Aktive Überwachung (Prostatakarzinom)

Frage: Was ist der Unterschied zwischen der aktiven Überwachung und dem abwartenden Beobachten bei Prostatakrebs?

Antwort: Gemeinsam ist beiden Vorgehensweisen, dass man den Betroffenen überwacht und erst beim Fortschreiten des Tumors über die weitere Therapie entscheidet. Deshalb werden beide auch als verzögerte Behandlung (engl. deferred treatment) oder konservatives Vorgehen zusammengefasst. Der Hauptunterschied liegt im Ziel:

Bei der aktiven Überwachung (engl. active surveillance, AS) schiebt man eine kurative (auf Heilung zielende) Behandlung unter engen Kontrollen so lange auf, bis der Tumor fortschreitet oder der Patient die Therapie wünscht. Beim abwartenden Beobachten (engl. watchful waiting, WW) dagegen kontrolliert man den Patienten und leitet eine palliative (lindernde) Behandlung ein, sobald der Patient dies wünscht oder der Tumor Symptome (Krankheitszeichen) verursacht.

Frage: Ich habe Prostatakrebs im Frühstadium, und mein Arzt hat mir die aktive Überwachung angeboten. Welche Vorteile habe ich davon?

Antwort: Dass Sie für die aktive Überwachung infrage kommen, heißt, Ihre Alternative wäre die sofortige Behandlung, entweder eine radikale Prostatektomie oder eine Strahlentherapie. Beide sind mit Belastungen und möglichen Nebenwirkungen verbunden. Diese blieben Ihnen unter der aktiven Überwachung für einige Zeit oder – falls Ihr Tumor nicht fortschreitet – sogar auf Dauer erspart. Damit würde eine „Übertherapie“, also eine unnötige Behandlung vermieden, was das Ziel der aktiven Überwachung ist. Das Angebot Ihres Arztes lässt auch vermuten, dass die Befunde für ein langsames Wachstum Ihres Tumors sprechen, Sie also ein geringes Risiko für ein Fortschreiten haben.

Frage: Bei mir wurde lokal begrenzter Prostatakrebs festgestellt. Komme ich für eine aktive Überwachung infrage?

Antwort: Das lässt sich so nicht beantworten. Die Voraussetzungen, unter denen eine aktive Überwachung begonnen werden soll, sind genau festgelegt. Dazu gehören insbesondere die Höhe des PSA-Werts, die genaue Ausbreitung des Tumors, der Befund der Prostatabiopsie sowie das Alter und mögliche Begleiterkrankungen des Betroffenen. Am besten, Sie lassen sich von Ihrem Arzt beraten. Sobald alle nötigen Untersuchungen abgeschlossen sind, kann er Ihnen sagen, welche Möglichkeiten es in Ihrem Fall gibt und welche Vor- und Nachteile diese jeweils haben. Erst dann sollten Sie gemeinsam mit ihm über das weitere Vorgehen entscheiden.

Frage: Nach der Operation wegen einer vergrößerten Prostata hat man mir mitgeteilt, dass das abgehobelte Gewebe Krebs enthielt. Ist der jetzt weg oder soll ich erst mal abwarten, was passiert?

Antwort: Bei einer solchen Operation (vermutlich eine TUR-P) bleibt Gewebe zurück, vor allem in der so genannten peripheren Zone, wo Prostatakrebs meistens entsteht (s. Entstehung und Formen des Prostatakarzinoms). Es könnten also noch Reste des Tumors vorhanden sein, die später weiterwachsen. Sie sollten diese Möglichkeit keinesfalls ignorieren, sondern mit Ihrem Arzt das weitere Vorgehen besprechen. Das Abwarten in Form der aktiven Überwachung könnte infrage kommen, wenn in einer Nachuntersuchung mit PSA-Bestimmung und gegebenenfalls Biopsie ein Resttumor nachgewiesen wird.

Frage: Wenn ich mich für eine aktive Überwachung entscheide, muss ich dann jedes Vierteljahr zur Untersuchung?

Antwort: Nein. Der Sinn der Kontrollen ist festzustellen, ob der Tumor fortschreitet oder nicht. Um den richtigen Zeitpunkt zum Eingreifen nicht zu verpassen, werden in den ersten beiden Jahren Abstände von drei Monaten empfohlen, danach von 6 Monaten, sofern der PSA-Wert stabil ist. Sie sollten die Intervalle nicht einfach verlängern, ohne mit Ihrem Arzt Rücksprache zu nehmen.

Frage: Wann wird die aktive Überwachung beendet und was heißt das?

Antwort: Man beendet diese Form des Abwartens, wenn der Patient dies wünscht, oder wenn in einer Nachuntersuchung festgestellt wird, dass das Prostatakarzinom fortschreitet. Normalerweise erfolgt dann eine kurative (auf Heilung zielende) Behandlung, also eine radikale Prostatektomie oder eine Strahlentherapie. Selbstverständlich hat hier der Patient das letzte Wort. Er kann sich auch dafür entscheiden, nichts weiter zu unternehmen oder unter Kontrollen Tumor-bedingte Beschwerden abzuwarten und sich dann palliativ (lindernd) behandeln zu lassen (abwartendes Beobachten).

Frage: Welche Nachteile kann die aktive Überwachung haben?

Antwort: Die Risiken der aktiven Überwachung sind insgesamt gering, sofern die Voraussetzungen für deren Beginn alle erfüllt sind und der Patient sorgfältig kontrolliert wird. Sie ergeben sich einerseits daraus, dass der Patient unter diesem Vorgehen älter wird. So nehmen die mit der verschobenen Behandlung verbundenen Gefahren zu, und es könnte sein, dass eine Behandlung später nicht mehr möglich ist (z.B. wegen einer anderen Erkrankung). Andererseits könnte eine Heilung unwahrscheinlicher werden, wenn man den besten Zeitpunkt zum Eingreifen verpasst (z.B. bei zu langen Kontrollintervallen) oder wenn der Tumor trotz Kontrollen unbemerkt fortschreitet (sehr selten). Schließlich kann das Wissen, einen unbehandelten Krebs in sich zu tragen, eine große Belastung sein.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter aktive Überwachung.

Zuletzt aktualisiert: 07.05.2018