Krankheitszeichen

Ähnlich wie Krankheiten anderer innerer Organe verursachen Prostataerkrankungen eher unbestimmte und indirekte Symptome. Am häufigsten solche im Zusammenhang mit dem Wasserlassen und der Sexualfunktion.

Miktionsstörung

Weil die Prostata die Harnröhre umgibt und direkte Verbindungen zu ihr besitzt und zudem den Blasenverschluss unterstützt, können Prostataerkrankungen und deren Behandlung die Miktion (das Wasserlassen) stören.

Normalerweise ist die Blase alle 4-7 Stunden mit 350-450ml Harn gefüllt und damit voll. Dies führt zu einem Dehnungsreiz der Blase, der den inneren, unwillkürlichen Schließmuskel am Blasenausgang erschlaffen lässt, was sich als Harndrang äußert. Geht man zur Toilette und entspannt den äußeren, willkürlichen Schließmuskel des Beckenbodens, zieht sich die Muskulatur der Blasenwand zusammen. Nach raschen Beginn entleert sich so die Harnblase mit einer maximalen Flussrate von 20-50ml pro Sekunde in 10-15 Sekunden restlos und beschwerdefrei (s. auch Uroflowmetrie bei Urinuntersuchungen). Ist dieser Ablauf der Harnentleerung, die Miktion gestört, spricht man von Miktionsstörungen.

Einteilung

Miktionsstörungen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

1. Obstruktive Zeichen entstehen durch Behinderung des Harnabflusses aus der Blase (von Obstruktion = Verlegung, z.B. durch die Prostata):

  • Verzögerter Miktionsbeginn.
  • Harnstrahlabschwächung bis zum Tröpfeln.
  • Verlängerte Miktionsdauer.
  • Nachträufeln von Harn nach der Miktion.
  • Restharnbildung: Gefühl der unvollständigen Harnentleerung.
  • Harnstottern: Harnstrahlunterbrechungen, z.B. durch einen Blasenstein, der den Blasenausgang immer wieder verlegt.
     

2. Irritative Zeichen entstehen durch Reizung (= Irritation, z.B. Reizung der Harnblase durch Restharn oder Entzündung = Reizblase):

  • Dysurie: Schmerzhafter Harndrang mit erschwerter Miktion. Manchmal als Überbegriff für die irritativen Zeichen gebraucht.
  • Pollakisurie: Harndrang und Miktion tagsüber gehäuft, jeweils mit Entleerung einer geringen Harnmenge, die Tagesmenge bleibt gleich.
  • Nykturie: Harndrang und Miktion mehr als zweimal pro Nacht.
  • Algurie: Schmerzhafte Miktion. Bei Schmerzen am Ende des Wasserlassens spricht man von einer terminalen Algurie.
  • Strangurie (Harnzwang): Sehr schmerzhafter Harndrang (Blasenkrämpfe), meist mit Entleerung einer sehr geringen Harnmenge.
  • Imperativer Harndrang (engl. urge = Drang): Starker, unwiderstehlicher Harndrang, kann zur Dranginkontinenz führen (s. Harninkontinenz).
     

3. Harninkontinenz bedeutet einen unwillkürlichen Harnabgang und kann durch verschiedene Mechanismen entstehen. Näheres hierzu siehe Harninkontinenz.

Ursachen

Die Ursachen von Miktionsstörungen sind sehr vielfältig: Zum Beispiel Entzündungen, Steine, Tumoren, Gefäßveränderungen, Missbildungen und Narben im Bereich von Niere, Harnleiter, Harnblase, Prostata und Harnröhre, zudem Nerven- und Herzkrankheiten sowie Medikamente.

Besonders häufig sind Harnweginfekte und Prostataerkrankungen. Letztere behindern oft den Harnabfluss aus der Blase, führen also zu obstruktiven Zeichen (s.o.). Im Verlauf kommen dann irritative Zeichen oder sogar eine Dranginkontinenz (s. Harninkontinenz) hinzu, wenn der Restharn oder ein Harnweginfekt die Blase reizen (Reizblase). Siehe hierzu auch Krankheitszeichen bei ProstatakarzinomZeichen und Komplikationen des BPS (benignes Prostatasyndrom), akute Prostatitischronische Prostatitisund chronisches Beckenschmerzsyndrom.

Komplikationen

Miktionsstörungen können zu vielen Komplikationen führen, auch zu dauerhaften Nierenschäden. Wichtig bei der Harnabflussbehinderung (Obstruktion) durch die Prostata sind:

  • Balkenblase: Verdickung der Harnblasenwand, eventuell mit Bildung von Divertikeln (Ausstülpungen) und dadurch weiteren Folgen (z.B. Steinbildung, Entzündung).
  • Überlaufblase: Überdehnung der Harnblasenwand durch zu viel Restharn mit Harnträufeln (Überlaufinkontinenz, s. Harninkontinenz) und Rückstau in die Nieren (Gefahr von Nierenschäden).
  • Akute Harnverhaltung (Ischurie): Eine plötzliche, komplette Obstruktion macht die Miktion unmöglich und führt zur schmerzhaften Überdehnung der Harnblase.

Näheres zu diesen Komplikationen siehe auch Zeichen und Komplikationen des BPS (benignes Prostatasyndrom).

Untersuchung

Wegen der zahlreichen möglichen Ursachen und Komplikationen müssen Miktionsstörungen sorgfältig abgeklärt werden. Neben dem ausführlichen Erheben der Vorgeschichte (Anamnese) kommen relativ viele Methoden in Betracht (z.B. digitale rektale UntersuchungUrinuntersuchungen), so dass sie hier nicht beschrieben werden können. Den Untersuchungsgang bei einer Obstruktion durch die Prostata, beim benignen Prostatasyndrom beschreibt das Kapitel "Untersuchung beim BPS".

Abgrenzung

Miktionsstörungen sind von Veränderungen der Harnmenge (Diurese) zu unterscheiden:

  • Polyurie (vermehrte Harnausscheidung): Mehr als 2000ml pro Tag, z.B. bei vermehrter Trinkmenge, Diabetes mellitus und Nierenerkrankungen, geht meist mit Pollakisurie (s.o.) einher.
  • Oligurie (verminderte Harnausscheidung): Weniger als 500ml pro Tag, z.B. bei verminderter Trinkmenge und Nierenerkrankungen. Eine Obstruktion durch die Prostata führt zur Pollakisurie (s.o.) und somit nur zur Oligurie, wenn man wegen der Beschwerden weniger trinkt.
  • Anurie ("keine" Harnausscheidung): Pro Tag gelangen weniger als 100ml Harn in die Blase, z.B. bei Schock und Nierenversagen. Deshalb besteht bei akuter Harnverhaltung (s.o.) eine sog. falsche Anurie.

Behandlung

Die Behandlung von Miktionsstörungen richtet sich immer nach der Ursache. Deshalb wäre eine Beschreibung an dieser Stelle ebenfalls viel zu ausführlich, und es sei beispielhaft auf die Behandlung des benignen Prostatasyndroms verwiesen (s. Behandlung des BPS).

Quellen (u.a.)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Schultze-Seemann, W. et al.: Therapieleitfaden Prostataerkrankungen. 1. Auflage, Uni-Med, Bremen 2002, ISBN 978-3-89599-603-0
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2

Harninkontinenz

Der unfreiwillige Urinverlust wird in verschiedene Formen eingeteilt und kann zahlreiche Ursachen haben, auch die Behandlung von Prostatakrebs. Entsprechend vielfältig sind Untersuchung und Behandlung.

Die Harninkontinenz gehört zu den Miktionsstörungen und bedeutet einen unwillkürlichen Harnabgang. Sie kann ein Zeichen einer anderen Erkrankung sein, weshalb sie hier im Abschnitt Krankheitszeichen beschrieben wird. Oft tritt sie aber auch als eigenständige Krankheit auf.

Harninkontinenz ist weit verbreitet, nicht nur unter alten Menschen, bei denen sie oft den Ausschlag für einen Umzug ins Alten- oder Pflegeheim gibt. Vielen Betroffenen ist das Problem peinlich, und sie sprechen erst bei erheblicher Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität darüber. Doch neben diesen und anderen sozialen und psychischen Auswirkungen kann die Harninkontinenz auch körperliche Folgen haben (z.B. Harnweginfektionen, Nierenschäden).

Einteilung

Nach dem zugrunde liegenden Mechanismus unterscheidet man verschiedene Formen der Harninkontinenz. Die wichtigsten sind:

  • Belastungsinkontinenz (früher: Stressinkontinenz): Urinverlust ohne Harndrang bei Druckerhöhung im Bauchraum. Ursache ist eine Schließmuskelschwäche (z.B. bei erweitertem Blasenhals nach Prostata-Operation oder Beckenbodenschwäche). Grad I z.B. beim Husten, Niesen oder schwerem Heben, Grad II z.B. beim Aufstehen oder im Gehen, Grad III bereits im Liegen.
  • Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz von engl. urge = Drang): Urinverlust bei imperativem (unwiderstehlichem) Harndrang infolge einer Überaktivität der Blasenmuskulatur (z.B. bei Zystitis = Blasenentzündung). Geht oft mit Pollakisurie und Nykturie einher (häufiges bzw. nächtliches Wasserlassen, s. Miktionsstörungen). Zur Dranginkontinenz gehört auch das Syndrom der überaktiven Blase (engl. overactive bladder, OAB).
  • Misch-Harninkontinenz (häufig) aus Belastungs- und Dranginkontinenz.
  • Überlaufinkontinenz (Ischuria paradoxa): Urinverlust bei übervoller, überdehnter Blase infolge einer Obstruktion (Verengung von Blasenhals oder Harnröhre, z.B. durch die Prostata, s. auch Miktionsstörungen). Auch als falsche Harninkontinenz bezeichnet, weil der Überdruck die Schließmuskeln aufdrückt; weder sind sie zu schwach, noch sind die Kontraktionen der Blase für sie zu stark.
  • Neurogene Harninkontinenz: Urinverlust infolge einer Störung des zentralen oder peripheren Nervensystems (Gehirn, Rückenmark, Nerven zur Harnblase).
     

Ursachen

Die Ursachen der verschiedenen Formen der Harninkontinenz sind sehr zahlreich. Oft liegen sie im Bereich von Harnblase und Prostata oder gehen auf die Einnahme von Medikamenten zurück. Bei Belastungsinkontinenz findet sich häufig nur eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur.

Entzündungen der Prostata können das Wasserlassen stören, wobei obstruktive Zeichen (s. Miktionsstörungen) infolge der entzündungsbedingten Schwellung der Prostata überwiegen. Bei Mitbeteiligung der Harnblase ist auch eine Dranginkontinenz möglich (s. hierzu auch akute Prostatitischronische Prostatitis und chronisches Beckenschmerzsyndrom.

Beim benignen Prostatasyndrom wird die Harnröhre im Verlauf immer weiter eingeengt. Deshalb kommt es zunächst ebenfalls zu obstruktiven Miktionsstörungen. Später können eine Drang- und Überlaufinkontinenz auftreten. Näheres siehe Zeichen und Komplikationen des BPS.

Gleiches gilt für das Prostatakarzinom (Prostatakrebs), das bei Ausbreitung auf die Beckeneingeweide und die Wirbelsäule zudem zu einer neurogenen Harninkontinenz führen kann. Eine Harninkontinenz ist jedoch nur selten ein frühes Zeichen des wachsenden Tumors (s. Krankheitszeichen bei Prostatakarzinom). Häufiger tritt sie als Folge der Behandlung auf. So schwächt eine radikale Prostatektomie den Harnblasenverschluss, so dass durch Überlastung der Beckenbodenmuskulatur eine Belastungsinkontinenz entstehen kann. Mögliche (aber seltene) Folgen einer Bestrahlung sind hingegen eine Dranginkontinenz durch Reizung der Harnblase und eine neurogene Inkontinenz durch Schädigung der Nerven in der Umgebung.

Untersuchung

Wegen der unterschiedlichen Behandlung zielt der Untersuchungsgang bei Harninkontinenz darauf ab, zunächst deren Form zu bestimmen und dann eine Ursache zu finden. Der erste Schritt ist das ausführliche Erheben der Anamnese (Vorgeschichte, z.B. Anzahl der pro Tag benötigten Vorlagen). Standardisierte Fragebogen (z.B. der ICIQ-SF) und das Führen eines Miktionstagebuchs sind hilfreich.

Es folgen die körperliche Untersuchung, einschließlich einer DRU (s. digitale rektale Untersuchung), sowie eventuell ein Pad-Test (engl. pad = Vorlage, Pad-Gewichtszunahme nach Übungsprogramm) zur Bestimmung des Urinverlusts (Grad 1 bis 2ml, Grad 2 2-10ml, Grad 3 10-50ml, Grad 4 mehr als 50ml). Urinuntersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss einer Infektion und einer Hämaturie(Blutbeimengung zum Urin), und mittels Sonographie (Ultraschalluntersuchung) wird insbesondere die Restharnmenge bestimmt (in der Harnblase nach dem Wasserlassen).

Weitergehende Untersuchungen sind nur in speziellen Fällen erforderlich, zum Beispiel eine Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase), eine Miktionszystourethrographie (Röntgendarstellung von Harnblase und Harnröhre beim Wasserlassen) und urodynamische Methoden wie Uroflowmetrie (Harnflussmessung, s. Urinuntersuchungen), Zystometrie ("Blasenmessung"), Urethra-Druckprofil (im Verlauf der Harnröhre) und Druck-Fluss-Messung.

Behandlung

Die Therapie der Harninkontinenz richtet sich zunächst gegen deren Ursache, also gegen eine zugrunde liegende Erkrankung oder den Auslöser (z.B. Beckenbodenschwäche, Überaktivität der Blasenmuskulatur). Falls eine solche kausale (ursächliche) Therapie nicht möglich ist, stehen verschiedene symptomatische (gegen die Krankheitszeichen gerichtete) Maßnahmen zur Verfügung.

Eine genauere Beschreibung aller Möglichkeiten in Abhängigkeit von der Form der Harninkontinenz wäre an dieser Stelle zu ausführlich. Sie reichen von Veränderungen der Lebensgewohnheiten (z.B. Trinken, Wasserlassen, Gewichtsabnahme) und Muskeltraining (Blase, Beckenboden) über aufsaugende Hilfsmittel (z.B. Vorlagen) und ableitende Hilfsmittel (z.B. Kondomurinale, Katheter) bis hin zur medikamentösen Beeinflussung der beteiligten Muskelabschnitte und zu operativen Eingriffen.

Beispielsweise stehen bei Belastungsinkontinenz nach radikaler Prostatektomie das Beckenbodentrainingund Medikamente im Vordergrund. Falls dies keinen Erfolg hat oder der äußere Schließmuskel geschädigt ist, kann eine Operation an der Harnröhre erforderlich werden wie die Unterspritzung der Schleimhaut (verschiedene Materialien verfügbar), die Unterstützung mit einem Band oder die Einpflanzung eines künstlichen Schließmuskels.

Weitere Informationen

Näheres über den Beckenboden und Übungen zu dessen Kräftigung finden Sie in der Rubrik „Weitere Infos“ unter Beckenbodentraining.

Bücher zum Thema finden Sie zum Beispiel über die Suche im Buchkatalog oder auf der Buchliste der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Ein Buchbeispiel:

Michaelis, Ute: Beckenbodentraining für Männer. Harninkontinenz und Erektionsstörungen mindern und überwinden. 2. Aufl., 162 S., Urban & Fischer, München 2006, ISBN 3-437-45187-1, 19,95 EUR Buch bei amazon.de bestellen

Weiterhin gibt es zahlreiche Vereine und Selbsthilfegruppen sowie eine Fülle von Informationen über die verschiedenen Formen der Harninkontinenz und ihre Behandlung, auch im Internet. Als erste Anlaufstellen könnten zum Beispiel dienen die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V., die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. und die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ).

Quellen (u.a.)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Thüroff, J., et al.: Guidelines on urinary incontinence. European Association of Urology (EAU), 3/2005. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2

Hämaturie

Die Blutbeimengung zum Urin (Harnblutung) kann zahlreiche ernste Ursachen haben. Sie ist deshalb immer ein Alarmsignal und erfordert eine sofortige ärztliche Untersuchung.

Einteilung

Nach der Sichtbarkeit unterscheidet man die Mikrohämaturie, die sich nur mikroskopisch nachweisen lässt, von der Makrohämaturie, die makroskopisch, also schon mit bloßem Auge erkennbar ist. Je nach Menge des Blutes ist der Urin bei der Makrohämaturie schwach rosa bis dunkelrot verfärbt, bei älterem Blut wird der Farbton bräunlich.

Eine weitere Einteilung erfolgt anhand des Auftretens während des Wasserlassens in die initiale (zu Beginn), terminale (am Ende) und totale Hämaturie (während der gesamten Harnentleerung). Außerdem anhand von begleitenden Schmerzen in die schmerzlose und schmerzhafte Hämaturie.

Ursachen

Die Liste der möglichen Ursachen ist lang: Zum Beispiel Entzündungen, Steine, Tumoren, Gefäßveränderungen oder Verletzungen im Bereich von Niere, Harnleiter, Harnblase, Prostata oder Harnröhre, Störungen der Blutgerinnung (auch durch Medikamente) und Krankheiten von Blut, Leber, Herz und Gefäßen.

Hinweise geben die Art der Hämaturie und begleitende Zeichen. So spricht eine initiale, schmerzhafte Makrohämaturie für eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis), eine terminale, schmerzhafte hingegen für eine Blasenentzündung (Zystitis) oder, besonders in Verbindung mit Harnstottern, für einen Harnblasenstein. Typisch bei Prostatitis sind dumpfe Schmerzen am Damm und Beschwerden beim Wasserlassen. Eine schmerzlose Makrohämaturie kann beim benignen Prostatasyndrom (BPS) auftreten, wenn durch Pressen beim Wasserlassen eine von der vergrößerten Prostata gestaute Vene am Harnröhrenanfang platzt.

Komplikationen

Verteilt sich das Blut nicht ausreichend im Urin, kann es gerinnen (Koagel bilden), die Harnwege verstopfen und so zu Komplikationen führen. Beispielsweise zur akuten Harnverhaltung mit starken Schmerzen, wenn der Urin nicht mehr aus der Harnblase abfließen kann.

Untersuchung

Eine Makrohämaturie sieht sehr beunruhigend aus. Der Blutverlust ist dagegen meist gering (Blut färbt sehr intensiv, denken Sie zum Beispiel an das Mundspülwasser bei Zahnfleischbluten). Wegen der möglichen ernsten Ursachen sollten Sie dennoch umgehend einen Arzt aufsuchen.

Nach dem Erheben der Krankengeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung wird der Urin untersucht: Der Teststreifen liefert erste, richtungweisende Befunde. Bei der Dreigläserprobe werden eine erste, mittlere und letzte Harnportion aufgefangen. Daraus ergeben sich die Unterscheidung in die initiale, terminale und totale Hämaturie sowie weitere Befunde, gegebenenfalls nach zusätzlichen Untersuchungen (z.B. mikroskopische Analyse des Harnsediments, Bakterienkultur).

Im Einzelfall können weitere Untersuchungen erforderlich sein, zum Beispiel Sonographie (Ultraschalluntersuchung), Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase), Röntgenaufnahmen und Blutuntersuchungen.

Abgrenzung

Die Hämaturie ist abzugrenzen von der Rotfärbung des Urins, zum Beispiel mit Blutfarbstoff (Hämoglobinurie, vor allem bei Bluterkrankungen), mit Muskelfarbstoff (Myoglobinurie, bei Muskelzerfall), durch Medikamente (insbesondere Magen-Darm-Mittel) und durch Nahrungsmittel (rote Bete, Rhabarber, manche Tees, zugesetzte Farbstoffe).

Behandlung

Keinesfalls sollte eine Hämaturie ohne vorherige Untersuchung behandelt werden. Denn die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Siehe hierzu beispielsweise Prostatitis und benignes Prostatasyndrom (BPS).

Quellen (u.a.)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Schultze-Seemann, W. et al.: Therapieleitfaden Prostataerkrankungen. 1. Auflage, Uni-Med, Bremen 2002, ISBN 978-3-89599-603-0
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2

Hämospermie

Eine Blutbeimengung zum Sperma (Samenflüssigkeit) alarmiert Betroffene wie PartnerInnen. Sie ist meist harmlos, kann aber auch Zeichen einer Erkrankung sein, vor allem bei wiederholtem Auftreten.

Weil die Hämospermie oft unbemerkt bleibt, ist ihre Häufigkeit nicht bekannt. Meist sind Männer im Alter von 30-40 Jahren betroffen. Das Sperma ist rosa bis dunkelrot, bei älterem Blut auch bräunlich oder schwärzlich verfärbt.

Ursachen

In den meisten Fällen ist eine Ursache nicht zu finden (50-70%). Ansonsten kommen in Frage: Prostatitis(10%), benignes Prostatasyndrom (BPS, durch Stauung von Blutgefäßen, 10%), Urogenitaltuberkulose (5%) sowie Spermatozystitis (Vesikulitis, Entzündung der Samenblasen) und andere Infektionen. Nur selten sind Tumoren (z.B. Prostatakarzinom), Verletzungen, Hypertonie (Bluthochdruck) oder weitere Erkrankungen die Ursache einer Hämospermie.

Untersuchung

Nach dem Erheben der Anamnese (Vorgeschichte) folgt die körperliche Untersuchung: Blutdruckmessen zum Ausschluss einer Hypertonie (Bluthochdruck), Untersuchung des Penis auf Verletzungen, Abtasten der Nebenhoden und der Samenleiter zwischen Nebenhoden und Leistenring sowie Abtasten von Prostata und Samenblasen bei der digitalen rektalen Untersuchung.

Der Urin wird mittels Teststreifen und gegebenenfalls Zwei- oder Viergläserprobe (Auffangen von Harnportionen während des Wasserlassens) besonders auf Blutbeimengungen (Hämaturie), Entzündungszeichen und Krankheitserreger untersucht.

Der Wert der Spermauntersuchung ist umstritten: Abgesehen davon, dass dabei auch eine nur mikroskopisch sichtbare Hämospermie erkannt werden kann, soll etwa die Hälfte der Bakteriennachweise auf Verunreinigungen der Proben zurückzuführen sein (falsch positive Ergebnisse).

Bei Fortbestehen oder wiederholtem Auftreten der Hämospermie oder bei gleichzeitiger Hämaturie sind weitere Untersuchungen nötig: Zum Beispiel Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase), transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS, vom Mastdarm aus) und MRT (Magnetresonanztomographie, NMR, Kernspin).

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Hämospermie. So ist eine Prostatitis konsequent zu behandeln, ebenso ein Harnweginfekt oder eine andere Entzündung (z.B. mit Antibiotika). Beim BPS kommt eine medikamentöse oder operative Behandlung in Frage. Nach dem Ausschluss behandlungsbedürftiger Erkrankungen steht die ausführliche Beratung und Beruhigung des Patienten im Vordergrund. Hormonpräparate (Östrogene, Kortikosteroide) sollten nicht gegeben werden.

Quellen (u.a.)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2

Erektile Dysfunktion

Störungen der Erektion (Gliedversteifung) haben oft eine psychische oder physische (körperliche) Ursache, darunter auch die Behandlung von Prostatakrebs. Doch es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten.

Erektile Dysfunktion heißt wörtlich Funktionsstörung der Erektion (Gliedversteifung), zu deutsch Erektionsstörung. Man versteht darunter das dauerhafte Unvermögen, eine Erektion zu erreichen oder aufrecht zu erhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsakt ausreicht. Aus dieser Definition geht unter anderem hervor, dass die Diagnose auch von der subjektiven Beurteilung durch den Betroffenen abhängt und dass ein gelegentliches Ausbleiben der Erektion noch keine ED bedeutet.

Die erektile Dysfunktion wird umgangssprachlich auch als Potenzstörung oder Impotenz bezeichnet (von lat. potentia = Vermögen, Kraft, Macht). Dies ist jedoch medizinisch nicht korrekt, denn beide Begriffe umfassen außerdem das Unvermögen zur normalen Ejakulation (Samenerguss), die Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) und den fehlenden Drang zur sexuellen Betätigung (fehlende Libido = „Lust“).

Die Erektion ist Folge eines komplizierten Vorgangs, der schließlich zum Orgasmus (Höhepunkt der sexuellen Erregung) und zur Ejakulation führt: Bei ungestörter Libido und normaler Hormonlage werden in erotischen Situationen unter dem Einfluss der psychischen (seelischen) Verfassung des Mannes bestimmte Bereiche seines Gehirns erregt, zum Beispiel durch Seheindrücke, Berührung, Geruchsstoffe oder Vorstellungen (= das „Vorspiel“).

Über spezielle Zentren im Rückenmark und Nervenfasergeflechte in der Umgebung von Harnblase und Prostata erreichen die Impulse dann den Penis. Dort lassen sie die Muskulatur der Schwellkörper und der zuführenden Blutgefäße erschlaffen. Damit steigt der Blutzustrom in die Hohlräume der Schwellkörper, so dass diese sich ausdehnen, was zudem den Blutabfluss drosselt. Die Schwellkörper besitzen eine stabile Bindegewebshülle, die ihre Ausdehnung (Tumeszenz) begrenzt und zusammen mit dem Gleichgewicht aus Zu- und Abfluss des Blutes die Härte (Rigidität) der Erektion bestimmt.

Die Entleerung der Schwellkörper geschieht ebenfalls unter der Kontrolle des Gehirns über Nervenimpulse, die zur Anspannung der Muskulatur der zuführenden Blutgefäße und der Schwellkörper führen: Die Blutzufuhr sinkt, der Blutabfluss steigt und die Schwellkörper ziehen sich zusammen.

Häufigkeit

Viele Männer sind von einer mehr oder weniger ausgeprägten erektilen Dysfunktion betroffen, allein in Deutschland bis zu 6 Millionen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter an, Studien zufolge auf mehr als 50%. Doch nur 10-25% davon lassen sich behandeln, obwohl selbst in höherem Alter noch bis zu zwei Drittel der Männer sexuell aktiv sind.

Die Dunkelziffer ist also hoch. Vermutlich hindert Scham viele Betroffene am Gang zum Arzt (oder die Angst, kein richtiger Mann zu sein), so dass zahlreiche Partnerschaften belastet werden, was das Problem wegen der psychischen Auswirkungen nur noch verschärft.

Ursachen

Aus dem oben beschriebenen Vorgang der Erektion ist zu erkennen, dass diese auf mannigfaltige Weise gestört werden kann. So findet sich nach Schätzungen in der Hälfte der Fälle von erektiler Dysfunktion eine körperliche Ursache, in 30% eine psychische (z.B. Versagensangst, Stress im Beruf, Partnerschaftskonflikte) und in 20% eine Mischung aus beiden.

An körperlichen Ursachen kommen zum Beispiel in Betracht:

  • Zufuhr von Genussgiften (z.B. Alkohol, Nikotin) oder Drogen.
  • Herz-Kreislauferkrankungen, z.B. koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“).
  • Stoffwechselkrankheiten, z.B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechselstörungen, Schilddrüsenkrankheiten.
  • Einnahme von Medikamenten, z.B. Blutdruck- und Blutfettsenker, Herzmedikamente, Entzündungshemmer, Psychopharmaka, Beruhigungs- und starke Schmerzmittel, Appetitzügler, Hormonpräparate (darunter auch Antiandrogene und LH-RH-Analoga zur Behandlung des Prostatakarzinoms, s. Hormontherapie).
  • Benignes Prostatasyndrom (gutartige Prostatavergrößerung, s. BPS).
  • Erkrankungen von Gehirn oder Rückenmark, z.B. multiple Sklerose, Schlaganfall.
  • Nervenschäden, z.B. durch Gifte oder bei Prostatakarzinom durch radikale Prostatektomie oder Strahlentherapie.
  • Veränderungen der Hormonspiegel durch Erkrankungen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse), Hoden oder Nebennieren.
  • Fehlbildungen, Verletzungsfolgen oder Erkrankungen des Penis.
     

Als Haupt-Risikofaktoren für die ED gelten dieselben wie für Herz-Kreislauferkrankungen: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Hypercholesterinämie (erhöhte Blutfettwerte) und das metabolische Syndrom (kombinierte Stoffwechselstörung bei Diabetes mellitus).

Untersuchung

Basis ist das ausführliche Erheben der Anamnese (Vorgeschichte), um die Zahl der möglichen Ursachen einzugrenzen. Dazu gehören auch Fragen nach der Einnahme von Medikamenten, der psychischen Situation und dem Sexualleben. Bei der Sexualanamnese sollten die PartnerInnen einbezogen werden, und es können auch Fragebogen Verwendung finden (z.B. der IIEF, International Index for Erectile Function).

Dann folgt die körperliche Untersuchung, einschließlich der Messung von Blutdruck und Puls sowie einer DRU (s. digitale rektale Untersuchung). Labortests richten sich nach den bisherigen Ergebnissen und umfassen die Bestimmung von Blutzucker, Blutfetten und Geschlechtshormonen (s. auch Geschlechtshormone), gegebenenfalls auch weitere wie den PSA-Wert (s. PSA-Bestimmung).

Weil das Herz-Kreislauf-Risiko bei sexueller Aktivität, unter den von ED Betroffenen und bei der Therapie der ED erhöht ist, zielt die Diagnostik auch darauf ab, den Betroffenen einer entsprechenden Risikoklasse zuzuordnen, gegebenenfalls unter Hinzuziehung eines Kardiologen oder Internisten. So sind bei hohem Risiko (z.B. instabiler Angina pectoris = „Brustenge“) bis zur Besserung Enthaltsamkeit dringend anzuraten und die Einnahme von PDE-5-Hemmern (s.u.) in der Regel verboten. Bei niedrigem Risiko kann dagegen ein Versuch mit diesen Medikamenten ohne weitere Untersuchungen in Betracht kommen.

Die Spezialdiagnostik beinhaltet den Schwellkörperinjektionstest (SKIT) und die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Penisgefäße, nur selten erforderlich sind zum Beispiel die Messung der nächtlichen Erektionen (NPTR, nächtliche penile Tumeszenz und Rigidität), die Aktivitätsmessung der Muskulatur der Schwellkörper (CC-EMG, Corpuscavernosum-Elektromyographie), die Röntgenkontrastdarstellung von Schwellkörpern oder Blutgefäßen sowie Funktionstests von Nerven oder Hormon-Regelkreisen.

Behandlung

Im Vordergrund stehen zunächst die Beseitigung der Risikofaktoren (z.B. durch körperliches Training, Gewichtsabnahme, Rauch-Stopp) und die Behandlung der Ursachen (z.B. Einstellung von Blutdruck und Blutzucker, Umstellung auf andere Medikamente, Hormonersatz, Operation von Fehlbildungen, Psychotherapie).

Parallel dazu - oder falls dies nicht ausreichen oder nicht möglich sein sollte - können symptomatische (gegen die Krankheitszeichen, also die ED gerichtete) Maßnahmen zum Einsatz kommen. Zu beachten ist, dass diese nur in Ausnahmefällen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen (bzw. erstattungs- und beihilfefähig) sind, in der Regel nur, wenn eine behandlungsbedürftige Erkrankung zugrunde liegt (z.B. Diabetes mellitus, bei Prostatakarzinom nach radikaler Prostatektomie). Es gibt hierzu zahlreiche Gerichtsurteile, und es empfiehlt sich, die Kostenübernahme vor Therapiebeginn abzuklären.

Die Auswahl richtet sich nach der Ursache der ED, den Befunden und den individuellen Bedürfnissen und Erwartungen des betroffenen Paares. Erfolg, Zufriedenheit und unerwünschte Wirkungen sollten regelmäßig überprüft und die Therapie gegebenenfalls angepasst werden, zum Beispiel durch einen Wechsel oder eine Kombination der Methoden. Zur Verfügung stehen:

PDE-5-Hemmer: Diese Wirkstoffe hemmen ein Enzym (Ferment), die Phosphodiesterase 5 (PDE 5). Sie baut in den Schwellkörpern einen Stoff ab (cGMP), der für die Ausbildung und Aufrechterhaltung der Erektion nötig ist, sorgt also für das Abklingen der Erektion. PDE-5-Hemmer werden in Tablettenform eingenommen und führen bei etwa 80% der Männer zu einer Erektion. Sie sind heute Standard, wirken aber nur bei sexueller Stimulation und intakter Nervenversorgung des Penis. Auch ist die Liste der absoluten und relativen Kontraindikationen lang (Gegenanzeigen, z.B. schwere Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Leber, Magendarmtrakt und Augen, Einnahme von nitrathaltigen Medikamenten und nitrithaltigen Sexualstimulanzien). Es gibt drei verschiedene Wirkstoffe (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil). Sie unterscheiden sich in ihrem Wirkprofil und den unerwünschten Wirkungen, so dass ein Wechsel von Vorteil sein kann.

Andere Medikamente: Zur Verfügung stehen mehrere Wirkstoffe mit unterschiedlichem Wirkmechanismus (z.B. Yohimbin), weitere werden derzeit entwickelt und getestet. Gewarnt werden muss vor der unkritischen Einnahme frei verkäuflicher Arzneimittel und Stimulanzien (Aphrodisiaka). Manche Präparate enthalten PDE-5-Hemmer oder andere hochwirksame Substanzen, können also gefährlich sein, während andere gänzlich unwirksam oder verboten sind (z.B. aus Artenschutzgründen). Am besten, Sie lassen sich vorher ausführlich beraten.

SKAT (Schwellkörperautoinjektionstherapie): Bei der SKAT spitzt sich der Betroffene selbst (oder eine andere Person) eine Lösung in beide Schwellkörper, natürlich nur nach ausführlicher Anleitung. Verwendet wird meist Alprostadil (= Prostaglandin E1) in individueller Dosierung, manchmal kommen auch andere Wirkstoffe oder eine Kombination zum Einsatz. Vorteil ist eine hohe Ansprechrate von bis zu mehr als 90%, unabhängig von der Ursache der ED. An unerwünschten Wirkungen ist vor allem der Priapismus zu erwähnen, eine schmerzhafte Dauererektion, die zwar selten auftritt, jedoch wegen möglicher Dauerschäden spätestens nach vier Stunden ein ärztliches Eingreifen erforderlich macht.

Intraurethrales Prostaglandin E1: Hierbei führt der Betroffene den Wirkstoff Alprostadil in Form eines Stäbchens mit einem Applikator in die Harnröhre (intraurethral) ein. Die Methode ist eine Alternative zur SKAT, wenn der Betroffene diese ablehnt, die Ansprechrate liegt jedoch deutlich niedriger.

Vakuumerektionssysteme (Vakuumpumpen): Sie erzeugen eine passive Erektion durch Unterdruck in einem über den Penis gestülpten Rohr. Ein an der Penisbasis angelegter Ring drosselt den Blutabfluss und erhält die Erektion aufrecht; er sollte nach 30 Minuten wieder abgenommen werden. Die Ansprechrate beträgt mindestens 90%, zu Nebenwirkungen kommt es sehr selten. Solche Systeme sind besonders von Vorteil, wenn die bisher genannten Methoden sich verbieten oder versagt haben.

Schwellkörperimplantate (Penisprothese): Das Einpflanzen von steifen, elastischen oder aufpumpbaren Stäben in die Schwellkörper wird nur noch selten durchgeführt. Nachteile liegen in der endgültigen Veränderung der Schwellkörper durch die Operation, im allgemeinen Operationsrisiko, im Risiko für eine anschließende Infektion und in den hohen Kosten. Vorteil ist dagegen die dauerhafte Behebung der erektilen Dysfunktion, was sich auch an einer der höchsten Akzeptanzraten von allen Methoden zeigt.

Weitere Informationen

Es gibt eine Fülle von Veröffentlichungen über die erektile Dysfunktion, auch im Internet. Hier nur zwei Tipps:

Quellen (u.a.)

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Diagnostik und Therapie von Libido- und Erektionsstörungen. 3/2005. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF(Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2
  • Wespes, E., et al.: Guidelines on erectile dysfunction. European Association of Urology (EAU), 3/2005. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)