Hochpräzise Bestrahlung verkürzt Behandlungszeit

Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, wie Operation, Strahlentherapie oder aktive Überwachung. Eine aktuelle Studie soll untersuchen, inwieweit bei der Radiotherapie die Behandlungszeit durch eine präzisere Bestrahlung verkürzt werden kann.

Insbesondere im höheren Alter kann die Bestrahlung des lokalen Prostatakarzinoms die beste Therapieoption sein. Dabei wird die Prostata über einen Zeitraum von in der Regel acht Wochen täglich bestrahlt. Die Verteilung der Strahlendosis auf viele kleine Portionen (Fraktionen) wurde bislang zur Schonung des umgebenden Gewebes angewendet, das immer mitbestrahlt wird.

Behandlung verbessern?

Auch wenn sich diese Methode bewährt hat, befassen sich Studien immer wieder mit der Frage, ob die Behandlung optimiert werden kann – etwa durch Dosisveränderungen. So gilt es seit einiger Zeit aufgrund der Strahlenbiologie als gesichert, dass auch höhere Fraktionsdosen als bisher eingesetzt werden können. In einer ersten wissenschaftlichen Weiterentwicklung wurden die Bestrahlungen von 40 auf 25 Fraktionen reduziert, also auf etwa fünf Wochen Behandlungszeit. Dieses Verfahren könnte ebenso erfolgreich sein wie die Standardbehandlung mit 40 Fraktionen – und das bei gleichem niedrigen Risiko.

Erste Langzeitergebnisse einer noch weitergehenden Reduzierung der Fraktionen wurden 2012 veröffentlicht. Die Behandlung umfasste dabei nur noch lediglich fünf Fraktionen, verteilt auf einen Zeitraum von nur anderthalb Wochen. Ermöglicht wird die stark verkürzte, dafür aber hochpräzise „hypofraktionierte“ Bestrahlung, auch Strahlenchirurgie genannt, durch weiterentwickelte moderne Bestrahlungsmethoden.

Positive Empfehlung

Die Ergebnisse der Studie zu dem neuen Schema, das bisher an mehr als 1.500 amerikanischen und kanadischen Patienten angewendet wurde, sind so vielversprechend, dass die US-amerikanische Fachgesellschaft für Strahlentherapie die hypofraktionierte Strahlenchirurgie inzwischen als Alternative zur Standardbehandlung des Prostatakarzinoms empfohlen hat.

Und auch in Deutschland soll nun untersucht werden, ob die neue Behandlungsstrategie die bisherige Therapie ablösen könnte. „Das Verfahren hat das Potential, die Behandlung bei Prostatakrebs zu verbessern sowie angenehmer und schonender zu gestalten”, sagt Prof. Dr. Claus Rödel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Frankfurt. Vorausgesetzt, die dafür notwendige Studie wird unter strenger Beobachtung in klinischen Prüfungen und nach Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz durchgeführt.

Rekrutierung hat begonnen

Dem entsprechenden Antrag zur Prüfung der neuen Therapie im Rahmen der klinischen Prostatastudie HYPOSTAT wurde stattgegeben, sodass die kooperierenden Institutionen in Lübeck, Kiel, Frankfurt am Main, Rostock und Güstrow Anfang des Jahres mit der Rekrutierung von Patienten mit folgenden Einschlusskriterien

  • lokal begrenztes, histologisch gesichertes Prostatakarzinom,
  • Gleason-Score ≤7,
  • Alter >75 Jahre oder Alter 70–75 Jahre und PSA >10 ng/ml,
  • PSA <15 ng/ml,
  • Prostatavolumen <80 cm³ und
  • IPSS ≤12

beginnen konnten.

Koordiniert wird die Studie durch das Zentrum für klinische Studien der Universität zu Lübeck. Weitere Informationen sind erhältlich bei: Prof. Dr. Jürgen Dunst, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Klinik für Strahlentherapie, Arnold-Heller-Str. 3, 24105 Kiel, Tel: 0431/5973011.


  • Universitätsklinikum Lübeck

  • Saphir Radiochirurgiezentrum Frankfurt am Main

Autorin: Anne Göttenauer, 25.10.2016

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2019