Begriffe beim BPS

Unter dem benignen Prostatasyndrom versteht man die subjektiven Beschwerden (z.B. beim Wasserlassen) und objektiven Veränderungen, die entstehen, wenn die Prostata den Harnabfluss aus der Blase behindert.

Das benigne (gutartige) Prostatasyndrom (BPS) wird oft recht ungenau als gutartige Prostatavergrößerung bezeichnet. Um zu verstehen, was genau gemeint ist, sind folgende Begriffe voneinander zu unterscheiden:

  • LUTS (engl. lower urinary tract symptoms): Symptome (Krankheitszeichen, genauer: Beschwerden) des unteren Harntraktes (Harnblase und Harnröhre). Mögliche Ursachen der LUTS sind eine vergrößerte Prostata (BPE, s. nächster Absatz), eine normal große (aber veränderte) Prostata, aber auch andere Veränderungen (z.B. eine OAB = engl. overactive bladder = Syndrom der überaktiven Blase) und Nebenwirkungen von Medikamenten.
  • BPE (engl. benign prostatic enlargement): Gutartige Prostatavergrößerung. Sie wird durch Untersuchungen (z.B. Tastuntersuchung = DRU) festgestellt und kann (muss aber nicht) zu Beschwerden (LUTS, s.o.) führen.
  • BOO (engl. bladder outlet obstruction): Blasenauslasshindernis. Eine solche Harnabflussstörung ist ebenfalls anhand von Untersuchungen (z.B. mit Ultraschall) erkennbar und kann (muss aber nicht) von der (vergrößerten oder normal großen) Prostata verursacht werden und zu Beschwerden (LUTS, s.o.) führen.
  • BPO (engl. benign prostatic obstruction): Wörtlich: Gutartiges Prostatahindernis. Gemeint ist eine Harnabflussstörung (BOO, s.o.) durch eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE, s.o.).
  • BPH: Benigne Prostatahyperplasie, gutartige Vermehrung von Prostatazellen. Dies ist eine Diagnose, die nur durch eine histologische (feingewebliche) Untersuchung gestellt werden kann.
     

Unter einem BPS versteht man also ein Syndrom (das ist eine charakteristische Gruppe von zusammengehörigen Symptomen = Krankheitszeichen) aus Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) und eventuell des oberen Harntrakts (Niere, Harnleiter) sowie auffälligen Befunden des unteren und/oder oberen Harntrakts, verursacht von einer Harnabflussstörung aus der Blase (BOO), die wiederum auf eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE) oder eine anderweitige Veränderung der Prostata zurückgeht. Kurz: Ein BPS sind Beschwerden und Veränderungen durch eine Prostata-bedingte Harnabflussstörung (BPO).

Beim BPS sind die drei Hauptmerkmale, die Beschwerden (LUTS, mehr dazu s. Zeichen und Komplikationen des BPS), die Harnabflussstörung aus der Blase (BOO) und die gutartige Prostatavergrößerung (BPE) individuell sehr verschieden ausgeprägt (mehr zu den Befunden s. Untersuchung beim BPS). Grund ist, dass alle drei nur bedingt voneinander abhängen (s.o.). So kann beispielsweise selbst eine kleine Prostata den Harnabfluss aus der Blase erheblich behindern und zu ernsten Komplikationen führen, ohne dass starke Beschwerden auftreten. Meist sind aber die Prostata vergrößert und zunehmende Beschwerden beim Wasserlassen (bei der Miktion) vorhanden.

Quellen (u.a.)

  • Berges, R., et al.: Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). Leitlinien der Deutschen Urologen. Urologe 2009; 48: 1356-1364
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Diagnostik und Differenzialdiagnostik des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/034, Entwicklungsstufe 2e. Erstellungsdatum 1999, letzte Überarbeitung 02/2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006