Leitlinie Prostatakrebs aktualisiert

Pünktlich zum deutschen Urologenkongress 2014 wurden zahlreiche Empfehlungen überarbeitet, so zur Früherkennung, zur aktiven Überwachung und zur medikamentösen Behandlung von kastrationsresistenten Tumoren.

Weil sich die Medizin ständig weiter entwickelt, muss auch die Prostatakrebs-Leitlinie regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden. Dies erfolgte nach 2011 in diesem Jahr zum zweiten Mal. Verfasst von mehr als 60 Autoren ist sie in der Langfassung jetzt 352 Seiten stark. Die wichtigsten Neuerungen wurden auf dem DGU-Kongress in einem Öffentlichkeitsforum vorgestellt:

Bei der Früherkennung von Prostatakrebs unter Verwendung des PSA-Tests gab es gleich zwei wichtige Änderungen: Zum einen wird deren Beginn nicht wie bisher ab dem 40. Lebensjahr empfohlen, sondern erst ab 45 Jahren; nur bei einem erhöhtem Risiko 5 Jahre früher. Zum anderen wurde die rektale Untersuchung (s. DRU) von einer Standardmaßnahme zu einer Option herabgestuft, weil ihr Nutzen unsicher ist. Weiterhin sind die Intervalle für die Früherkennungsuntersuchung jetzt genauer festgelegt: Bei einem PSA-Wert von unter 1ng/ml alle 4 Jahre, von 1-2ng/ml alle 2 Jahre und von über 2ng/ml jährlich.

Bezüglich der aktiven Überwachung (s. im Lexikon) sind ebenfalls zwei Änderungen zu verzeichnen: Ein solches Abwarten kann jetzt auch in den Stadien cT1a und cT1b erfolgen (Krebs zufällig in entferntem Gewebe gefunden; zum TNM-System s. Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms). Außerdem ist die aktive Überwachung bei einem Gleason-Score von 7a (3+4) möglich, allerdings nur im Rahmen von Studien.

Beim so genannten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC), also einem Tumor, der sich trotz Hormontherapie weiterentwickelt, waren einige Fortschritte bei der medikamentösen Behandlung Anlass zu Änderungen. Sie betreffen den Einsatz der Wirkstoffe Abirateron, Sipuleucel-T, Radium-223 und Enzalutamid.

Neben den genannten Neuerungen wurden eine Fülle weiterer Empfehlungen geändert oder präzisiert, zum Beispiel zur Prostatabiopsie (Probeentnahme), zur Untersuchung von entferntem Prostatagewebe und zum Einsatz von bildgebenden Untersuchungen (PET/CT).

Herausgeber der Leitlinie ist das Leitlinienprogramm Onkologie, in dem die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF)., die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und die Deutsche Krebshilfe e.V. (DKH) zusammenwirken. Ziel des Programms ist, die Erstellung und Verwendung wissenschaftlich begründeter Leitlinien in der Onkologie zu fördern. Diese beruhen auf den AWMF-Regeln zur Erstellung von Leitlinien, der medizinischen Literatur und dem Konsens zwischen Experten, Anwendern und Patienten.

Die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ wurde von der Deutschen Krebshilfe gefördert und entstand 2009 unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) sowie unter Beteiligung zahlreicher weiterer Organisationen, vor allem auch aus anderen Fachgebieten und aus der Selbsthilfe. Wegen der großen Beweiskraft (Evidenz) der verwendeten Literatur sowie des in jedem Punkt angestrebten Konsens aller Beteiligten hat sie die höchste Entwicklungsstufe (S3).

Nachdem in dieser Aktualisierung nur die Punkte berücksichtigt wurden, bei denen es Änderungsbedarf gab, soll die Leitlinie demnächst komplett auf den Prüfstand: Für 2015 wurde eine vollständige Überarbeitung angekündigt, für die aus Qualitätsgründen alle Empfehlungen erneut unter den Beteiligten abgestimmt werden.

Quellen (u.a.)

  • Wirth, M.: Die neu aktualisierte S3-Leitlinie Prostatakarzinom - Was muss ich wissen? 66. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Düsseldorf 1.-4.10.14, PCA Öffentlichkeitsforum „Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms“ F07 am 2.10.14, Vortrag
  • Wirth, M., M. Fröhner: Die neu aktualisierte S3-Leitlinie Prostatakarzinom – Was muss ich wissen? Thieme, Stuttgart, Current congress, 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., Düsseldorf 1.-4.10.14, S. 36
  • Schmitz, M.: Großer Aufwand, der sich lohnt. Interview mit Manfred Wirth zur aktualisierten S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom. Biermann, Köln, Urologische Nachrichten 09/2014, S. 18-19
  • DGU: Interdisziplinäre S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom frisch aktualisiert. Presseinformation, Düsseldorf, 20.10.14. Verfügbar auf dem Urologenportal im Pressebereich
  • Leitlinienprogramm Onkologie (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Langversion 3.0, September 2014. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF


Weitere Informationen

  • Zu Prostatakrebs allgemein in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt Prostatakarzinom sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre Prostatakrebs – Ein Ratgeber und Therapiebegleiter für Betroffene
  • Zum PSA in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Untersuchungen“ unter PSA-Bestimmung sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre PSA-Test
  • Zur Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Früherkennung
  • Zum Abwarten bei Prostatakrebs unter engmaschigen Kontrollen in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Aktive Überwachung
  • Zum Vorgehen bei Hormon-unabhängigem Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Hormontherapie