MRT der Prostata

Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) in der Prostatadiagnostik

Ein modernes bildgebendes Verfahren in der Diagnostik des Prostatakarzinoms ist die so genannte mpMRT. Besteht z.B. bei einem Patienten nach negativer systematischer Prostatabiopsie weiterhin der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, sollte nach den aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien eine Bildgebung der Prostata mittels MRT nach den geltenden Qualitätsstandards erfolgen. Aber wie genau verläuft diese sogenannte multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) der Prostata? Wie werden verdächtige Areale klassifiziert und was bedeutet PI-RADS? Was geschieht nach der MRT Diagnostik und wie funktioniert eine anschließende Fusionsbiopsie?
Im Video geben der Urologe Dr. med. Thomas Oliver Henkel und der Radiologe PD Dr. med. Alexander Baur Antworten auf diese und weitere Fragen. Mit anschaulichen Bildern, Animationen und hilfreichen Informationen bekommen Sie einen Einblick in die praktischen Abläufe dieser Prostatakrebs-Diagnostik.

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  • PSA steht für Prostataspezifisches Antigen
  • Ein von der Prostata produziertes Eiweiß
  • „Labormarker“ für Prostataveränderungen
  • Erhöhte Werte kommen vor bei
    • Gutartiger Prostata-Vergrößerung
    • Entzündungen der Prostata
    • Mechanischer Stimulation (z.B. Radfahren)
    • Prostatakrebs
  • Biopsie nach Blutuntersuchung wird empfohlen bei
    • Wert ≥4 ng/ml (Grenzwert variiert altersabhängig)
    • Auffallendem Anstieg bei Folgemessungen
  • 1x erhöhter Wert sollte zunächst kontrolliert werden (Ausschluss von Messfehlern)

Detaillierte Informationen auf www.prostata.de unter Prostatakrebs – Früherkennung und Diagnose von PCa

Quelle: Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Prostatakrebs I –Lokal begrenztes Prostatakarzinom (3. Auflage, Juni 2018)

mpMRT steht für multiparametrische Magnetresonanztomographie

multiparametrisch

  • Mehrere MRT-Sequenzen bzw. Bildserien werden auf Grundlage und zur Darstellung unterschiedlicher Eigenschaften der abgebildeten Gewebe akquiriert
  • Durch die Beurteilung aller Sequenzen in Zusammenschau kann eine Krebsdiagnose in der Prostata mit hoher Genauigkeit gestellt werden

Magnetresonanztomographie
(synonym: Kernspintomographie)

  • Bildgebendes Verfahren in der medizinischen Diagnostik, bei dem Schnittbilder verschiedener Gewebe in einem starken Magnetfeld und durch Radiowellen erzeugt werden
  • Es werden keine potenziell schädlichen Röntgenstrahlen verwendet

Multiparametrische Prostata-MRT: Vorzüge und Grenzen; Dtsch Arztebl 2018; 115(47): [4]; DOI: 10.3238/PersOnko.2018.11.23.01

Kapitel 5.2 Primärdiagnose

  • Eine MRT der Prostata soll multiparametrisch entsprechend den aktuellen Qualitätsstandards durchgeführt werden
  • Die in der Prostata-MRT beschriebenen Karzinom-suspekten Herde sollen gezielt biopsiert werden
  • Zusätzlich zur MRT-gezielten Biopsie sollte gleichzeitig eine systematische Biopsie erfolgen
  • Die MRT nach geltenden Qualitätsstandards kann in der Primärdiagnostik eingesetzt werden. Sie ist jedoch nicht Teil der Routinediagnostik

Kapitel 5.2 Rebiopsie

  • Nach negativer systematischer Biopsie sollte bei fortbestehendem Karzinom-Verdacht eine Bildgebung mittels MRT, den geltenden Qualitätsstandards entsprechend, erfolgen
  • Wenn sich im MRT verdächtige Areale (PI-RADS) zeigen, sollen diese gezielt biopsiert werden

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Kurzversion 5.1,2019, AWMF Registernummer: 043/022OL, https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/ (abgerufen am: 10.03.2020)

  • Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die mpMRT derzeit leider nicht, d.h. sie ist keine Regelleistung
  • Gesetzlich versicherte Patienten können die Untersuchung auf eigene Rechnung durchführen lassen. Die für eine mpMRT in Rechnung gestellten Kosten liegen meist zwischen 500 und 1.000 Euro
  • Die privaten Krankenversicherungen bezahlen die mpMRT in vielen Fällen

Halten Sie vor einer mpMRT unbedingt Rücksprache mit Ihrem Urologen, Radiologen und / oder Ihrer Krankenkasse, um zu klären, welche Kosten anfallen und ob diese evtl. von Ihrer Krankenversicherung übernommen werden

  • Gibt es Metallimplantate in Ihrem Körper wie bspw. einen Herzschrittmacher oder ein Innenohrimplantat?
  • Haben Sie Platzangst?
  • Sind Allergien bekannt?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Welche Vorerkrankungen sind bekannt? Haben Sie bspw. einen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom/grüner Star)?
  • Wurde bereits eine Biopsie der Prostata durchgeführt? Wenn ja, wann?

Bringen Sie, falls vorhanden, Ihren Implantatausweis und Ihren Medikamentenplan mit zur Untersuchung

PI-RADS

 

https://www.acr.org/-/media/ACR/Files/RADS/Pi-RADS/PIRADS-V2-1.pdf

Fusionsbiopsie der Prostata

  • Ausführliche Bezeichnung: MRT-gestützte, gezielte, ultraschallgesteuerte Fusionsbiopsie
  • Mittels eines Computerprogramms werden die Bilder der MRT und die Echtzeitbilder des Ultraschalls übereinander gelegt
  • Verdächtige Areale aus der MRT können auf dem Ultraschallbild markiert werden
  • Der Urologe kann mit der Biopsienadel punktgenau diese Areale ansteuern

Allgemeine Hintergrundinformationen zur multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT) in der Prostatadiagnostik

Unter den bildgebenden Verfahren gehört die Magnetresonanztomographie (MRT) inzwischen zu den sichersten und besten Verfahren, um ohne Belastung durch Röntgenstrahlen feine Strukturen der menschlichen Gewebe und Organe im Körper mit hoher Auflösung darstellen zu können. Mit den von der MRT akquirierten Schnittbildern können die Funktion von Organen und auch kleinere, krankhafte Organveränderungen beurteilt werden. Da sie physikalisch auf den Prinzipien der Kernspinresonanz beruht, wird sie auch Kernspintomographie genannt. Sie arbeitet mit Hilfe von starken, für den Menschen ungefährlichen Magnetfeldern und Radiowellen und ist schmerzfrei.

Der Begriff multiparametrische MRT leitet sich davon ab, dass mehrere sich ergänzende MR-Sequenzen unterschiedliche Bildkontraste liefern und damit zusammenfassende Aussagen über mehrere Gewebeeigenschaften ermöglichen. So können nicht nur strukturelle Eigenschaften von Organen und umgebendem Gewebe erfasst werden, sondern auch Areale mit erhöhter Zelldichte, wie z.B. Krebsgewebe, sichtbar gemacht werden. Ferner erlaubt die mpMRT in Verbindung mit einer Kontrastmittelgabe auch die Beurteilung von Regionen mit vermehrter Durchblutung und erhöhter Gefäßbildung.

Aufgrund dieser Möglichkeiten ist die multiparametrische Prostata-MRT inzwischen ein wertvoller Bestandteil der urologischen Diagnostik und Therapieplanung des Prostatakarzinoms und wird entsprechend in der aktuellen interdisziplinären S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH) zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms berücksichtigt.

Erhöhung der Aussagekraft konventioneller Primärdiagnostik durch die mpMRT

Die konventionelle urologische Diagnostik des Prostatakarzinoms besteht aus digitaler rektaler Untersuchung (DRU), PSA-Serumtest und systematischer Prostatabiopsie (siehe auch TRUS-Biopsie). Aufgrund der biologischen Vielfalt, dem Auftreten mehrerer Herdbefunde und der unterschiedlichen Ausprägung eines Prostatakarzinoms ist die diagnostische und prognostische Aussagekraft der konventionellen Diagnostik allerdings begrenzt. Sie kann dazu führen, dass einerseits klinisch nicht signifikante Karzinome überdiagnostiziert und damit überbehandelt werden, andererseits aber aggressive Karzinome übersehen und deshalb nicht behandelt werden.

Inzwischen wurde in den letzten Jahren durch Studien belegt, dass die multiparametrische MRT (mpMRT) die Primärdiagnostik signifikant verbessern kann, insbesondere durch die frühzeitige Entdeckung und Lokalisation karzinomverdächtiger Herdbefunde in der Prostata. Damit wird nicht nur eine gezielte Biopsie dieser Herde möglich (siehe auch Fusionsbiopsie), sondern auch eine präzisere Aussage über ihre Größe und ggf. organüberschreitende Ausdehnung. Die mpMRT kann somit wichtige Daten liefern um eine individuelle Therapieplanung vorzunehmen, damit im Einzelfall die für den Patienten beste Therapie (z.B. radikale Operation, Strahlentherapie, Aktive Überwachung und andere) gewählt werden kann.

Im Rahmen der Primärdiagnostik wird die mpMRT hauptsächlich für die Lokalisation karzinomverdächtiger Herdbefunde benötigt, um die Planung und Durchführung einer Prostatabiopsie vorzubereiten. Bei diesen Fragestellungen spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Urologen und Radiologen eine wichtige Rolle, denn wie auch andere diagnostische Methoden kann die mpMRT nicht alle Befunde zweifelsfrei liefern, und erfordert den interdisziplinären Austausch, vor allem um falsch-positive (geringgradig verändertes Gewebe wird als karzinomverdächtig abgebildet) oder falsch-negative Befunde (das Übersehen signifikanter Karzinome) auf ein Minimum zu reduzieren.

Obwohl die mpMRT der Prostata ein modernes und gutes bildgebendes Verfahren darstellt, reicht sie allein nicht aus, um ein Prostatakarzinom immer sicher zu entdecken (detektieren) und zu diagnostizieren. Wie in der S3-Leitlinie gefordert, sollen deshalb die in der Prostata-MRT beschriebenen Karzinom-verdächtigen Herde gezielt biopsiert werden. Wie ebenfalls in der Prostata-Leitlinie beschrieben, sollte zusätzlich zur MRT-gezielten Biopsie gleichzeitig eine systematische Biopsie erfolgen, denn mit der Kombination aus MRT-Fusionsbiopsie plus systematischer Biopsie werden bessere Detektionsraten erzielt als mit den jeweiligen Methoden allein. Neben dem Einsatz als ergänzendes Verfahren zur Entdeckung eines Prostatakarzinoms in der Primärdiagnostik, wird die mpMRT in Deutschland zunehmend bei Patienten mit vorhergehender negativer Biopsie und/oder auffälligem oder ansteigendem PSA-Wert für die Detektion eines Prostatakarzinoms eingesetzt. Bei diesen Patienten besteht aufgrund dieses Befundes weiterhin der Verdacht auf das Vorliegen eines Karzinoms, das mit konventionellen Methoden nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Mehrere Studien haben belegt, dass eine Bildgebung mittels mpMRT und die anschließende gezielte Biopsie auffälliger Areale bei diesen betroffenen Patienten zu einer Verbesserung der Entdeckung klinisch signifikanter Karzinome führt.

Aktuell gelten in diesem Zusammenhang die folgenden Empfehlungen der S3-Leitlinie zum Einsatz der mpMRT:

  • Nach negativer systematischer Biopsie sollte bei fortbestehendem Karzinom-Verdacht eine Bildgebung mittels MRT, den geltenden Qualitätsstandards entsprechend, erfolgen.

  • Wenn sich im MRT verdächtige Areale (PI-RADS) zeigen, sollen diese gezielt biopsiert werden.

  • Patienten, die Aktive Überwachung als Therapieoption erwägen, sollten vor Indikationsstellung eine den geltenden Qualitätsstandards entsprechende MRT erhalten.

  • Nach negativer Rebiopsie (MRT-gezielte plus systematische Biopsie) soll bei gleichbleibenden klinischen Parametern (DRU und PSA) keine weitere invasive Intervention erfolgen.

  • Nach negativer Rebiopsie (MRT-gezielte plus systematische Biopsie) sollte bei gleichbleibenden klinischen Parametern (DRU und PSA) keine weitere Bildgebung erfolgen.

Standardisierung der Befunde durch PI-RADS

PI-RADS ist die Abkürzung für „Prostate Imaging – Reporting and Data System“ und ist ein international anerkannter Standard zur Objektivierung der Befunderstellung für die mpMRT. Anhand definierter Kriterien werden die Bildserien beurteilt. Sie wurden erstmals 2012 von der European Society of Urogenital Radiology (ESUR) publiziert, die aktuellste Version wurde 2019 in Zusammenarbeit mit dem American College of Radiology (ACR) erstellt.

Danach wird jede in der mpMRT beobachtete auffällige Veränderung anhand der folgenden 5-Punkte-Skala beurteilt:

5-Punkte-Skala

Somit steht ein einheitliches Befundsystem zur Verfügung, das die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Urologen und Radiologen erleichtert und den breiten Einsatz dieser Methode fördert.

Kosten einer mpMRT

Die für eine mpMRT in Rechnung gestellten Kosten liegen meist zwischen 500 und 1.000 Euro. Leider ist die mpMRT zur Zeit keine Regelleistung, d.h. die Kosten für diese Untersuchung werden nicht durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Gesetzlich versicherte Patienten müssen deshalb selbst für die Kosten aufkommen. Private Krankenversicherungen bezahlen die mpMRT in vielen Fällen. Halten Sie vor einer solchen Untersuchung unbedingt Rücksprache mit Ihrem Urologen, Radiologen und / oder Ihrer Krankenkasse, um zu klären, welche Kosten anfallen und ob diese evtl. von Ihrer Krankenversicherung übernommen werden.

Zusammenfassung

  • Die mpMRT ist eine schmerzfreie und schnelle Untersuchungsmethode, die ohne den Einsatz von Röntgenstrahlung die Diagnostik und Therapieplanung des Prostatakarzinoms signifikant verbessern kann.

  • Gemäß aktueller S3-Leitlinie kann sie in der Primärdiagnostik eingesetzt werden, sie ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht Teil der Routinediagnostik.

  • Sie sollte nach negativer systematischer Biopsie bei fortbestehendem Karzinomverdacht erfolgen, insbesondere auch dann, wenn Patienten in diesem Fall die Aktive Überwachung als Therapieoption in Betracht ziehen.

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  5. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und Deutschen Krebshilfe e. V. (DKH) (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 5.1, Mai 2019

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Zuletzt aktualisiert: 03.07.2020