Radikale Prostatektomie

Frage: Warum heißt das „radikal“ bei der Prostatektomie?

Antwort: Weil das wichtigste Ziel ist, den Prostatakrebs vollständig im Gesunden zu entfernen, und die Erhaltung von gesundem Gewebe dahinter zurückstehen muss. Das bedeutet beispielsweise, dass die Prostata immer komplett entfernt wird, egal in welchem Ausmaß sie befallen ist, samt des Teils der Harnröhre, der durch sie hindurchzieht, und samt der Samenblasen. Dieses Vorgehen erhöht die Heilungschancen.

Frage: Bei mir ist der Prostatakrebs schon über die Prostata hinausgewachsen. Kann ich mich trotzdem operieren lassen?

Antwort: Grundsätzlich ja. Die radikale Prostatektomie (RPE) mit einer (möglichst erweiterten) Entfernung der Lymphknoten ist auch beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom eine der Behandlungsmöglichkeiten. Im Vergleich zu einem lokal begrenzten Tumor bestehen dabei aber natürlich ein höheres Komplikationsrisiko (z.B. unvollständige Tumorentfernung, Harninkontinenz, Erektionsstörungen) und eine größere Wahrscheinlichkeit, dass eine weitere Behandlung notwendig wird.

Ob die RPE in Ihrem Fall infrage kommt, welche anderen Möglichkeiten es gibt und welche Vor- und Nachteile diese jeweils haben, darüber sollten Sie sich ausführlich von Ihrem Arzt informieren lassen.

Frage: Offene Operation oder Roboter. Was ist besser?

Antwort: Die Roboter-assistierte radikale Prostatektomie (RA-RPE) ist die neuere Methode, so dass es weniger Langzeitergebnisse gibt. Man geht aber heute davon aus, dass beide Verfahren – in der Hand eines geübten Operateurs – sicher sind und vergleichbare Ergebnisse liefern (z.B. Komplikationsraten, Heilungschancen).

Im Vergleich zur offenen Operation (retropubische radikale Prostatektomie, RRPE, Zugang hinter dem Schambein) gilt die Roboter-Operation als weniger eingreifend (minimal invasiv), so dass die Heilung schneller erfolgt. Beide sind nicht unbedingt für jeden Patienten gleich gut geeignet und haben ihre eigenen Vor- und Nachteile. Dies sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, bevor Sie Ihre Entscheidung treffen.

Frage: Ich habe Prostatakrebs und will mich operieren lassen, aber nur, wenn die Erektionsnerven erhalten bleiben. Geht das?

Antwort: Prostatakrebs wächst bevorzugt entlang von Nerven und Gefäßen, die durch die Prostatakapsel ziehen, aus der Prostata hinaus, das heißt, oft gerade in Richtung der Erektionsnerven. Anhand der Befunde (z.B. der Prostatabiopsie) lässt sich vor der Operation abschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Befall der Gefäß-Nerven-Bündel ist. Davon hängt wiederum das Risiko für eine unvollständige Entfernung des Tumors ab, wenn die Bündel bei der Operation geschont werden. Hierüber sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Normalerweise beurteilt der Arzt erst während der Operation abschließend, ob eine einseitige oder gar beidseitige Nervenschonung möglich ist. Ob Sie ihm hier freie Hand geben oder vorher eine feste Vereinbarung treffen, liegt bei Ihnen. Schlussendlich müssen Sie selbst entscheiden, welches Risiko Sie für eine Nervenschonung eingehen wollen.

Frage: Werden bei der Prostatakrebsoperation immer Lymphknoten entfernt und erhöht das die Heilungschancen?

Antwort: Man verzichtet auf die Entfernung von Lymphknoten nur, wenn das Risiko für einen Krebsbefall sehr gering ist. Die feingewebliche Untersuchung (Histologie) liefert Anhaltspunkte für die Entscheidung über eine weitere (unterstützende) Behandlung. Dass das Entfernen von Lymphknoten eine Heilung wahrscheinlicher macht, ist zwar vorstellbar, aber (noch) nicht bewiesen. Es gibt bislang nur Hinweise darauf, dass sich dadurch das Fortschreiten der Erkrankung verzögert.

Frage: Wie schnell ist man nach der Operation wieder fit?

Antwort: Schwer zu sagen. Das hängt natürlich auch davon ab, wie fit Sie vorher waren. In der Regel können Sie am Tag danach wieder aufstehen und werden frühestens nach einigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen (je nach Operationsart und weiterem Verlauf). Anschließend sollten Sie noch für 4-6 Wochen körperliche Anstrengungen vermeiden. Die radikale Prostatektomie ist eine schwere Operation, so dass die vollständige Heilung durchaus einige Monate dauern kann. Auch das, was Sie selbst dafür tun (z.B. in der Reha) hat darauf einen Einfluss.

Frage: Wenn man die Prostata mit einem Stück Harnröhre herausschneidet, wird dann der Penis nicht entsprechend kürzer?

Antwort: Nach dem Entfernen der Prostata vernäht man den Blasenausgang mit der restlichen Harnröhre. Diese wird dabei jedoch nicht ins Becken hineingezogen, weil sie an ihrem Durchtritt durch den Beckenboden (im äußeren Schließmuskel) festgewachsen ist. Vielmehr tritt die Harnblase einfach etwas tiefer, da sie flexibel aufgehängt ist und von den Baucheingeweiden nach unten gedrückt wird.

Zur Penislänge nach dieser Operation gibt es nur einige kleine Studien mit wenig Patienten. Nach der Neuesten wird die Länge des nicht erigierten, gestreckten Penis vorübergehend im Schnitt um 1cm kürzer, wobei die Ursache unklar war und nach 4 Jahren kein Unterschied mehr bestand.

Noch weniger ist zur Länge des erigierten Penis nach der Operation bekannt. Eine Verkürzung ist schwer vorstellbar, weil bei der Erektion (Gliedversteifung) die Penislänge nicht von der Länge der Harnröhre abhängt, die im Penis verläuft (solange diese nicht extrem verkürzt ist). Ausschlaggebend ist vielmehr die Länge der Schwellkörper. Sie sind fest mit dem Beckenknochen verbunden und würden eine etwas zu kurze Harnröhre im Penis dehnen.

Frage: Ich wurde vor 2 Monaten wegen Prostatakrebs operiert und verliere immer noch gelegentlich Urin, zum Beispiel beim Treppensteigen. Kann das noch besser werden?

Antwort: Ja, Sie sollten noch etwas Geduld haben. Denn die Heilung nach dieser schweren Operation kann mehrere Monate dauern. Die radikale Prostatektomie (RPE) schwächt den inneren Schließmuskel, so dass der äußere im Beckenboden belastet wird. Deshalb kann bei verstärkter Belastung unfreiwillig Urin abgehen (Belastungsinkontinenz, s. auch Harninkontinenz). Dies kommt nach RPE relativ oft vor und bessert sich mit der Zeit, vor allem bei konsequenter Behandlung (z.B. Beckenbodentraining, Medikamente).

Frage: Ich habe gehört, dass es nach der Radikaloperation keinen Samenerguss mehr gibt. Stimmt das?

Antwort: Ja. Bei der radikalen Prostatektomie entfernt man die Prostata und die Samenblasen, wo der allergrößte Teil des Spermas produziert wird. Vom Rest stammt das meiste aus Hoden und Nebenhoden(v.a. Spermien) und wird durch die Samenleiter und die Spritzkanälchen transportiert. Weil Letztere durch die Prostata ziehen und mit ihr entfernt werden, müssen die Samenleiter abgebunden werden, so dass auch dieser Teil des Spermas entfällt. Übrig bleibt nur eine geringe Menge Sekret von Drüsen in der Umgebung der Harnröhre (s. hierzu auch Anatomie). Man spricht in diesem Zusammenhang von trockener Ejakulation(Samenerguss, s. hierzu auch Funktion der Prostata).

Frage: Kann ich nach der Krebsoperation der Prostata noch Sex haben?

Antwort: Ja natürlich, vielleicht wird sich aber etwas daran ändern: Die radikale Prostatektomie (RPE) hat zwar keinen direkten negativen Einfluss auf das Berührungsempfinden der Haut (z.B. am Penis), die Libido („Lust“) oder die Fähigkeit zum Orgasmus. Jedoch können diese danach anders erlebt werden oder aus seelischen Gründen gestört sein (z.B. wegen der Belastungen durch die Operation), zumal der Samenerguss verloren geht (s. vorherige Frage).

Bei der RPE können zudem die für die Erektion (Gliedversteifung) wichtigen Nervenfasern beschädigt werden, oder sie müssen wegen Krebsbefall einseitig oder auch beidseitig mit entfernt werden. Falls die Erektionsfähigkeit zuvor vorhanden war, kann sie dadurch verloren gehen. Erektionsstörungen lassen sich aber behandeln, zum Beispiel mit Medikamenten und Hilfsmitteln (s. hierzu erektile Dysfunktion). Doch selbst wenn dies nicht ausreicht, ist ein erfülltes Sexualleben möglich.

Am besten, Sie sagen Ihrem Arzt, dass das Thema „Sexualität nach der Prostataoperation“ für Sie wichtig ist, und sprechen offen mit ihm darüber, am besten zusammen mit Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner.

Frage: Wann muss nach einer Prostatakrebsoperation nachbestrahlt werden?

Antwort: Eine frühzeitige Bestrahlung von außen (adjuvante perkutane Strahlentherapie) erfolgt in der Regel dann, wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte (sog. positiver Schnittrand) oder wenn andere Risikofaktoren vorliegen (z.B. Befall der Samenblasen). Alternativ kann die Bestrahlung aufgeschoben werden, bis der PSA-Wert ansteigt (Salvage-Radiotherapie).

Frage: Bei mir ist das PSA nach der Operation auf Null abgefallen und dann wieder angestiegen. Was ist jetzt zu tun?

Antwort: Falls der Anstieg des PSA durch mindestens zwei Messungen bestätigt ist, spricht man von einem biochemischen Rezidiv (Laborzeichen für ein Wiederauftreten der Erkrankung). Mögliche Ursachen sind ein Tumorrezidiv (Wiederauftreten des Tumors am ursprünglichen Ort, „Lokalrezidiv“, s. Rezidiv) und das Wachstum von Metastasen (Tochtergeschwülsten) in Lymphknoten oder an anderen Stellen des Körpers („systemisches Rezidiv“). Je nach Befund kommen infrage: Aktive Überwachung, Bestrahlung von außen (Salvage-Radiotherapie), abwartendes Beobachten und Hormontherapie.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter radikale Prostatektomie

Zuletzt aktualisiert: 07.05.2018