten, Tumoren, Ausstülpungen der Blasenwand = Divertikel). Außerdem misst er die Restharnmenge, also wieviel Urin nach dem Wasserlassen (nach der Miktion) in der Blase verbleibt. Dies ist wichtig, um abzuschätzen, ob eine Behandlung nötig ist und ob das BPS fortschreiten wird. Die Prostata selbst sollte vom Mastdarm (Rektum) aus mit dem hochauflösenden TRUS beurteilt werden (Näheres s. Abschnitt „Untersuchungen“ unter transrektaler Ultraschall). Damit lässt sich das Prostatavolumen ermitteln, um das Risiko für ein Fortschreiten des BPS zu beurteilen und das Behandlungsverfahren auszuwählen.

Uroflowmetrie: Bei der Harnflussmessung wird die Stärke des Harnstrahls über die Zeit gemessen und als Kurve dargestellt (Näheres im Abschnitt Untersuchungen unter Urinuntersuchungen). Sie dient zum Nachweis einer Störung der Blasenentleerung und liefert Hinweise auf deren Ursache. Eine sichere Unterscheidung zwischen Blasenauslasshindernis (BOO) und Blasenschwäche ist damit aber nicht möglich. Zudem schließt ein unauffälliger Befund ein BOO nicht aus. Beim BPS zeigt sich meist eine typisch verzögerte Kurve mit vermindertem maximalen Harnfluss (Qmax in ml/s, engl. peak flow).

Weitere Untersuchungen

Eine weitergehende Diagnostik sollte nur bei Patienten erfolgen, bei denen nach den Basisuntersuchungen noch Fragen offen oder andere Krankheiten abzugrenzen sind. Dabei kommen beispielsweise infrage:

  • Miktionsprotokoll (Miktion = Wasserlassen): Der Patient schreibt über mindestens zwei Tage auf, wann und wieviel er getrunken und Urin abgelassen hat. Dies gibt wichtige Hinweise auf bestimmte Krankheiten.
  • Messung der Dicke der Blasenmuskulatur mittels Ultraschall: Je stärker das Blasenauslasshindernis (BOO) ist, desto dicker wird im Allgemeinen die Muskelschicht.
  • Druck-Fluss-Messung (urodynamische Untersuchung): Bestimmung verschiedener Drücke und der Muskelaktivität des Beckenbodens während des Wasserlassens und/oder der Befüllung der Blase über Katheter. Sie wird in besonderen Fällen durchgeführt, um eine Störung der Blasenfunktion von einem Blasenauslasshindernis (BOO) abzugrenzen und um die Art der Störung festzustellen.
  • Retrograde Urethrozystographie: Röntgen von Harnröhre und Harnblase nach Befüllen der Harnblase mit Kontrastmittel über einen Katheter (retrograd = rückwärts).
  • Ausscheidungsurographie: Röntgen des gesamten Harntrakts nach Gabe eines Kontrastmittels.
  • Endoskopie: Spiegelung, zum Beispiel der Harnröhre und Harnblase (Urethrozystoskopie) zum Ausschluss eines Blasentumors oder einer narbigen Verengung (Striktur) der Harnröhre. Dabei ist auch zu erkennen, welche Teile der Prostata die Harnröhre verengen und ob eine Operation durch die Harnröhre möglich ist.
     

Beurteilung der Befunde

Die Diagnose eines BPS, das heißt die Feststellung, dass die Beschwerden (LUTS) tatsächlich von einer Prostatavergrößerung kommen, beruht vor allem darauf, dass andere Veränderungen als Ursache ausgeschlossen werden, und zwar mit Hilfe der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung, der Urinuntersuchung und dem Ultraschall von Harnblase und Prostata.

Die Notwendigkeit zur Behandlung und die Wahl des Therapieverfahrens richten sich zum einen nach dem Ergebnis des IPSS-Fragebogens, also nach dem subjektiven Ausmaß der Beschwerden und der davon verursachten Beeinträchtigung des Patienten. Zum anderen nach den objektiven Befunden, aus denen sich die Stärke des Blasenauslasshindernisses (der Grad der BOO) und das Risiko für ein Fortschreiten des BPS ergeben. Dieses Risiko hängt ab vom Alter des Patienten, dem PSA-Wert, dem Prostatavolumen, der Restharnmenge und dem Befund der Uroflowmetrie.

Der Grad der BOO und die Stärke der Beschwerden (LUTS) hängen nicht zusammen, auch nicht unter der Behandlung. So können zum Beispiel unter Medikamenten die Beschwerden zurückgehen, das Abflusshindernis jedoch stärker werden, so dass Komplikationen drohen. Umgekehrt ist es möglich, dass eine Operation die Abflussstörung, nicht aber die Beschwerden beseitigt.

Da das BPS mit der Zeit fortschreitet, kann es zu Komplikationen kommen, wenn es nicht oder unzureichend behandelt wird (s. Zeichen und Komplikationen des BPS). Ziel der Behandlung ist deshalb, nicht nur die Beschwerden zu lindern, sondern auch das Fortschreiten zu verhindern. Dessen Risiko muss im konkreten Fall anhand der Untersuchungen abgeschätzt werden, um den Wert einer Behandlungsform für den jeweiligen Patienten zu beurteilen.

Quellen (u.a.)

  • Berges, R., et al.: Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1356-1364, DOI 10.1007/s00120-009-2066-5
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Oelke, M., et al.: EAU guidelines on the treatment and follow-up of non-neurogenic male lower urinary tract symptoms including benign prostatic obstruction. European Urology 2013; 64: 118-140, DOI 10.1016/j.eururo.2013.03.004, derzeit im Volltext als PDF verfügbar über die Leitlinien-Seite (s. nächster Eintrag)
  • Oelke, M., et al.: Guidelines on the management of male lower urinary tract symptoms (LUTS), incl. benign prostatic obstruction (BPO). European Association of Urology (EAU), 2013. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Seitz, M., et al.: Diagnostik des benignen Prostatasyndroms. Urologe 2013; 52: 193-196, DOI 10.1007/s00120-012-3085-1
  • Weinhold, P., et al.: Anamnese, digital-rektale Untersuchung, PSA-Wert, Sonografie. Welche Diagnostik ist beim BPS zwingend notwendig? Zertifizierte Fortbildung, MMW-Fortschr. Med. 2013; 155: 35-38

Behandlungsplanung beim BPS

Nur anhand der vollständigen Untersuchungsergebnisse können Arzt und Patient gemeinsam das weitere Vorgehen festlegen: Kontrolliertes Zuwarten, medikamentöse Behandlung oder operativer Eingriff.

Ziele der Therapie sind, die Beschwerden des Betroffenen am unteren Harntrakt (engl. LUTS) zu lindern, seine Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden. So darf der eingeschränkte Harnabfluss aus der Blase, also das Blasenauslasshindernis (engl. BOO) nicht unbeobachtet und auf Dauer unbehandelt bleiben, selbst bei geringen Beschwerden. Denn dieses beeinträchtigt die Speicherung von Urin in der Blase und dessen Entleerung und kann Blase und Nieren schädigen (s. auch Zeichen und Komplikationen des BPS).

Für die BPS-Behandlung gelten laut Leitlinie folgende Grundsätze:

  • Vor Beginn einer Therapie sollten die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Untersuchungen durchgeführt und die Befunde sorgfältig bewertet werden (s. Untersuchung beim BPS).
  • Um zu vermeiden, dass eine Behandlung unwirksam bleibt, ist es nötig, für jede Therapieform die dafür geeigneten Patienten gezielt auszuwählen.
  • Die Behandlung ist für jeden Patienten individuell anzupassen und muss dem vorgeschriebenen Einsatzgebiet des jeweiligen Medikaments beziehungsweise Verfahrens entsprechen.
  • Der Arzt sollte die Wirksamkeit der Behandlung anhand eines Fragebogens und gegebenenfalls anhand von Untersuchungen überprüfen.
  • Nach Aufklärung des Patienten sollten Arzt und Patient gemeinsam das Behandlungsverfahren auswählen.
     

Auswahl der geeigneten Behandlung

Zunächst ist festzustellen, ob eine absolute Indikation (ein zwingender Grund) zur Operation besteht. Als solche gilt folgendes, sofern es von einem BPS verursacht wurde (s. auch Zeichen und Komplikationen des BPS):

  • Wiederholte akute Harnverhaltung (Ischurie)
  • Wiederholte Entzündungen der Harnwege (Harnweginfektion)
  • Wiederholt sichtbare, medikamentös nicht beherrschbare Blutbeimengung zum Urin (Makrohämaturie, s. Hämaturie)
  • Harnblasensteine
  • Erweiterung der oberen Harnwege (Harnleiter, Nierenbecken, Nierenkelche), eingeschränkte Nierenfunktion, Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)


Liegt keine absolute Operationsindikation vor, stellt sich als nächstes die Frage, ob ein klinisch bedeutsames Blasenauslasshindernis (BOO) vorhanden ist, ob die Prostata also den Harnabfluss aus der Blase erheblich behindert (Näheres zur Beurteilung der Befunde s. Untersuchung beim BPS). Falls ja, kann wegen möglicher Komplikationen ein operativer Eingriff anzuraten sein, selbst wenn die Beschwerden am unteren Harntrakt (LUTS) nicht sehr stark sind (Näheres zur Operation s. Operationsverfahren zur BPS-Behandlung). Falls nein, kommt es auf den Leidensdruck des Betroffenen an: Ist er groß, sollte medikamentös behandelt werden (Näheres dazu s. Medikamente zur BPS-Behandlung). Ist er aber gering, kommt das kontrollierte Zuwarten infrage:

Kontrolliertes Zuwarten

Das BPS schreitet oft über lange Jahre nur langsam voran, wobei die Beschwerden stark schwanken und sogar vorübergehend verschwinden können. So fühlen sich viele Männer von ihren Beschwerden am unteren Harntrakt (LUTS) nicht so beeinträchtigt, dass sie eine Behandlung wünschen. Sofern eine solche nicht aus anderen Gründen anzuraten ist (s.o.), kann man bei den meisten von ihnen zunächst abwarten und erst bei einer Verschlechterung eine medikamentöse oder operative Therapie durchführen. Dies hat natürlich keinen Einfluss auf das BPS, dessen Verlauf sich im Einzelfall nicht sicher vorhersagen lässt. Weil der Harnabfluss auch unbemerkt schlechter werden kann, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen nötig.

Nach Abschluss der Untersuchungen und Aufklärung des Patienten kommt ein solches kontrolliertes Zuwarten infrage bei milden oder mäßigen Beschwerden (IPSS 1 bis 19) und allenfalls geringem Leidensdruck (beides s. Untersuchung beim BPS). Hierunter bleiben nach Studien mehr als vier Fünftel der Männer für ein Jahr stabil, nach 5 Jahren sind es immerhin noch etwa zwei Drittel.

Unterstützende Maßnahmen

Sowohl beim kontrollierten Zuwarten als auch während einer Behandlung des BPS kann der Betroffene selbst einiges für sich tun. So können schon geringe Veränderungen von Lebensstil oder Verhalten die Beschwerden verbessern und eine Verschlechterung verhindern, die eine medikamentöse oder operative Behandlung erfordert. Eine entsprechende Beratung des Betroffenen sollte folgendes beinhalten:

  • Einschränken der Flüssigkeitszufuhr zu ungünstigen Zeitpunkten (z.B. spät abends oder vor dem Ausgehen), ohne aber die empfohlene Tagesration zu verringern
  • Vermindern oder Vermeiden von Koffein und Alkohol
  • Verwenden spezieller Techniken beim Wasserlassen
  • Verwenden spezieller Techniken zur Ablenkung vom Harndrang
  • Training von Blase und Beckenboden (s. auch Beckenbodentraining)
  • Behandlung bei Verstopfung
  • Überprüfen, welche Medikamente der Patient ansonsten einnimmt, und gegebenenfalls Änderung dieser Behandlung
  • Hilfe für Betroffene mit körperlichen oder geistigen Gebrechen
     

Quellen (u.a.)

  • Berges, R., et al.: Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1503-1516, DOI 10.1007/s00120-009-2067-4
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/035, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF(Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Gravas, S., et al.: Guidelines on the management of non-neurogenic male lower urinary tract symptoms (LUTS), incl. benign prostatic obstruction (BPO). European Association of Urology (EAU), 2014. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Herlemann, A., et al.: Kontrolliertes Zuwarten, Medikamente oder Operation. Wann welche Therapie beim BPS? Zertifizierte Fortbildung, Folge 376. MMW-Fortschr. Med. 2013; 155: 39-42
  • Oelke, M., et al.: EAU guidelines on the treatment and follow-up of non-neurogenic male lower urinary tract symptoms including benign prostatic obstruction. European Urology 2013; 64: 118-140, DOI 10.1016/j.eururo.2013.03.004, derzeit im Volltext als PDF verfügbar über die Leitlinien-Seite (s.o. Eintrag „Gravas“)

Medikamente zur BPS-Behandlung

Das BPS wird meist mit Phytopharmaka, Alpha-1-Blockern, 5-alpha-Reduktase-Hemmern oder Muskarinrezeptorantagonisten behandelt. Therapieziele sowie Wirkungen der Einzelstoffe und Kombinationen werden hier näher vorgestellt.

Nachdem die Untersuchungsbefunde vorliegen und die Entscheidung zur medikamentösen Behandlung gefallen ist (siehe vorheriger Abschnitt Behandlungsplanung), wird das geeignetste Medikament ausgesucht. Es stehen Präparate aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung (s.u.), die nach einer Aufklärung über die jeweiligen Vor- und Nachteile einzeln oder in Kombination verordnet werden.

Die Auswahl richtet sich auch nach dem Ziel der Therapie: Entweder nur die Beschwerden zu lindern oder auch das Fortschreiten des BPS zu hemmen, also die Zunahme von Symptomen, Prostatawachstum und möglichen Komplikationen zu vermindern (s. hierzu Zeichen und Komplikationen). Für Letzteres ist eine mehrjährige Behandlung nötig. Die Dosierung der Medikamente ist individuell anzupassen und ihre Wirkung regelmäßig zu kontrollieren.

Phytopharmaka

Hierbei handelt es sich um Arzneimittel, die aus Pflanzenbestandteilen hergestellt werden, oft als Auszüge (Extrakte) mittels Alkohol. Sie enthalten deshalb zahlreiche Substanzen, was natürlich erst recht für Kombinationspräparate aus mehreren Pflanzen gilt. Selbst bei Verwendung von nur einer Pflanze sind ihre genaue Zusammensetzung und damit ihre Verträglichkeit und erwünschten wie unerwünschten Wirkungen herstellerabhängig.

Zur BPS-Therapie verwendet werden zum Beispiel Phytopharmaka mit Beta-Sitosterin (ein Phytosterin = „pflanzliches Cholesterin“) sowie Mittel aus Sägepalmenfrüchten (von Sabal serrulatum = Serenoa repens), Brennnesselwurzeln (von Urtica dioica oder Urtica urens), Kürbiskernen (von Cucurbita pepo), Pollen (z.B. von Roggen = Secale cereale), afrikanischem Pflaumenbaum (Rinde von Pygeum africanum), südafrikanischem Stargras (Hypoxis rooperi), Kiefernrinde (von Pinus-Arten) und Fichtenrinde (von Picea-Arten). Die Präparate sind nicht rezeptpflichtig, und die Kosten werden derzeit in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Nur für einzelne Präparate gibt es bislang Hinweise aus Studien, dass sie die BPS-Beschwerden lindern können. Ein Blasenauslasshindernis (BOO), also den Harnabflusswiderstand durch die Prostata (s. Untersuchung) bessern sie jedoch nicht. Daten zur Langzeitwirkung sowie zum Einfluss auf das Fortschreiten des BPS samt der dabei eventuell auftretenden Komplikationen fehlen. Eine langfristige und klinisch bedeutende Wirksamkeit wurde also noch für keines der Präparate nachgewiesen. Ebenso ist bislang weitgehend unbekannt, welche der Inhaltsstoffe für ihre Effekte verantwortlich sind.

Deshalb lässt sich für den Einsatz von Phytopharmaka beim BPS derzeit keine einheitliche Empfehlung geben. Präparate, die laut Studien einem Plazebo (Scheinmedikament) überlegen sind, können bei milden bis mäßigen Beschwerden und geringem Leidensdruck gegeben werden, wenn der Patient andere Medikamente (s.u.) ablehnt.

Alpha-1-Blocker (Alpha-1-Rezeptorantagonisten)

Diese Wirkstoffe hemmen so genannte Alpha-1-Rezeptoren, die zum Beispiel für die Muskelspannung in der Prostata und im Blasenhals sorgen (s. dazu auch im Lexikon unter Alpha-Blocker). Zur BPS-Therapie stehen in Deutschland derzeit Alfuzosin, Doxazosin, Silodosin, Tamsulosin und Terazosin zur Verfügung. Sie unterscheiden sich etwas in ihren Eigenschaften, der Verabreichung und den Nebenwirkungen.

Bei entsprechender Dosierung sind jedoch alle Alpha-1-Blocker ähnlich wirksam: In Abhängigkeit von der Dosis lindern sie die Beschwerden schnell (in Tagen) und deutlich (Abnahme des IPSSum 1-4 Punkte), bei langfristiger Therapie auch über mehrere Jahre (eingeschränkt bei vergrößerter Prostata von mehr als 30ml). Den Harnstrahl sowie den Harnabflusswiderstand durch die Prostata verbessern sie nur wenig. Auf die anderen Kriterien für das Fortschreiten des BPS, Prostatawachstum und Komplikationsrisiko, haben sie keinen Einfluss. Sie kommen also vor allem bei mäßigen bis starken Beschwerden und wenig vergrößerter Prostata infrage.

Die unerwünschten Wirkungen der Alpha-1-Blocker sind ebenfalls dosisabhängig, unterscheiden sich jedoch etwas voneinander. Wichtig ist eine mögliche Wirkungsverstärkung von Medikamenten gegen Bluthochdruck. Als typisch gelten weiterhin Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel, Kopfschmerz, Durchfall, Schwellung der Nasenschleimhaut, Erkältungszeichen, Blutdruckabfall, abnormaler Samenerguss (v.a. bei Silodosin, Tamsulosin und Terazosin) und Erschwernisse bei einer Staroperation. In der Regel verschwinden die Nebenwirkungen nach Absetzen des Medikaments wieder. Eine verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs (in Retard-Präparaten) verbessert die Verträglichkeit etwas.

5-alpha-Reduktase-Hemmer

Das Enzym 5-alpha-Reduktase wandelt das männliche Geschlechtshormon Testosteron in den meisten Zielzellen in das wesentlich wirksamere DHT (Dihydrotestosteron) um, auch in der Prostata (mehr dazu s. unter Geschlechtshormone). An Hemmstoffen dieses Enzyms (engl. 5ARI) gibt es hierzulande Dutasterid und Finasterid. Sie unterscheiden sich in ihren Eigenschaften, kaum aber in Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Beide Stoffe lindern die Beschwerden deutlich (nach Monaten, also wesentlich langsamer als Alpha-1-Blocker, s.o.), auch auf Dauer. Außerdem wirken sie auf die anderen Kriterien für das Fortschreiten des BPS positiv: Vor allem bei großer Prostata nimmt das Volumen des Organs ab (nach 6-12 Monaten um 18-28%), und Harnstrahl und Harnabflusswiderstand durch die Prostata verbessern sich etwas. Zudem sinkt das Risiko für eine akute Harnverhaltung (Ischurie) als Komplikation des BPS.

Als Besonderheit senken 5-alpha-Reduktase-Hemmer den PSA-Wert innerhalb von 6-12 Monaten auf etwa die Hälfte. Um dessen Höhe bei der Früherkennung von Prostatakrebs zu beurteilen, kann der Messwert einfach verdoppelt werden. In Studien fand sich zudem eine Abnahme des Risikos für Prostatakrebs, eine Senkung der Sterblichkeit ist jedoch nicht belegt (s. hierzu auch Vorbeugung gegen Prostatakrebs). Gleichzeitig stieg der Anteil an aggressiveren Tumoren (mit höherem Gleason-Score), wobei die Gründe dafür unklar sind.

Die unerwünschten Wirkungen sind bei beiden Wirkstoffen wiederum ähnlich, zum Beispiel Störungen der Ejakulation(Abnahme der Menge und Qualität des Spermas), Libidoverlust (Libido = „Lust“), erektile Dysfunktion („Impotenz“), Schwellung der Brustdrüse sowie Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Hautausschlag).

5-alpha-Reduktase-Hemmer dienen also beiden Behandlungszielen, sowohl der Linderung von Symptomen als auch der Hemmung des weiteren Fortschreitens des BPS. Sie eignen sich zur Langzeittherapie von Männern mit mäßigen bis starken Beschwerden und einer Prostatagröße ab 30ml.

Muskarinrezeptorantagonisten (Antimuskarinika)

Muskarinrezeptoren befinden sich vor allem auf der unwillkürlichen Muskulatur von Blutgefäßen, Magen, Darm und Harntrakt. Sie vermitteln deren Kontraktion, ausgelöst durch den Botenstoff Acetylcholin des unwillkürlichen Nervensystems. Hemmstoffe dieser Rezeptoren nennt man deshalb Muskarinrezeptorantagonisten (Antimuskarinika) oder auch Anticholinergika. Sie entspannen beispielsweise die Muskulatur der Harnblase, weshalb sie vor allem bei überaktiver Blase (Reizblase, engl. OAB) verwendet werden. Bei dieser Erkrankung bestehen irritative (durch Reizung bedingte) Krankheitszeichen (z.B. häufiger, nächtlicher und imperativer = unwiderstehlicher Harndrang, s. auch Miktionsstörungen) wie sie auch beim BPS vorkommen (s. Zeichen und Komplikationen).

Alle bisherigen Untersuchungen über den Einsatz dieser Wirkstoffe beim BPS beziehen sich auf eine Behandlungsdauer von höchstens 3 Monaten. Danach vermindern sie die Symptome häufiges Wasserlassen (Pollakisurie), imperativer Harndrang und Dranginkontinenz (s. Harninkontinenz) deutlich. Dass sie das nächtliche Wasserlassen (Nykturie), den IPSS-Wert (also die subjektiven Beschwerden) und die Lebensqualität deutlich ändern, wurde jedoch nicht nachgewiesen. Ebenso haben sie keinen Einfluss auf die Größe der Prostata, den maximalen Harnstrahl, die Restharnmenge und das Blasenauslasshindernis (BOO), also den Harnabflusswiderstand durch die Prostata (s. Untersuchung).

Die Liste möglicher Nebenwirkungen von Muskarinrezeptorantagonisten ist lang. Mit Ausnahme von Mundtrockenheit traten sie bei einer 3-monatigen Behandlung jedoch nicht häufiger auf als unter einem Plazebo (Scheinmedikament). Dies galt auch für eine akute Harnverhaltung (s. Zeichen und Komplikationen), selbst bei Männern mit einer mäßigen prostatabedingten Harnabflussstörung (BOO, s. Untersuchung), obwohl dies wegen der Muskelentspannung zu erwarten wäre.

Muskarinrezeptorantagonisten können deshalb zur Linderung von häufigem und unwiderstehlichem Harndrang (s. auch imperativer Harndrang) sowie der Dranginkontinenz bei Männern mit BPS, aber ohne Harnabflussstörung eingesetzt werden. Als alleiniges Medikament zur Behandlung anderer BPS-Symptome und bei Männern mit Harnabflussstörung sind sie derzeit jedoch nicht zu empfehlen.

PDE-5-Hemmer

Bestimmte körpereigene Stoffe, die zum Beispiel am Harntrakt für eine Muskelentspannung sorgen, werden von dem Enzym Phosphodiesterase 5 (PDE 5) abgebaut. PDE-5-Hemmer, das sind hierzulande Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil, erhöhen deshalb die Entspannung. Dies führt vor allem zu einem stärkeren Bluteinstrom in den Penis und damit zu einer besseren Erektion(Näheres s. erektile Dysfunktion).

In Studien über bis zu 3 Monate zeigte sich bei Männern mit mäßigen bis starken BPS-Symptomen (LUTS, s. Zeichen und Komplikationen) zudem eine Linderung der Beschwerden (Abnahme des IPSS um 2-4 Punkte mehr als ein Plazebo = Scheinmedikament). Bei Tadalafil, dem einzigen zur BPS-Behandlung zugelassenen PDE-5-Hemmer, fand sich weiterhin eine Verbesserung des Harnstrahls, jedoch kein Einfluss auf die Harnabflussstörung (BOO, s. Untersuchung). Alle drei Wirkstoffe können zahlreiche Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen und Hitzewallungen.

Weitere Arzneimittel

Verschiedene Wirkstoffe werden derzeit auf ihre Wirksamkeit beim BPS untersucht, beispielsweise Botulinustoxin, das in die Prostata gespritzt werden muss (s. hierzu auch im Magazin Botulinustoxin bei Prostataerkrankungen). Oder auch Hemmstoffe des Enzyms Aromatase. Diese behindern die Bildung von Östrogenen aus Testosteron, die mit dem Alter zunimmt und ein Grund für die Prostatavergrößerung sein könnte (vgl. Ursachen und Entstehung); beim BPS haben Aromatase-Hemmer aber bislang keine befriedigende Wirkung gezeigt.

Weiterhin werden über verschiedene Kanäle, vor allem über das Internet, zahlreiche Präparate (z.B. Aminosäuren, Organextrakte) mit zweifelhafter Wirkung angeboten. Werden Sie hellhörig bei Heilversprechen und denken Sie bei Berichten über Verbesserungen der Beschwerden daran, dass diese auch ohne Behandlung zeitweise zurückgehen können. Fragen Sie am besten Ihren Arzt, bevor Sie für solche Präparate unnütz Geld ausgeben oder Ihren Körper gar damit schädigen.

Kombination aus Alpha-1-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer

Hierbei kombiniert man die rasche Linderung der Beschwerden durch den Alpha-1-Blocker mit dem positiven Effekt des 5-alpha-Reduktase-Hemmers auf das Risiko für ein Fortschreiten und Komplikationen des BPS. Derzeit gibt es dazu mehrere große Studien über bis zu 4,5 Jahre. Danach bessert die Kombination die Beschwerden mehr als die Einzelstoffe, und zwar nur langfristig und um so mehr, je höher das Risiko für ein Fortschreiten ist. Ähnliches gilt für die Verbesserung des Harnstrahls. Die Kombination hat zudem langfristig Vorteile bezüglich möglicher Komplikationen des BPS, nicht jedoch bezüglich der Abnahme der Prostatagröße. Der Einfluss auf die Harnabflussstörung wurde nicht untersucht. Von Nachteil ist, dass Nebenwirkungen häufiger auftreten als bei den Einzelstoffen.

Die Kombination aus Alpha-1-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer sollte deshalb Männern mit BPS angeboten werden, die mäßige bis starke Beschwerden und ein erhöhtes Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung haben (Prostatagröße ab 30ml, abgeschwächter Harnstrahl unter 15ml/s). Sie empfiehlt sich jedoch nur als Langzeitbehandlung (ab 1 Jahr).

Kombination aus Alpha-1-Blocker und Muskarinrezeptorantagonisten

Zu dieser Kombination gibt es lediglich Studien über höchstens 3 Monate. Danach wirkt sie unabhängig von der Prostatagröße und hat Vorteile bezüglich der Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität. Ihr Einfluss auf die Harnabflussstörung ist gering. Im Gegensatz zu Komplikationen des BPS traten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit häufiger auf als bei den Einzelstoffen. Eine Kombination aus Alpha-1-Blocker und Muskarinrezeptorantagonist kommt daher vor allem dann infrage, wenn neben einer Blasenentleerungsstörung auch eine deutliche Blasenreizung besteht (sowohl obstruktive als auch irritative Symptome, Näheres s. Zeichen und Komplikationen).

Kombination aus Alpha-1-Blocker und PDE-5-Hemmer

Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zu dieser Kombination, die zudem kurz und wenig aussagekräftig sind. Sie lassen einen positiven Effekt auf die Symptome vermuten, während sich der Einfluss auf die Harnabflussstörung, die Prostatagröße, das Risiko für ein Fortschreiten und Komplikationen des BPS sowie Nebenwirkungsraten noch nicht beurteilen lassen. Diese Kombination sollte deshalb nur in Studien verwendet werden.

Quellen (u.a.)

  • Akademie der Deutschen Urologen (Hrsg.): Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. (BDU) der Qualität S2e, AWMF-Register Nr. 043/035, 2014. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Aktories, K., U. Förstermann, B. Hofmann, K. Starke (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 9. Aufl., Urban & Fischer, München 2005, ISBN 3-437-42521-8
  • Gravas, S., et al.: Guidelines on the management of non-neurogenic male lower urinary tract symptoms (LUTS), incl. benign prostatic obstruction (BPO). European Association of Urology (EAU), 2015. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Madersbacher, S.: Kombinationstherapie bei benignem Prostatasyndrom/unterer Harntraktsymptomatik. Urologe 2013; 52: 212–218, DOI 10.1007/s00120-012-3055-7
  • Rausch, S.: Das benigne Prostatasyndrom. Machen Sie aus dem Träufeln wieder einen Fluss! Zertifizierte Fortbildung, Folge 427, MMW-Fortschr Med 2014; 156 (Sonderheft 2): 78-85, DOI 10.1007/s15006-014-3297-y
  • Strittmatter, F., et al.: Medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms. CME Zertifizierte Fortbildung, Urologe 2012; 51: 1125–1136, DOI 10.1007/s00120-012-2943-1
  • Strittmatter, F., et al.: Stellenwert der a1-Adrenozeptorblocker und 5a-Reduktaseinhibitoren. Monotherapie bei der Behandlung des benignen Prostatasyndroms. Urologe 2013; 52: 197–203, DOI 10.1007/s00120-012-3086-0
  • Wehrberger, C., et al.: Phytotherapie bei benignem Prostatasyndrom und Prostatakarzinom. Besser als Placebo? Urologe 2012; 51: 1674–1682, DOI 10.1007/s00120-012-3033-0

Operationsverfahren zur BPS-Behandlung

Standard ist die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P), an der sich jede der vielen Methoden messen lassen muss, wie Laserverfahren, TUMT, TUNA und Stents. Die Auswahl richtet sich nach den Befunden und anderen Kriterien.

Nachdem die Untersuchungsbefunde vorliegen und die Entscheidung zum operativen Eingriff gefallen ist (Näheres s. Behandlungsplanung), wird das im Einzelfall am besten geeignete Verfahren ausgesucht:

Wenn ein zwingender Grund (absolute Indikation; s. Behandlungsplanung) zur Operation besteht, stehen so genannte primär ablative Verfahren an erster Stelle, bei denen das überschüssige Prostatagewebe sofort entfernt wird: TUR-P, offene Prostataoperation, HoLEP oder Laservaporisation der Prostata (Erläuterungen s.u.). Bei einem großen Operationsrisiko des Betroffenen (z.B. wegen Begleiterkrankungen) kommen die Stent-Implantation sowie sekundär ablative Verfahren in Betracht, bei denen der Körper das behandelte Gewebe abstößt oder langsam abbaut: ILC, HE-TUMT oder TUNA (alle s.u.). Ist auch dies nicht möglich, bleibt eine Harnableitung durch Katheter (durch die Harnröhre = transurethral oder oberhalb der Schamgegend = suprapubisch). Fehlt eine absolute Operationsindikation, kann ein primär oder ein sekundär ablatives Verfahren gewählt werden.

Als Standard gilt die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P, s.u.), an der sich alle anderen Methoden messen lassen müssen. Derzeit gibt es eine ganze Fülle höchst unterschiedlicher Verfahren, und es werden ständig neue entwickelt. Alle haben zwei Ziele: Erstens, die Beschwerden und den Harnabfluss möglichst schnell, gut und dauerhaft zu verbessern sowie ernste Folgen des BPS zu verhindern (s. Zeichen und Komplikationen). Und zweitens, die Belastung durch den Eingriff und dessen mögliche Komplikationen zu minimieren.

Leider widersprechen sich diese Ziele: Je mehr Prostatagewebe beseitigt wird, desto deutlicher und dauerhafter bessern sich die Beschwerden und (in geringerem Maße) der Harnabfluss. Desto eher ist aber auch mit Komplikationen des Eingriffs zu rechnen. Ein ideales Verfahren gibt es also (noch) nicht. So bleibt nur, nach genauer Aufklärung durch den Arzt das im Einzelfall am besten geeignete auszuwählen. Wegen der Vielgestaltigkeit können dieser Prozess und die Verfahren im folgenden nur zusammengefasst und stichwortartig vorgestellt werden.

Auswahlkriterien für das Operationsverfahren sind beispielsweise:

  • Untersuchungsbefunde: Sie können die Auswahl erheblich einschränken (z.B. Blutungsneigung).
  • Operationsziel: Vollständige oder teilweise, dauerhafte oder vorübergehende Verbesserung von Beschwerden und Harnabfluss.
  • Belastung durch den Eingriff: Ambulante oder stationäre Durchführung, Katheter-Tragezeit und Beschwerden nach dem Eingriff, Dauer bis zur Linderung der Beschwerden und bis zur Abheilung.
  • Langzeiterfolg: Weil die Prostata nicht vollständig entfernt wird, kann verbliebenes Gewebe nachwachsen und erneut ein BPS verursachen (Rezidiv), so dass ein weiterer Eingriff erforderlich werden kann. Das Risiko ist um so höher, je mehr Gewebe zurückbleibt und je mehr Zeit vergeht. Auch Komplikationen wie Narbenbildung (s.u.) können den Langzeiterfolg mindern. Beim Vergleich zwischen der TUR-P und neuen, insbesondere minimal invasiven (wenig eingreifenden) Verfahren ist es deshalb wichtig, einen möglichst langen Zeitraum zu betrachten (für Langzeitergebnisse mindestens 10 Jahre). Und an Studien sind strenge Anforderungen zu stellen.
  • Verfügbarkeit und Kosten: Manche Verfahren sind nur in Spezialzentren verfügbar, und es stellt sich die Frage der Kostenübernahme.
  • Entfernung oder Schädigung des Gewebes: Nur entferntes Gewebe kann auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms untersucht werden (nach TUR-P und Adenomenukleation in bis zu 15% der Fälle vorhanden).
     

Mögliche Komplikationen des Eingriffs sind beispielsweise:

  • Zwischenfälle während und bald nach Narkose und Operation (abhängig von Narkoseart, Alter, Begleiterkrankungen u.a., bei TUR-P insgesamt bei 11,8%): Zum Beispiel Blutung (bei TUR-P 3,6%), TUR-Syndrom (Erkrankung durch Einschwemmen von Spülflüssigkeit ins Blut bei der Operation, bei TUR-P 1,1%), Harnweginfektion(bei TUR-P 3,7%).
  • Beschwerden beim Wasserlassen während der Abheilung.
  • Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnabgang): Nach TUR-P bis 10%, kann eine weitere Behandlung erfordern (s. Harninkontinenz).
  • Erektionsstörung („Impotenz“, erektile Dysfunktion, ED): Besteht zum Teil schon vor dem Eingriff, ist keine häufige Nebenwirkung der TUR-P.
  • Retrograde („trockene“) Ejakulation: Die Entleerung des Spermas beim Samenerguss in die Harnblase (rückwärts) tritt nach TUR-P sehr häufig auf (60-90%), weil mit dem Prostatagewebe ein Teil der Muskulatur des inneren Schließmuskels entfernt wird. Libido („Lust“) und Orgasmus (sexueller Höhepunkt) werden dadurch nicht beeinträchtigt.
  • Behinderung des Harnabflusses durch Narbenbildung in der Harnröhre oder am Blasenhals.
  • Erneute Operation wegen Rezidiv (Wiederauftreten) oder Narben: Bei TUR-P 8-15% in 8 Jahren, bei einigen minimal invasiven Verfahren häufiger und dann fast immer als TUR-P durchgeführt.
     

Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)

Entfernen des Gewebes (Resektion) mit einer Elektroschlinge in Narkose durch die Harnröhre (transurethral) unter Sicht (endoskopisch). Häufigste urologische Operation, zweitälteste Operationsmethode beim BPS, Standardverfahren. Hervorragende und dauerhafte Verbesserung von Beschwerden und Harnabfluss mit geringer Komplikationsrate bei richtiger Patientenauswahl und moderner Technik. Zahlreiche Weiterentwicklungen mit gleich guten Ergebnissen (Langzeitdaten fehlen zum Teil) und weniger Komplikationen (z.B. Niederdrucksysteme, bipolare Resektion, Vaporesektion = Entfernen durch Verdampfen). Minimal-TUR-P: Teilweises Entfernen des Gewebes, nur bei schwerkranken Patienten.

Adenomenukleation (AE, offene Prostataoperation)

Entfernen (Auslösen = Enukleation) der vergrößerten Prostatateile (des Adenoms) in Narkose durch einen offenen Zugang (durch die Bauchdecke, dann durch die Blase oder zwischen Blase und Schambein). Älteste Operationsmethode beim BPS, Standardverfahren, angezeigt zum Beispiel bei sehr großer Prostata (meist ab 70ml) und Begleiterkrankungen wie Harnblasensteinen, Ausstülpungen (Divertikel) der Harnblasenwand und Leistenbruch. Ergebnisse und Komplikationsrate etwa gleich wie bei TUR-P.

Transurethrale Inzision der Prostata (TUIP)

Einschneiden (Inzision) von Blasenhals und Prostata durch die Harnröhre unter Sicht, eventuell Entfernen störenden Gewebes. Empfohlen bei so genannter Blasenhalsstarre und bei jüngeren, sexuell aktiven Männern mit kleiner Prostata. Sie kann als Alternative zur TUR-P bei kleiner Prostata (weniger als 30ml) eingesetzt werden. Annähernd gleiche Wirksamkeit wie die TUR-P mit weniger Komplikationen (aber häufiger Zweitoperationen).

Laserverfahren

Zahlreiche Laser-Arten für viele verschiedene Verfahren werden bereits verwendet oder zur Zeit neu entwickelt. Je nach den Eigenschaften des Laserlichts und der Bestrahlungstechnik wirken sie primär oder sekundär ablativ („ablösend“): Ersteres durch Resektion (Entfernen) oder Vaporisation (Verdampfen) des Gewebes, Zweiteres durch Koagulation (Verkochung) mit nachfolgendem Abstoßen oder Abbau des Gewebes.

Im Vergleich zur TUR-P und offenen Operation sind bei Laserverfahren die Nachbeobachtungszeiten in Studien mit höchstens 5 Jahren deutlich kürzer, die Ergebnisse bestenfalls gleich gut und Komplikationen etwas seltener (z.B. Blutungen). Laserverfahren können vor allem dann eingesetzt werden, wenn die etwas höheren Komplikationsraten von TUR-P und offener Operation für den Patienten nicht zumutbar erscheinen oder von ihm nicht akzeptiert werden. Viele Verfahren gelten als minimal invasiv (wenig eingreifend). Einige können ambulant und/oder in örtlicher Betäubung erfolgen (z.B. ILC und Laservaporisation). Folgende sind derzeit klinisch bedeutsam:

Interstitielle Laserkoagulation (ILC): Koagulation (Verkochung) des Gewebes nach Einbringen der Laserfaser in die Prostata (in das Zwischengewebe = Interstitium) vom Damm aus. Sekundär ablatives Verfahren (zunächst Anschwellen, dann Abstoßung oder Abbau des Gewebes). Gute Linderung der Beschwerden, etwas geringere Verbesserung des Harnabflusses als die TUR-P, weniger Komplikationen, Katheter länger nötig, bei hohem Operationsrisiko möglich.

Holmiumlaserenukleation der Prostata (HoLEP): Auslösen (Enukleation) oder Entfernen (Resektion) des Gewebes durch die Harnröhre unter Sicht. Etwa gleich gute Ergebnisse wie TUR-P, weniger Komplikationen, aber schwerer erlernbar (viel Erfahrung nötig). Ist bei deutlicher Harnabflussbehinderung durch die Prostata eine Alternative zur TUR-P und offenen Operation.

Laservaporisation der Prostata (auch: photoselektive Vaporisation der Prostata, PVP): Vaporisation (Verdampfen) des Gewebes mit dem KTP-Laser („Greenlight-Verfahren“) durch die Harnröhre unter Sicht. Ist vermutlich ähnlich wirksam wie die TUR-P bei weniger Komplikationen und deshalb eine Alternative zur TUR-P und offenen Operation (nur relativ kurzfristige Ergebnisse verfügbar).

Transurethrale Mikrowellenthermotherapie (TUMT)

Erhitzen des Gewebes mit Mikrowellen mit einem wassergekühlten Katheter durch die Harnröhre, entweder mit Niedrig-Energie (NE-TUMT) oder Hoch-Energie (HE-TUMT). Beide sind ambulant und ohne Narkose möglich. Die NE-TUMT wirkt nicht ablativ (zerstört kein Gewebe), hat keinen Einfluss auf die Harnabflussstörung, lindert Beschwerden wie die HE-TUMT und konnte sich bisher nicht durchsetzen.

Die HE-TUMT wirkt sekundär ablativ (zunächst Anschwellen des Gewebes, deshalb Katheter nötig). Sie lindert die Beschwerden weniger als die TUR-P, verbessert den Harnabfluss geringer, hat weniger Komplikationen und erfordert aber mehr Zweiteingriffe (max. 5 Jahre Nachbeobachtung, nur für wenige Geräte nachgewiesen). Eine Weiterentwicklung mit Temperatursonde scheint gleiche Ergebnisse zu liefern wie die TUR-P bei weniger Komplikationen (Nachbeobachtung 5 Jahre, noch unbestätigt).

Die HE-TUMT kann eingesetzt werden bei Patienten mit Beschwerden und mäßiger Harnabflussstörung sowie bei Patienten mit akuter Harnverhaltung (Ischurie) und hohem Operationsrisiko als Alternative zur TUR-P. Man kann sie als Alternative zur TUR-P in Betracht ziehen, wenn bei einer mäßigen Harnabflussstörung weniger Gewebe abgetragen werden muss oder wenn die etwas höhere Komplikationsrate der TUR-P für den Patienten nicht zumutbar erscheint oder von ihm nicht akzeptiert wird.

Transurethrale Nadel-Ablation der Prostata (TUNA)

Erhitzen des Gewebes mit Radiofrequenzwellen über Nadelantennen durch die Harnröhre unter Sicht. Die TUNA ist ohne Narkose möglich und wirkt sekundär ablativ (zunächst Anschwellen des Gewebes, deshalb evtl. Katheter nötig). Sie verbessert Beschwerden und Harnabfluss mehr als Medikamente, aber weniger als die TUR-P, hat selten Komplikationen und erfordert häufig eine erneute Behandlung (inkl. Medikamente; max. 5 Jahre Nachbeobachtung).

Die TUNA eignet sich vor allem für Patienten mit mäßigen bis ausgeprägten Beschwerden und geringer Harnabflussstörung. Sie kann eingesetzt werden bei Patienten mit akuter Harnverhaltung (Ischurie) und hohem Operationsrisiko als Alternative zur TUR-P. Man kann sie als Alternative zur TUR-P in Betracht ziehen, wenn bei einer geringen Harnabflussstörung nur wenig Gewebe abgetragen werden muss oder wenn die etwas höhere Komplikationsrate der TUR-P für den Patienten nicht zumutbar erscheint oder von ihm nicht akzeptiert wird.

Prostatische Stents

Röhrchenförmige Implantate aus verschiedenem Material, die in örtlicher Betäubung vorübergehend (temporär) oder dauerhaft (permanent) in die Harnröhre innerhalb der Prostata eingesetzt werden. Stents wirken nicht ablativ (schädigen kein Prostatagewebe) und verbessern den Harnabfluss ähnlich wie die TUR-P. Wegen häufiger Komplikationen (z.B. andauernder Harndrang, zunehmende Beschwerden, Verlagerung des Stents) müssen sie oft wieder entfernt werden (bis 50% in 10 Jahren).

Stents kommen daher nur bei gut ausgewählten Patienten mit erheblichen Begleiterkrankungen und begrenzter Lebenserwartung infrage, zum Beispiel bei ausgeprägter Harnabflussstörung oder akuter Harnverhaltung (Ischurie). Temporäre Stents müssen regelmäßig gewechselt werden, sind eine Alternative zum Katheter und können zur vorübergehenden Harnableitung bei sekundär ablativen Verfahren (ILC, HE-TUMT, TUNA, alle s.o.) angezeigt sein. Permanente Stents sind bei ausgewählten Patienten eine Alternative zum dauerhaften Blasenkatheter.

Weitere Behandlungsverfahren

Zahlreiche weitere Verfahren werden derzeit zur operativen Behandlung des BPS erprobt, können aber mangels Daten nicht beurteilt werden, zum Beispiel Einspritzen von Alkohol oder Botulinustoxin (s. im Magazin Operative Eingriffe bei BPS und Botulinustoxin bei Prostataerkrankungen), Ballondilatation (Aufweitung mittels Ballonkatheter), HIFU (hoch intensiv fokussierter Ultraschall), WIT (wasserinduzierte Thermotherapie), endoskopische und roboterassistierte Adenomenukleation.

Quellen (u.a.)

  • Berges, R., et al.: Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1503-1516
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/035, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Krombach, P., et al.: Benigne Prostatahyperplasie und Urolithiasis. Urologe 2010; 49 (Suppl. 1): 149-153
  • Muschter, R., et al.: Operative und instrumentelle Therapie bei BPH/BPS. Urologe 2008; 47: 155-165
  • Oelke, M., et al.: Guidelines on the treatment of non-neurogenic male LUTS. European Association of Urology (EAU), 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Websiteüber die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Reich, O., et al.: Benignes Prostatasyndrom. Chirurgische Therapieoptionen. Urologe 2010; 49: 113-125

Vorbeugung gegen das BPS

Die Reduktion starken Übergewichts, eine gesunde Kost und viel Bewegung können gegen das Entstehen eines benignen Prostatasyndroms helfen. Gegen seine Verschlimmerung und gegen Komplikationen kommen Medikamente oder invasive Maßnahmen infrage.

Wegen seiner großen Verbreitung (s. Häufigkeit), ist die Vorbeugung gegen das BPS immer wieder wissenschaftlich diskutiert worden. Nicht nur, um die Behandlungskosten zu reduzieren, die stetig steigen, weil Männer immer älter werden, sondern auch, um den Männern Behandlungen und Komplikationen zu ersparen und ihre Lebensqualität auch im Alter zu erhalten.

Wie bei anderen Erkrankungen unterscheidet man auch beim BPS folgende Stufen der Vorbeugung (Prävention):

  • Primärprävention: Alle Verhaltensweisen und Maßnahmen, die verhindern sollen, dass ein BPS oder seine Bestandteile (Prostatavergrößerung = BPE, Blasenauslasshindernis = BOO und Beschwerden am unteren Harntrakt = LUTS) überhaupt entstehen, oder die deren Entstehen verzögern sollen (zu den Bezeichnungen der Bestandteile s. Begriffe, zur BPS-Entwicklung s. Ursachen und Entstehung).
  • Sekundärprävention: Alle Maßnahmen, um die Verschlimmerung eines BPS oder seiner Bestandteile sowie das Auftreten von Komplikationen am Harntrakt zu verzögern oder zu verhindern (zu möglichen BPS-Folgen s. Zeichen und Komplikationen).
     

Primärprävention: Vorbeugung gegen das Entstehen eines BPS

Im Mittelpunkt der Vorbeugung stehen die Risikofaktoren (vgl. Ursachen und Entstehung): Als solche gelten Alter und Geschlechtshormone, die sich nicht beeinflussen lassen, sowie die beeinflussbaren Faktoren, hier insebsondere das metabolische Syndrom (bestimmte Kombinationen aus Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit) und ein Ungleichgewicht des unwillkürlichen Nervensystems. Dazu gibt es zahlreiche, allerdings oft nicht sehr aussagekräftige Studien. Daraus kann man folgende Ansätze zur Vorbeugung ableiten, abgesehen von einer sorgfältigen Behandlung der genannten Krankheiten natürlich:

Körpergewicht: Bei einem BMI über 35,0 kg/qm ist das BPS-Risiko dreieinhalb mal erhöht (gegenüber BMI unter 25 kg/qm). Beim Abnehmen auf Normalgewicht gehen Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) zurück (übrigens ebenso wie eine erektile Dysfunktion oder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Es gibt jedoch auch Studien, in denen kein größeres Risiko bei erhöhtem BMI gefunden wurde (z.B. Meigs et al. 2001).

Ernährung: Dass es (anders als beim Prostatakarzinom) bei der Verbreitung des BPS kaum geographische Unterschiede gibt, macht einen Einfluss der Ernährung unwahrscheinlich. Dennoch vermindert wohl der Verzehr von Gemüse das BPS-Risiko etwas. Dies gilt vor allem für Gemüse und Obst mit einem hohen Gehalt an Betakarotin, Lutein oder Vitamin C. Roher Knoblauch (täglich 0,2 g pro kg Körpergewicht für 30 Tage) und eventuell Tomaten sollen die Prostata schrumpfen lassen. Östrogene (weibliche Geschlechtshormone), die auch bei Männern in geringen Mengen gebildet werden, kommen selbst in Lebensmitteln vor: Als Rückstand (z.B. in Fleisch) oder als normale, gesunde Pflanzenstoffe, die Phytoöstrogene (pflanzliche Östrogene, z.B. Isoflavonoide und Lignane, v.a. in Soja, Leinsamen und Vollkorngetreide). Dass Östrogene in der Nahrung das Prostatawachstum fördern, wurde bisher nicht nachgewiesen (vgl. Ursachen und Entstehung). Zudem müsste dann das BPS bei Asiaten, deren Kost reich an Phytoöstrogenen ist, häufiger auftreten.

Nahrungsergänzungsmittel: Für keines der vielen angebotenen Präparate ist bisher stichhaltig nachgewiesen, dass man damit gegen das BPS vorbeugen kann. Bitte beachten Sie hierzu auch den Hinweis unter „Weitere Arzneimittel“ im Abschnitt Medikamente.

Alkohol: Regelmäßige Alkoholzufuhr vermindert wohl das BPS-Risiko: Täglich bis 5g Alkohol sollen die Wahrscheinlichkeit für eine Prostatavergrößerung (BPH) um 35% senken, bis 36g (ca. 0,25l Wein oder 0,5l Bier) um 19% und mehr als 36g um 25%. Auf die Gefahren eines übermäßigen Alkoholkonsums sei hingewiesen.

Körperliche Aktivität: Männer, die jede Woche 2-3 Stunden spazieren gehen, senken ihre Risiken für Beschwerden am unteren Harntrakt (LUTS) und für eine Prostataoperation um jeweils etwa ein Viertel. Bei stärkerer Aktivität fällt die Wahrscheinlichkeit für eine Prostatavergrößerung (BPH) auf bis die Hälfte. Wenn man sich im Alter von 30 Jahren erheblich körperlich betätigt (mehr als 5 Stunden täglich) sinkt das Risiko für LUTS stärker, als wenn man dies später tut.

5-alpha-Reduktase-Hemmer: Diese Wirkstoffe werden bereits zur Behandlung des BPS verwendet (s. Medikamente). Aus zwei großen Studien zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs ist zu entnehmen, dass sie sich auch zur Vorbeugung gegen das BPS eignen könnten. Wegen der Kosten und möglicher Nebenwirkungen ist dieser Einsatzzweck aber derzeit nicht allgemein anerkannt.

Sekundärprävention: Vorbeugung gegen das Fortschreiten des BPS

Das BPS ist eine Erkrankung, die langsam fortschreitet, wobei gleichzeitig die Gefahr von Komplikationen wächst (z.B. akute Harnverhaltung und Nierenschäden, s. Zeichen und Komplikationen). Da die Beschwerden (LUTS) am Anfang zumeist schwach ausgeprägt sind, ist eine frühzeitige ärztliche Konsultation angeraten, um deren Ursache abzuklären und zu befürchtende Langzeitschäden rechtzeitig zu erkennen. Dies bedeutet, Männer über mögliche Krankheitszeichen aufzuklären, damit sie erste Anzeichen selbst erkennen können, und sie zu regelmäßigen Untersuchungen zu bewegen (z.B. ab dem 40. Lebensjahr). Um das weitere Fortschreiten des BPS und damit Komplikationen zu verzögern oder gar zu verhindern, kann die vorbeugende Gabe folgender Medikamente infrage kommen, vor allem bei Männern mit hohem Risiko für ein Fortschreiten (zu diesem Risiko s. „Beurteilung der Befunde“ im Abschnitt Untersuchung):

Alpha-Blocker (Alpha-1-Rezeptorantagonisten): Diese Wirkstoffe vermindern langfristig bereits vorhandene Beschwerden (LUTS) und das Fortschreiten der LUTS. Das weitere Prostatawachstum, Komplikationen und die Notwendigkeit einer Operation können sie dagegen nicht verhindern (s. auch Medikamente).

5-alpha-Reduktase-Hemmer: Auch diese Wirkstoffe vermindern langfristig bereits vorhandene Beschwerden (LUTS) und das Fortschreiten der LUTS. Zudem reduzieren sie die Prostatagröße, die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und die Notwendigkeit einer Operation (s. auch Medikamente). Dass sie auch das Blasenauslasshindernis (BOO) günstig beeinflussen, wird vermutet, es fehlen jedoch noch Langzeitergebnisse.

Kombination aus Alpha-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer: Die Effekte auf die Beschwerden, Komplikationen und Notwendigkeit einer Operation sind bei der Kombination stärker als bei den Einzelstoffen, die Prostatagröße nimmt jedoch in gleichem Umfang ab wie bei einem 5-alpha-Reduktase-Hemmer alleine (s. auch Medikamente).

Fazit

Abgesehen von der Behandlung von Krankheiten, die als Risikofaktoren gelten, gibt es gegenwärtig keine „harten“ Empfehlungen, wie man das Entstehen eines BPS sicher verzögern oder gar verhindern kann. Das Reduzieren von starkem Übergewicht, die Umstellung der Ernährung auf eine gesunde (z.B. mediterrane oder asiatische) Kost und viel Bewegung können jedoch helfen. Dies soll ja zudem gegen viele andere Krankheiten vorbeugen (z.B. gegen Prostatakarzinom, andere Krebsformen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Prostatadiäten sind dagegen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht wirksam. Um gegen die Verschlimmerung eines BPS und Komplikationen vorzubeugen, empfehlen sich rechtzeitige Untersuchungen und gegebenenfalls die Einnahme von Medikamenten oder invasive Maßnahmen.

Quellen (u.a.)

  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Meigs, J. B., et al.: Risk factors for clinical benign prostatic hyperplasia in a community-based population of healthy aging men. J Clin Epid 2001; 54: 935-944
  • Oelke, M., et al.: Primär- und Sekundärprävention des benignen Prostatasyndroms. Aktueller Wissensstand und Auswirkungen auf die klinische Routine. Urologe 2011; 50: 1257-1264