Hämospermie

Eine Blutbeimengung zum Sperma (Samenflüssigkeit) alarmiert Betroffene wie PartnerInnen. Sie ist meist harmlos, kann aber auch Zeichen einer Erkrankung sein, vor allem bei wiederholtem Auftreten.

Weil die Hämospermie oft unbemerkt bleibt, ist ihre Häufigkeit nicht bekannt. Meist sind Männer im Alter von 30-40 Jahren betroffen. Das Sperma ist rosa bis dunkelrot, bei älterem Blut auch bräunlich oder schwärzlich verfärbt.

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Hämospermie sind Verletzungen von Prostata und Harnröhre durch Eingriffe oder Untersuchungen. Die Prostatabiopsie steht hier an erster Stelle. Nach der Entnahme der Gewebeproben berichten bis zu 80% der Männer über eine Hämospermie, die oft mehrere Wochen anhält. Die zweithäufigste Ursache sind Infektionen. Andere pathologische Veränderungen von Prostata und Samenblasen, hierzu zählt auch das benignes Prostatasyndrom (10%), können ebenfalls Ursache einer Hämospermie sein. In seltenen Fällen sind aber auch bösartige Tumore wie Prostatakarzinom oder Hodentumor Ursache einer Hämospermie. Bei hohem Blutdruck, Gerinnungsstörungen oder Lebererkrankungen kann eine Hämospermie begleitend auftreten, ein direkter Zusammenhang konnte bisher nicht nachgewiesen werden. In den meisten Fällen (ca. 70%) ist die Ursache der Hämospermie nicht zu finden.

Untersuchung

Nach dem Erheben der Anamnese (Vorgeschichte) folgt die körperliche Untersuchung: Blutdruckmessen zum Ausschluss einer Hypertonie (Bluthochdruck), Untersuchung des Penis auf Verletzungen, Abtasten der Nebenhoden und der Samenleiter zwischen Nebenhoden und Leistenring sowie Abtasten von Prostata und Samenblasen bei der digitalen rektalen Untersuchung.

Eine Spermaprobe zeigt, ob noch eine Blutbeimengung vorhanden ist. Der Urin wird mittels Urinkultur und mikroskopischer Untersuchungen auf Zellen (Urinzytologie) beurteilt. Ein Abstrich der Harnröhre gehört ebenfalls zum Untersuchungsprogramm. Blutuntersuchungen können z.B. auf Störungen der Blutgerinnung hinweisen und sollten bei Männern älter als 40 Jahre auch eine Bestimmung des PSA-Wert enthalten.

Eine transrektale Ultraschalluntersuchung der Prostata (TRUS) kann Hinweise auf die Krankheitsursache geben. Bei Fortbestehen oder wiederholtem Auftreten der Hämospermie oder bei gleichzeitiger Hämaturie sind weitere Untersuchungen, wie CT oder MRT sowie Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase) angezeigt.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Hämospermie. Beim Nachweis von Infektionen ist eine möglichst testgerechte (in einer Kultur wird die Empfindlichkeit der Erreger auf bestimmte Antibiotika getestet) antibiotische Therapie angezeigt. Liegen Anomalien, wie Gefäßveränderungen, Zysten oder Polypen vor, kann eine operative Therapie nötig sein. Nach Ausschluss einer sexuell übertragbaren Erkrankung sowie anderen eindeutigen Ursachen, kann unter Umständen eine antibiotische Therapie auch ohne Keimnachweis verordnet werden. Sonstige mögliche Ursachen, wie z.B. Gerinnungsstörungen (auch durch gerinnungshemmende Medikamente verursacht) oder Bluthochdruck sollten zusammen mit den hausärztlichen oder internistischen Kollegen überprüft werden.

  • Michel / Thüroff/ Janetscheck / Wirth: Die Urologie, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-642-39939-8

  • Michael J. Mathers, Stefan Degener, Herbert Sperling, Stephan Roth: Hämospermie – ein Symptom mit vielen Ursachen. Deutsches Ärzteblatt, JG. 114, Heft 11, 17.03.2017

Zuletzt aktualisiert: 22.03.2019