Prostatakarzinom – überarbeitete S3-Leitlinie zu Diagnose und Therapie

Seit Dezember 2016 ist die aktualisierte Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ veröffentlicht.

Prostatakrebs – aktualisierte Leitlinie veröffentlicht

Bei einer S3-Leitlinie handelt es sich um eine medizinische Richtlinie mit dem höchsten sogenannten Evidenzgrad. Das heißt, sie wurde anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse – basierend auf relevanten und zuverlässigen Studien – erstellt. Zudem wird eine solche Leitlinie regelmäßig überprüft und gegebenenfalls ergänzt.

Die überarbeitete Version der Prostatakrebs-Leitlinie, die unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) entstand, beinhaltet unter anderem Neuerungen in der primären Diagnostik und der von wiederkehrenden Erkrankungen (Rezidiven). Dazu kommen aktuelle Erkenntnisse in der Strahlentherapie und der medikamentösen Behandlung des Prostatakarzinoms.

MRT-Fusionsbiopsie

Das Standardverfahren zur Primärdiagnose eines Prostatakarzinoms ist die systematische Biopsie, bei der 10-12 Stanzen aus der Prostata entnommen und auf vorhandene Krebszellen untersucht werden. Die überarbeitete Leitlinie berücksichtigt die Möglichkeit der sogenannten MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie. Dabei zeigt ein MRT (Magnetresonanztomographie)-Bild auffällige Areale, so dass der Arzt gezielt während einer Ultraschall-gestützten Biopsie Gewebeproben aus diesen Arealen entnehmen kann. Ebenso kommt eine MRT-Fusionsbiopsie in Frage, wenn eine systematische Biopsie keine Krebszellen aufwies, der PSA-Wert aber unverändert hoch bleibt oder sogar ansteigt. In jedem Fall gelten für die MRT festgelegte Qualitätsstandards, die eingehalten werden müssen, um aussagekräftige Befunde zu liefern

PSMA-PET

Mit der Positronenemissionstomographie (PET) können gezielt Prostatakrebszellen nach einem Rückfall aufgespürt werden. Dabei wird ein radioaktiver Marker verwendet, der sich an die Krebszellen setzt – das prostataspezifische Membranantigen PSMA. Da die Rolle dieser sogenannten PET-Hybrid-Bildgebung bei der Tumorbeurteilung noch unklar ist, sollte sie innerhalb kontrollierter klinischer Studien erfolgen. Nach einer vorangegangenen Therapie kann eine PSMA-PET bei der Diagnostik eines Rezidivs auch zur Einschätzung der Tumorausdehnung erfolgen, falls sich aus dem Befund eine therapeutische Konsequenz ergibt. Das heißt, wenn diese Diagnose dabei hilft, das weitere Vorgehen bzgl. einer möglichen Behandlung festzulegen.

Radiotherapie

Bezüglich der Strahlentherapie werden derzeit zunehmend sogenannte hypofraktionierte Behandlungskonzepte diskutiert. Dabei wird die erforderliche Strahlendosis in kürzerer Zeit als bei der herkömmlichen Bestrahlung verabreicht. Es gilt jedoch zu beachten, dass der Stellenwert der moderat hypofraktionierten Strahlentherapie trotz zahlreicher angeschlossener Phase-III-Studien nicht abschließend geklärt ist. Der Leitlinie zufolge liegen insgesamt noch keine ausreichend langen Nachbeobachtungen vor. Dennoch kann die moderate hypofraktionierte Radiotherapie unter bestimmten Bedingungen erwogen werden. So sollte der Patient über das erhöhte Risiko urogenitaler Spätfolgen, wie Inkontinenz, informiert werden.

Alle weiteren Varianten der hypofraktionierten Radiotherapie, wie postoperativ oder in extremer Form, sollen nur innerhalb kontrollierter klinischer Studien durchgeführt werden. Beim lokal fortgeschrittenen Karzinom soll sie nicht zum Einsatz kommen.

Hormon-Chemotherapie

Auch in die neue Leitlinie aufgenommen wurde die Empfehlung, bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom, die einen guten Allgemeinzustand haben, eine kombinierte Hormon-Chemotherapie mit Docetaxel durchzuführen. Patienten, die für eine Kombinationsbehandlung nicht infrage kommen, soll eine alleinige Androgendeprivationstherapie (ADT) empfohlen werden.

Die aktuelle S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom kann abgerufen werden unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de/prostatakarzinom.58.0.html.

 


Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
  • Berufsverband der Deutschen Urologen e. V.
  • Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

Autorin: Anne Göttenauer, 24.04.2017