Vorbeugung gegen Prostatakrebs

Studien lieferten bisher kaum Anhaltspunkte für die Prävention des Prostatakarzinoms. Als Empfehlung bleibt die Vorbeugung gegen Krebs allgemein mit einer gesunden Lebensführung und einer ausgewogenen, am besten mediterranen und asiatischen Kost.

Zum Schutz vor Prostatakrebs gibt es mehrere Ansätze: Das Vermeiden von Risikofaktoren, die Änderung des Lebensstils, einschließlich der Ernährung, die zusätzliche Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln (Supplemente) und die vorsorgliche Einnahme von Medikamenten.

Als Hauptrisikofaktoren für Prostatakrebs gelten das Alter und eine erbliche Vorbelastung (s. Ursachen des Prostatakarzinoms). Sie lassen sich nicht beeinflussen, ganz im Gegensatz zu anderen Faktoren wie Umwelteinflüsse, Lebensstil und Ernährung. Diese scheinen zwar nicht viel mit dem Entstehen von Prostatakrebs zu tun zu haben, können aber seine Weiterentwicklung befördern von einem latenten (verborgenen) Tumor, der keinen Einfluss auf die Lebenserwartung hat, zu einem manifesten, also klinisch zutage getretenen Tumor (s. hierzu auch Entstehung und Formen des Prostatakarzinoms).

In unzähligen Untersuchungen wurden einzelne Nährstoffe, Arzneimittel, Bestandteile des Lebensstils und Umweltfaktoren daraufhin geprüft, ob sie zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs geeignet sind oder das Risiko sogar erhöhen. Bei den Nährstoffen erfolgte die Zufuhr zum Teil in Form von Lebensmitteln und zum Teil durch Präparate zur Nahrungsergänzung, die wie Arzneimittel generell eine Gefahr der Überdosierung und damit von Vergiftungen beinhalten.

Die manchmal recht widersprüchlichen Ergebnisse sind im Folgenden kurz zusammengefasst. Man sollte dabei im Auge behalten, dass sich das individuelle Risiko eines Mannes für Prostatakrebs nicht genau bestimmen lässt. Außerdem könnte eine bestimmte Maßnahme zwar zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs sinnvoll sein, jedoch das Risiko für andere bösartige Tumoren oder andere schwere Erkrankungen erhöhen (z.B. des Herz-Kreislauf-Systems). Dies wiegt umso schwerer, als es sich ja um gesunde Männer handelt, die diese Maßnahmen ergreifen, um ihre Gesundheit auf Dauer zu erhalten.

Selen: Innereien, Pilze, Nüsse und Weizen

Das Spurenelement Selen (Se) schützt in Kombination mit bestimmten Enzymen wichtige Verbindungen im Körper vor der Oxidation durch freie Sauerstoffradikale, also vor der Schädigung durch gefährliche Sauerstoffverbindungen. Die besten Quellen sind Innereien (Niere), Pilze, Nüsse (v.a. Paranüsse), Weizen (Vollkorn, Kleie, Keime), Fisch und Fleisch.

Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass sowohl Selen-haltige Lebensmittel als auch die Einnahme von Selen das Prostatakrebsrisiko wahrscheinlich senken. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass es mit steigendem Selenspiegel in Blut und Gewebe zunächst sinkt und dann wieder ansteigt. Laut der oft zitierten SELECT-Studie (s. auch unten bei Vitamin E) steigt es bei einer zusätzlichen Einnahme geringfügig an, ebenso wie die Gefahr eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), was ein Grund für den Abbruch dieser Untersuchung war. Insgesamt liefern die Studien bisher keine Rechtfertigung für eine Empfehlung zur Einnahme von Selen zur Vorbeugung gegen Krebs.

Vitamin D: Lebertran und Fisch

Vitamin D ist für den Stoffwechsel von Kalzium und damit der Knochen unverzichtbar. Den größten Teil des Bedarfs kann der Mensch in der Haut unter dem Einfluss von UV-Licht selbst herstellen. Ein Teil muss mit der Nahrung zugeführt werden, vor allem im Winter: Den höchsten Gehalt haben Lebertran und fettreicher Fisch (Aal, Hering, Sardinen), gute Quellen sind Pilze, Milch und Milchprodukte, während sich in Pflanzen nur Spuren finden.

Es gibt Hinweise darauf, dass das Risiko für Prostatakrebs mit steigendem Vitamin-D-Blutspiegel sinkt. Eine künstliche Zufuhr scheint jedoch keinen Effekt zu haben (mehr zu Vitamin D siehe auch unten bei Milch und bei UV-Strahlung).

Vitamin E: Pflanzenöle, Nüsse und Leinsamen

Auch Vitamin E schützt Zellen vor oxidativer Schädigung und zählt deshalb zu den Antioxidanzien. Es kommt vor allem in Pflanzenölen (Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl), Leinsamen, Nüssen und Margarine vor, kaum jedoch in Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch und Fisch.

Jahrelang galt, dass die zusätzliche Einnahme von Alpha-Tocopherol (Vitamin E) vor Prostatakrebs schützt, zumindest bei Rauchern. Später stellte sich dieses Ergebnis der ATBC-Studie als falsch heraus, und nach der SELECT-Studie ist sogar das Gegenteil der Fall: Bei gleichzeitiger Gabe von Selen (s.o.) steigt das Risiko etwas an, ohne Selen jedoch deutlich, so dass diese Studie abgebrochen wurde. Die Einnahme von Vitamin E beugt wohl auch nicht gegen andere Krebsformen vor und kann das Risiko für Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Schlaganfall erhöhen.

Vitamin C: Acerola und Hagebutten

Ascorbinsäure (Vitamin C) kann sehr leicht oxidiert werden, weshalb es oft Lebensmitteln als Antioxidans zugesetzt wird. Es wirkt an vielen Stoffwechselvorgängen mit, auch als Radikalfänger. Mit Abstand am meisten Vitamin C enthalten frische Acerola-Kirschen und Hagebutten. Danach folgen frisches Gemüse und Obst wie Sanddorn (Saft), schwarze Johannisbeeren, Petersilie, Paprika und Broccoli, während Zitrusfrüchte erst im unteren Mittelfeld liegen.

Entgegen früherer Annahmen schützt Vitamin C vermutlich weder vor Prostatakrebs, noch vor anderen Krebsformen. Es sind aber auch keine Gefahren durch Überdosierung bekannt.

Betakarotin: Minze und Karotten

Im Körper wird das zu den Carotinoiden zählende Betakarotin zum Teil zu Vitamin A gespalten, weshalb man es auch Provitamin A nennt. Daneben ist es ein starkes Antioxidans und hat weitere wichtige Wirkungen. Es färbt Obst, Gemüse und Getreide gelb bis orange und dient als Farbstoff für Lebensmittel. Sein Gehalt ist besonders hoch in Minze, Petersilie, Karotten, Spinat, Grünkohl, Broccoli und Aprikosen.

Obwohl Betakarotin vermutlich keinen Effekt bei Prostatakrebs hat, wird zum Schutz vor anderen Krebsformen eine Zufuhr von bis zu 6mg pro Tag mit der Nahrung empfohlen (z.B. etwa 100g Karotten oder Spinat). Die zusätzliche Einnahme vor allem höherer Dosen könnte hingegen das Krebsrisiko vergrößern. Diese schützte auch in der ATBC-Studie Raucher nicht vor Tumoren, sondern erhöhte ihr Risiko für Lungenkrebs und ihre Sterblichkeit.

Lycopin: Tomaten und Tomatenprodukte

Lycopin ist wie Betakarotin (s.o.) ein Carotinoid und ein Antioxidans. Es kommt vor allen in Tomaten und Hagebutten vor, denen es die rote Farbe gibt, und dient als Lebensmittelfarbstoff. Der Gehalt ist besonders hoch in Tomatenprodukten (Saft, Soße, Suppe, Mark, Extrakt, Ketchup).

Nach der Mehrzahl der Studien schützt wahrscheinlich die Zufuhr von Tomaten und Tomatenprodukten vor Prostatakrebs, zumindest vor Tumoren mit niedrigem Malignitätsgrad (low-grade PC, s. Klassifikation des Prostatakarzinoms). Die isolierte Einnahme von Lycopin hat dagegen wohl keine vorbeugende Wirkung gegen das Prostatakarzinom.

Polyphenole: Grüner Tee, Soja, Leinsamen und Rotwein

Polyphenole gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen (ohne besonderen Nährwert) und kommen beispielsweise in Granatapfel und grünem Tee vor. Zu den Polyphenolen zählen verschiedene Gruppen von Stoffen wie Phenolsäuren (z.B. Kaffeesäure), Phytoöstrogene und Flavonoide:

Der Name Phytoöstrogen bedeutet pflanzliches Östrogen (weibliches Geschlechtshormon) und rührt von dem schwachen Östrogen-artigen Effekt dieser Stoffe. Sie wirken zudem antioxidativ und umfassen Isoflavoniode und Lignane. Isoflavonoide (z.B. Genistein) kommen nur in wenigen Pflanzenarten vor, besonders reichlich in Sojabohnen. Lignane sind dagegen weit verbreitet, weil aus ihnen Lignin entsteht, ein Bestandteil pflanzlicher Zellwände; ihr Gehalt ist besonders hoch in Leinsamen und Vollkorngetreide. Flavonoide (z.B. Quercetin, Anthocyane) sind ebenfalls oft zu finden, vor allem in Zwiebeln, Grünkohl, Sellerie, dunklen Beeren (inkl. Rotwein) und Schwarztee, die sie gelb, rot oder violett färben.

Die hohe Zufuhr von Polyphenolen mit asiatischer Kost (v.a. durch Soja) wurde oft mit der niedrigen Erkrankungsrate von Asiaten an Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Dass Polyphenole vor Prostatakrebs schützen, ist bislang nicht nachgewiesen. Es ließen sich aber zahlreiche Wirkungen auf den Hormonstoffwechsel und andere Prozesse zeigen, die für die Entstehung und das Wachstum bösartiger Tumoren wichtig sind. Darunter befindet sich eine Hemmung des Enzyms 5-alpha-Reduktase. Dies hat zur Untersuchung von Medikamenten mit entsprechender Wirkung geführt (s.u.). Allerdings gibt es auch Hinweise, dass Soja und Sojaprodukte die Zahl der Spermien senken können.

Fleisch: Rotes oder weißes?

Fleisch liefert dem Körper wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamin B12 und Eisen. In den USA und Europa wird deutlich mehr Fleisch verzehrt als in Asien, wobei eine übermäßige Zufuhr schon wegen des Gehalts an Fett, vor allem gesättigten Fettsäuren als ungesund gilt (s. nächster Abschnitt).

Nach neueren Untersuchungen erhöhen rotes Fleisch (z.B. von Rind, Schwein, Lamm, Wild) und verarbeitetes Fleisch (meist rotes; geräuchert, gepökelt, gesalzen oder anderweitig konserviert; z.B. Wurst) das Risiko für zahlreiche bösartige Tumoren, insbesondere für Darmkrebs, aber auch für Prostatakrebs. Deshalb gibt es dazu auch Empfehlungen (s.u.). Weißes Fleisch (Geflügel, inkl. Truthahn) scheint diese Nachteile nicht zu haben. Welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind, ist noch unbekannt. Im Verdacht stehen Konservierungsmittel (z.B. Nitrat, Nitrit) und Substanzen, die beim starken Erhitzen (z.B. scharf Anbraten) entstehen.

Fette: Tierische Fette und Omega-3-Fettsäuren

Tierische Fette enthalten hauptsächlich gesättigte Fettsäuren, pflanzliche dagegen ungesättigte. Im Gegensatz zu mehrfach ungesättigten kann der Körper einfach ungesättigte Fettsäuren (z.B. Ölsäure) zum Teil selbst bilden. Sie finden sich vor allem in Olivenöl, aber auch in Erdnuss-, Raps- und Distelöl. Mehrfach ungesättigt sind zum Beispiel Linolsäure (v.a. in Getreidekeim-, Distel-, Raps- und Sojaöl), Linolensäure (eine sog. Omega-3-Fettsäure, v.a. in Portulak und anderem grünem Blattgemüse wie Spinat, in Linsen und Walnüssen) und andere Omega-3-Fettsäuren (v.a. in fettem Fisch und Fischöl).

Die Effekte dieser Fettsäuren sind komplex. So wirken Omega-3-Fettsäuren beispielsweise antientzündlich. Insgesamt sollen ungesättigte Fettsäuren gesünder sein als gesättigte. Der Zusammenhang zwischen Fettverzehr und dem Prostatakrebsrisiko ist umstritten. Möglicherweise senken mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Gefahr, wobei Linolensäure sie auch erhöhen könnte. Asiatische Kost enthält jedenfalls wesentlich weniger tierische Fette und insgesamt weniger Fett als europäisches und nordamerikanisches Essen. Tierische Fette könnten zudem das Risiko für andere bösartige Tumoren erhöhen (z.B. für Darmkrebs). Da Fett eine besonders hohe Energiedichte hat (viele Kalorien), beeinflusst der Verzehr das Körpergewicht stark (s.u.).

Milch und Milchprodukte: Kalzium für die Knochen

Bekanntlich sind Milch und Milchprodukte unsere wichtigsten Lieferanten von Kalzium und enthalten weitere gesunde Nährstoffe (z.B. Vitamin B12). Doch mit ihrem Verzehr scheint auch das Risiko für Prostatakrebs zu steigen.

Noch ist unklar, auf welche Inhaltsstoffe dieser Effekt zurückzuführen ist. Vieles spricht gerade für Kalzium. Es ist wichtig für die Funktion von Knochen und Muskeln und gilt deshalb als gesund. Eine hohe Zufuhr vermindert allerdings die Aktivierung von Vitamin D (s.o.), das den Knochenstoffwechsel beeinflusst. Und bei einer kalziumreichen Kost, wie sie in den westlichen Industrieländern vorkommt, steigt das Risiko für Prostatakrebs nach den meisten Studien mit der Zufuhr deutlich an.

UV-Strahlung: Sonne, Schwarzlicht und Solarium

Sonnenlicht fördert das Wohlbefinden, und die darin enthaltene Ultraviolettstrahlung die Bildung von Vitamin D in der Haut (s.o.). Vielleicht ist Letzteres der Grund dafür, dass das Prostatakarzinom in Nordeuropa häufiger vorkommt als im sonnigeren Südeuropa (s. auch Häufigkeit des Prostatakarzinoms). Somit würde UV-Licht, das auch als Schwarzlicht und in Solarien verwendet wird, vor Prostatakrebs schützen. Allerdings steigert es auch die Gefahr von Hautkrebs, weshalb man sich nur bedingt dieser Strahlung aussetzen sollte.

Bewegung: Sport statt Sitzen

Die heutzutage überwiegend sitzende Lebensweise von Bewohnern der Industrieländer soll zahlreiche Zivilisationskrankheiten befördern wie Adipositas (deutliches Übergewicht, s. auch nächster Abschnitt), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Hypertonus (Bluthochdruck), koronare Herzerkrankung (Herzkranzgefäßverengung) und Osteoporose (Knochenabbau).

Viele Studien sprechen dafür, dass Bewegung und Sport das Risiko nicht nur für diese Krankheiten verringert, sondern auch für verschiedene Krebsformen (z.B. Darmkrebs). Dies ist der Grund, körperliche Aktivität in die Empfehlungen aufzunehmen (s.u.). Studien zum Prostatakarzinom ergaben entweder keinen Einfluss oder eine Verminderung der Gefahr für aggressive oder fortgeschrittene Formen.

Körpergewicht: BMI und ungesundes Bauchfett

Das Körpergewicht hängt vor allem von der Energiezufuhr und damit insbesondere vom Fettverzehr ab. Übergewicht drückt sich in einem erhöhten BMI aus (Body-Mass-Index, erhöht ab 25kg/qm, mehr dazu im Lexikon unter Übergewicht). Es gilt als Risikofaktor unter anderem für Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsformen (z.B. Darmkrebs), besonders wenn sich größere Fettansammlungen im oder am Bauch befinden. Deshalb ist eine Reduktion des Übergewichts auch Bestandteil der Empfehlungen (s.u.).

Zu Prostatakrebs liefern Studien uneinheitliche Ergebnisse. Einiges spricht dafür, dass das Risiko mit dem BMI steigt, zumindest für aggressive und fortgeschrittene Formen. Erklärbar wäre dies damit, dass Fettgewebe den Hormonstoffwechsel beeinflusst. Der Grund könnte aber auch sein, dass die Tumoren erst später festgestellt werden. Denn bei Übergewicht sind der PSA-Wert niedriger und die Prostata größer als bei Normalgewicht, so dass eine Prostatabiopsie später, erst bei steigendem PSA-Wert erfolgt und den Krebsherd eher verfehlt (s. auch im Magazin: Übergewicht kann die Diagnose von Prostatakrebs verzögern).

Alkohol: Höchstens in Maßen

Alkohol scheint das Risiko für Prostatakrebs nicht zu beeinflussen, wohl aber das für andere Krebsformen (z.B. Darmkrebs). Er hat eine hohe Energiedichte (viele Kalorien) und kann deshalb das Körpergewicht (s.o.) steigen lassen. Ein übermäßiger Konsum kann zudem weitere ernste Folgen haben, unter anderem für die Leber. Deshalb gibt es zur Zufuhr auch Empfehlungen (s.u.). Dass ein geringer Alkoholgenuss zum Beispiel vor Herzerkrankungen schützt, ist heute umstritten. Umgekehrt ließ sich aber auch nicht beweisen, dass er schadet.

Rauchen: Ohnehin ungesund

Zur Rolle des Rauchens finden sich widersprüchliche Ergebnisse. Nach der ATBC-Studie erhöht es das Risiko für Prostatakrebs etwas, nach einer anderen Studie steigert es die Gefahr für einen fortgeschrittenen Tumor. Als sicher gilt, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht und beispielsweise zu Blasenkrebs, Nierenkrebs und einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) führen kann. Also werden Sie Nichtraucher!

Sexualleben

Das Sexualleben hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Risiko für Prostatakrebs. Nach einer neuen (wenig aussagekräftigen) Untersuchung könnte eine häufige Masturbation in jungen Jahren (20-39) das Risiko erhöhen, in den Fünfzigern jedoch verringern.

Multivitaminpräparate und andere Kombinationen

Solche Präparate, die rechtlich gesehen Lebensmittel sind, enthalten Nährstoffe und andere Substanzen in hoher Konzentration. Vor einer unkritischen Einnahme ist dringend zu warnen. Denn es besteht die Gefahr schwerer gesundheitlicher Folgen, beispielsweise durch Überdosierung, durch Wechselwirkungen mit Medikamenten oder bei Vorliegen bestimmter individueller Faktoren (z.B. Lungenkrebsrisiko durch Betakarotin bei Rauchern, s.o.).

Zudem ist folgendes zu bedenken: Auch wenn einer der Inhaltsstoffe möglicherweise vor Prostatakrebs schützt, könnte ein anderer das Risiko erhöhen, auch für eine andere Krankheit. Darüber hinaus ist das Zusammenwirken mehrerer Stoffe nach derzeitigem Kenntnisstand nicht sicher vorherzusagen. Keinesfalls, so auch die Behörden in den USA, sollten mehrere Präparate gleichzeitig eingenommen werden. Bitte informieren Sie sich vor der Einnahme genau und lassen Sie sich beraten, am besten von Ihrem Arzt.

5-alpha-Reduktase-Hemmer und andere Medikamente

5-alpha-Reduktase-Hemmer (5ARI) hemmen das Enzym 5-alpha-Reduktase, welches Testosteron in seine wirksamste Form umwandelt, das Dihydrotestosteron (DHT), auch in der Prostata. Einen solchen Effekt haben die beiden Wirkstoffe Finasterid und Dutasterid sowie Extrakte aus Früchten der Sägepalme (saw palmetto, Serenoa repens, Sabal serrulata), die alle gegen die gutartige Prostatavergrößerung eingesetzt werden (s. Medikamente zur BPS-Behandlung). Auch Phytoöstrogene (s.o.) hemmen dieses Enzym.

Weil bei Asiaten die 5-alpha-Reduktase-Aktivität in der Prostata besonders niedrig ist und sie nur selten an Prostatakrebs erkranken (s. auch Häufigkeit des Prostatakarzinoms), wurden Studien mit den Hemmstoffen durchgeführt. Danach vermindert eine Einnahme von 5ARI die Häufigkeit für den Nachweis von Prostatakarzinomen und deren Vorstufe (HG-PIN). Es gibt jedoch keine Daten zur Auswirkung auf die Sterblichkeit. 5ARI senken zudem den PSA-Wert, was die Diagnose verzögern und so diese Ergebnisse (teilweise) erklären könnte. Bei einer vorbeugenden Gabe ist zwischen dem erwarteten Nutzen und einem möglichem Schaden sorgfältig abzuwägen. Denn es sind gesunde Männer, die das Medikament einnehmen und deshalb auch mit unerwünschten Wirkungen rechnen müssen. In Deutschland sind 5ARI zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs nicht zugelassen.

Derzeit werden zahlreiche weitere Wirkstoffe auf ihre vorbeugenden Effekte geprüft, zum Beispiel NSAR (nicht steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure), Rezeptormodulatoren (SERM) und Statine (s. auch im Magazin: Statine und die Vorbeugung gegen Prostatakrebs). Eine genaue Bewertung ist jedoch noch nicht möglich.

Empfehlungen zur Vorbeugung gegen Krebs

Nach der deutschen Prostatakrebs-Leitlinie sollen Männer über eine gesunde Lebensweise beraten werden, einschließlich der Ernährung, der körperlichen Bewegung und ihrer psychosozialen (seelischen und gesellschaftlichen) Situation. Zur Vorbeugung gegen Krebs und andere Erkrankungen empfehlen die Autoren in Anlehnung an die Leitlinie der amerikanischen Krebsgesellschaft (ACS):

  • Streben Sie ein gesundes Gewicht an: Gleichgewicht herstellen zwischen Energiezufuhr und körperlicher Aktivität, Übergewicht reduzieren durch Vermeiden von Zucker (z.B. Kuchen, Eis, gesüßte Getränke), gesättigten Fetten und Alkohol
  • Seien Sie körperlich aktiv: Mindestens 30, besser 45-60 Minuten mäßige bis starke Anstrengung (z.B. durch schnelles Gehen bzw. Joggen) neben den Alltagsaktivitäten an mindestens fünf Tagen in der Woche
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit Schwerpunkt auf pflanzlichen Produkten: Täglich verschiedenes Obst und Gemüse, eher Vollkorn als Weißmehl, wenig Fleischprodukte und rotes Fleisch
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum: Täglich nicht mehr als zwei alkoholische Getränke (24g Alkohol; 1 Getränk = 0,33l 5%-iges Bier oder 0,14l 12%-iger Wein)
     

Die Empfehlungen im Wold Cancer Report decken sich damit weitgehend, umfassen jedoch noch einige weitere Punkte:

  • Halten Sie sich so schlank wie möglich im Rahmen des normalen Körpergewichts
  • Seien Sie körperlich aktiv in Ihrem täglichen Leben
  • Begrenzen Sie die Zufuhr von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte, vermeiden Sie gezuckerte Getränke
  • Essen Sie hauptsächlich pflanzliche Kost
  • Begrenzen Sie die Zufuhr von rotem Fleisch, vermeiden Sie verarbeitetes Fleisch
  • Begrenzen Sie Ihren Alkoholkonsum
  • Begrenzen Sie die Zufuhr von Salz, vermeiden Sie schimmeliges Getreide und schimmelige Hülsenfrüchte
  • Versuchen Sie, nötige Nährstoffe nur durch Ihre Ernährung zu erhalten (nicht durch Nahrungsergänzungsmittel)
  • Beachten Sie diese Empfehlungen auch nach einer Krebserkrankung
     

Unser Fazit: Gesunde Lebensführung mit mediterraner und asiatischer Kost

Zusammengefasst scheint kein Einzelstoff in der Lage, gegen Prostatakrebs wirksam vorzubeugen, wenn er künstlich zugeführt wird. Dagegen zeigen Selen, Vitamin D, Lycopin, Phytoöstrogene und mehrfach ungesättigte Fettsäuren in natürlichen Lebensmitteln durchaus positive Effekte. Vielleicht wirken diese Stoffe nur zusammen mit anderen Inhaltsstoffen, vielleicht sind aber auch andere, noch unbekannte Substanzen in diesen Lebensmitteln für die Wirkung verantwortlich.

Zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs und auch andere Krankheiten empfiehlt sich eine gesunde Lebensführung mit viel Bewegung und dem Vermeiden von Übergewicht, Rauchen, zu viel Alkohol und übermäßiger UV-Bestrahlung. Die Ernährung sollte reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen sein sowie ausgewogen und vollwertig. Das heißt viel frisches Obst und Gemüse, ausreichend Getreide und Fisch, wenig Fleisch und tierische Fette. Am besten eignen sich dafür eine mediterrane und asiatische Kost.

Quellen (u.a.)

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  • Biesalski, H.-K., et al. (Hrsg.): Vitamine. Thieme, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-13-118401-6
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  • Hurst, R., et al.: Selenium and prostate cancer: systematic review and meta-analysis. Am J Clin Nutr 2012; 96: 111–122, DOI 10.3945/ajcn.111.033373
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  • Leitzmann, C., et al.: Ernährung in Prävention und Therapie. Hippokrates, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7773-1141-8
  • Rübben, H. (Hrsg.): Uroonkologie. 4. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-33847-5
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  • World Cancer Research Fund (WCRF), American Institute for Cancer Research (AICR): Food, nutrition, physical activity, and the prevention of cancer: a global perspective. AICR, Washington DC (USA) 2007, ISBN 978-0-9722522-2-5. Englischer Volltext und deutsche Zusammenfassung verfügbar nach kostenloser Registrierung auf der Website des Diet and Cancer Report (im Resource Center als PDF). Weitere Infos (z.B. Empfehlungen für Laien) auch auf der Website des World Cancer Research Fund