Ernährung, Sport und Entspannung bei Prostatakrebs

Helfen solche nicht-urologischen Maßnahmen beim Prostatakarzinom? Dieser Frage gingen die Referenten auf einem Symposium im Rahmen des deutschen Urologenkongresses 2010 nach und beantworteten sie mit einem klaren Ja.

Veranstaltet wurde das Symposium von der gemeinnützigen Stiftung Männergesundheit im Rahmen der von ihr ins Leben gerufenen HAROW-Studie. Diese ist die bisher größte Untersuchung über die Versorgung von Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom im deutschsprachigen Raum (s. hierzu auch den Artikel im Magazin Prostatakrebs-Patienten geben ihren Ärzten gute Noten).

Ein wesentliches Anliegen der HAROW-Studie ist herauszufinden, wie sich Erkrankung und Behandlung auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Die Ergebnisse sollen dann helfen, dem Patienten mehr Lebensqualität trotz der Tumorerkrankung zu ermöglichen. Ernährung, Sport und Entspannung können dazu beitragen, so die Referenten auf der Veranstaltung:

Ernährung bei Prostatakrebs

Die Frage, ob eine Ernährungsumstellung bei einem Mann mit Prostatakrebs noch sinnvoll ist, wurde gleich mit drei Jas beantwortet: Erstens, weil während des meist langen Verlaufs der Tumorerkrankung andere Erkrankungen wie ein Herzinfarkt auftreten können, gegen die man mit einer gesunden Kost vorbeugen kann. Zweitens, weil eine gute Ernährung die Tumorbehandlung unterstützt, zum Beispiel deren Verträglichkeit verbessert. Und drittens, weil der Mann damit selbst aktiv werden und den Kampf gegen den Krebs aufnehmen kann.

Viele Nahrungsmittel wurden auf ihre Wirksamkeit bei Prostatakrebs untersucht. Daraus lässt sich jedoch derzeit keine Empfehlung für eine spezielle Diät ableiten. Wegen der Gefahr der Überdosierung empfiehlt sich im Normalfall auch keine zusätzliche Gabe von Präparaten mit Vitaminen oder Spurenelementen, abgesehen von Vitamin D. Am wichtigsten ist, den Betroffenen dazu zu motivieren, seine Ernährung auf eine gesunde Kost umzustellen. Dies durchaus auch in kleinen, einfachen Schritten wie „Fleisch nie ohne Gemüse“ und „Gemüse und Obst notfalls als Saft“.

Sport bei Prostatakrebs

Dass Sport gesund ist, darüber sind sich alle einig. Und wahrscheinlich wirken die dabei auftretenden, für den Körper positiven Effekte auch vorbeugend gegen Prostatakrebs. Aber ist Sport bei Prostatakrebs nicht Mord? Traditionell gilt, dass ein Tumorpatient sich erholen, sich ausruhen und körperliche Anstrengungen vermeiden muss und dass er solche Belastungen nicht verkraften und dadurch sogar geschädigt werden kann. Doch diese Einstellung bringt den Patienten in eine passive Haltung und setzt einen Teufelskreis in Gang: Bewegungsmangel setzt die körperliche Leistungsfähigkeit herab, weil nicht belastete Strukturen abgebaut werden. Dadurch steigt die Erschöpfung, was zur Schonung und damit wieder zum Bewegungsmangel führt. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist wegen des Tumors oder der Therapie ohnehin eingeschränkt.

Heute gilt, was in mehreren Studien belegt ist: Tumorpatienten brauchen körperliche Aktivität und Motivation, werden durch ein richtig dosiertes Training nicht geschädigt, sondern profitieren davon, und können mit der Aktivität etwas für sich tun. Weil die Trainierbarkeit zeitlebens erhalten bleibt, ist es für Sport nie zu spät.

Entspannung bei Prostatakrebs

Männer mit Prostatakrebs sind häufig psychisch belastet, zum Beispiel durch die Diagnose selbst oder durch Sorgen über den weiteren Verlauf, die kommende Behandlung und deren mögliche Nebenwirkungen. Diese seelische Belastung kann auch körperlichen Anzeichen und Beschwerden zur Folge haben. So ist der Angst-Spannungszyklus gut bekannt: Angst erhöht die Anspannung, was zu Schmerzen führt, wodurch wiederum die Angst steigt. Dagegen können verschiedene Entspannungstechniken wie die so genannte progressive Muskelentspannung helfen. Sie lässt sich einfach erlernen und anwenden. Ihr wirksames Prinzip ist, dass der Körper auf Anspannung quasi automatisch mit Entspannung reagiert, wenn man das gezielte An- und Entspannen bestimmter Muskelgruppen geübt hat.

Quellen

62. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Düsseldorf, 22.-25.9.10, Symposium der Stiftung Männergesundheit „Helfen nicht-urologische Maßnahmen beim Prostatakarzinom“ am 23.9.10, Pressemappe und Vorträge:

  • Gola, U.: Ist eine Ernährungsumstellung noch sinnvoll?
  • Dimeo, F.: Ist Sport beim Prostatakarzinom Mord?
  • Berberich, H.-J.: Wie werden Körper und Psyche entspannt?
     

Weitere Informationen

Die Stiftung Männergesundheit hat zu den Bereichen Ernährung, Bewegung und Entspannung bei Prostatakrebs Broschüren herausgegeben. Sie sind auf der Patientenseite der HAROW-Studie als PDF verfügbar.

Zuletzt aktualisiert: 23.11.2018