Dauer der Hormontherapie bei Prostatakarzinom

Erfolgt bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs eine Kombination aus Bestrahlung und Hormontherapie, ist es besser, den Androgenentzug über 3 Jahre fortzuführen als nur über 6 Monate, so eine große europäische Studie.

Bei lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom haben Patienten nach externer Strahlentherapie (Bestrahlung von außen) und Langzeit-Androgenentzug (über mindestens 2 Jahre) eine höhere Überlebensrate als nach externer Strahlentherapie und einem bis zum Fortschreiten der Erkrankung aufgeschobenen Androgenentzug. Dies gilt auch für Patienten nach Strahlentherapie plus Androgenentzug über 3 Jahre gegenüber Patienten nach alleiniger Strahlentherapie. Die Absenkung der Androgene durch die Hormontherapie kann jedoch die Lebensqualität vermindern und das Risiko für Komplikationen erhöhen. Dies wäre wohl weniger ausgeprägt bei einer kurzen Behandlung über 6 Monate, von der bekannt ist, dass sie die Sterblichkeit an lokal begrenztem Prostatakrebs senkt.

Die EORTC (European Organization for Research and Treatment of Cancer, Europäische Organisation zur Erforschung und Behandlung von Krebs) hat deshalb in einer Studie untersucht, ob bei Kurzzeit-Androgenentzug die Lebensqualität erhalten bleibt und sich zugleich die Überlebensrate bei Langzeit-Entzug erreichen lässt. Eingeschlossen waren 970 Männer mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (T1c-2b N1-2 M0 oder T2c-4 N0-1 M0, zum TNM-System siehe Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms). Alle hatten eine externe Strahlentherapie und ab dem ersten Tag der Bestrahlung für 6 Monate eine komplette Androgenblockade (Antiandrogen plus LH-RH-Analogon) erhalten. Danach teilte man sie zufällig einer von zwei Gruppen zu: In der einen wurde der Androgenentzug gestoppt (Kurzzeit-Gruppe), in der anderen nur mit dem LH-RH-Analogon über weitere 2,5 Jahre fortgeführt (Langzeit-Gruppe).

Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von 6,4 Jahren waren in der Kurzzeit-Gruppe 132 Patienten verstorben, davon 47 an Prostatakrebs, in der Langzeit-Gruppe insgesamt 98, davon 28 an Prostatakrebs. Daraus ergab sich eine Mortalität (Sterblichkeit) über 5 Jahre bei kurzer Behandlung von 19,0% gesamt und 4,7% an Prostatakrebs sowie bei langer Behandlung von 15,2% gesamt und 3,2% an Prostatakrebs.

Bezüglich der Lebensqualität, die mittels Fragebogen erfasst wurde, zeigte sich in beiden Gruppen in den ersten 6 Monaten ein starker Anstieg von Müdigkeit, Hitzewallungen und sexuellen Problemen. Dies besserte sich in der Kurzzeit-Gruppe danach etwas, so dass sich die Gruppen in puncto Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, sexuellem Interesse und sexueller Aktivität unterschieden. Die Lebensqualität insgesamt war jedoch in beiden Gruppen gleich hoch und verschlechterte sich durch die Therapie nicht.

Fazit der Autoren

Bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs ist die Behandlung mit externer Strahlentherapie plus 6-monatigem Androgenentzug der Behandlung mit externer Strahlentherapie plus 3-jährigem Androgenentzug unterlegen: Die 5-Jahres-Mortalität ist bei kurzer Therapie höher als bei langer (die gesamte um 3,8%, die Prostatakarzinom-spezifische um 1,5%). Vermutlich werden sich die 10-Jahres-Zahlen noch deutlicher unterscheiden, weil der Vorteil der langen Therapie bestehen bleibt, während der der kurzen mit der Zeit zurückgeht. Der Androgenentzug führte zu Müdigkeit, Hitzewallungen und Einschränkungen der Sexualfunktion, die Verlängerung der Therapie hatte aber keine zusätzlichen Auswirkungen. Die Strahlentherapie mit Langzeit-Androgenentzug ist deshalb zu empfehlen bei Männern mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (ab T2c), bei denen keine Umstände gegen diese Therapie sprechen.

Quelle

  • Bolla M, de Reijke TM, Van Tienhoven G, Van den Bergh ACM, Oddens J, Poortmans PMP, Gez E, Kil P, Akdas A, Soete G, Kariakine O, van der Steen-Banasik EM, Musat E, Piérart M, Mauer ME, Collette L, for the EORTC Radiation Oncology Group and Genito-Urinary Tract Cancer Group: Duration of androgen suppression in the treatment of prostate cancer. N Engl J Med 2009; 360: 2516-2527
     

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Zuletzt aktualisiert: 21.05.2019