Elastographie zur Diagnose des Prostatakarzinoms

Diese spezielle Form des transrektalen Ultraschalls soll die Darstellung von Tumoren und damit ihre Erkennung verbessern. Neues dazu war auch auf dem deutschen Urologenkongress 2008 zu erfahren.

Bei einem verdächtigen Befund bei der Tastuntersuchung der Prostata (digitale rektale Untersuchung, DRU) oder einem erhöhten PSA-Wert wird normalerweise zunächst ein transrektaler Ultraschall (TRUS) durchgeführt. Allerdings sind damit viele Tumoren nicht vom umgebenden, gesunden Gewebe abgrenzbar, und oft verbirgt sich hinter einem auffälligen Bereich kein Tumor (s. auch Transrektaler Ultraschall). Deshalb dient der TRUS heute vor allem zur Steuerung der systematischen Mehrfach-Biopsie, dem Standardverfahren zur Sicherung der Diagnose eines Prostatakarzinoms (s. auch Prostatabiopsie).

Um die Darstellung von Tumoren und damit die Treffsicherheit der Biopsie zu verbessern, sind verschiedene neue Techniken in Erprobung, darunter die Elastographie. Sie beruht darauf, dass sich Tumoren von gesundem Gewebe in ihrer Elastizität (Härte) unterscheiden können (Loch 2006). Die Durchführung ist ähnlich wie beim TRUS. Zusätzlich lässt sich dabei durch kontrollierten Druck auf die Prostata die Elastizitätsverteilung innerhalb des Organs in Echtzeit abbilden, also quasi ein sehr detailliertes Tastbild erzeugen.

Nach ersten Untersuchungen an Patienten sind Lokalisation und Ausdehnung eines Prostatakarzinoms mit der Elastographie besser zu erfassen als mit dem TRUS alleine (Sommerfeld 2003). Laut späterer Studien soll die Sensitivität des Verfahrens 80-100% betragen, was bedeutet, dass 80-100% der vorhandenen Tumoren entdeckt wurden (Salomon 2008/1). Dies deckt sich mit einer Veröffentlichung, derzufolge zwar die Sensitivität bei 98% lag, die Spezifität jedoch nur bei 64% (Zey 2007). Bei gut einem Drittel der Gesunden war der Befund also trotzdem auffällig. Dennoch hielten die Autoren die Elastographie für ein zusätzliches Verfahren bei der Früherkennung, vor allem bei unauffälligem Tastbefund und TRUS sowie einem nicht eindeutig erhöhten PSA-Wert.

Zu einem völlig anderen Ergebnis kam eine neue Studie (Eggert 2008): Bei der Elastographie betrug die Sensitivität nur 45% (beim TRUS 39%), die Spezifität aber 89% (beim TRUS 78%). Sie sei dem TRUS also nicht überlegen und erlaube es nicht, die Zahl der Gewebeproben zu verringern oder gar auf eine Biopsie zu verzichten, so die Autoren. Als begrenzende Faktoren führen sie an, dass die Ergebnisse der Elastographie stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig sind, Tumoren sich in ihrer Elastizität manchmal nur wenig von gesundem Gewebe unterscheiden und es auch gutartige Verhärtungen gibt (z.B. Verkalkung, Entzündung, Narbe). Allerdings seien die Geräte technisch mittlerweile deutlich verbessert.

Um den Wert der Elastographie zur Tumorerkennung zu bestimmen, wurden in einer weiteren Studie Männer mit einem mittels Biopsie gesicherten Prostatakarzinom vor radikaler Prostatektomie untersucht (Salomon 2008/1+2). Die Autoren verglichen die Befunde der Elastographie mit denen des entfernten Gewebes, woraus sich eine Sensitivität von 75% und eine Spezifität von 77% ergab. Sie sehen darin andere Studien bestätigt und die Darstellung verdächtiger Bereiche gegenüber dem bisherigen Ultraschall verbessert. Sie geben aber auch zu, dass die schon zuvor feststehende Diagnose ein Kritikpunkt ist und die Elastographie kontrovers diskutiert wird. Weitere Studien seien nötig, und eine alleinige Elastographie-gesteuerte Biopsie könne derzeit nicht empfohlen werden. In Kombination mit einer systematischen Biopsie sei deren Einsatz aber zu rechtfertigen, wenn bei einer ersten Biopsie kein Tumor nachgewiesen wurde.

Quellen:

  • Eggert, T., et al.: Stellenwert der Elastographie in der klinischen Diagnostik des lokalisierten Prostatakarzinoms. Urologe 2008 47:1212–1217
  • Frauscher, F.: Neue urologische Bildgebung. 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stuttgart, 24.-27.9.08, Forum 1 „Neues zur Diagnostik des Prostatakarzinoms“, Vortrag 2 am 25.9.08
  • Loch, T.: Innovative Sonographie beim Prostatakarzinom. Urologe 2006 45:692–701
  • Mitterberger, M., et al.: Kontrastmittelverstärkte Sonographie und Sono-Elastographie in der Prostatakarzinomdetektion. Blackwell, Berlin, MedReport 28:6-7 (August 2008)
  • Salomon, G.: Visualisierung von Karzinomarealen in der Prostata ist begrenzt. Biermann, Köln, Urologische Nachrichten, 1. Ausgabe zum 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2008, S. 28
  • Salomon, G., et al.: Ultraschallbasierte Echtzeit-Elastographie zur Prostatakarzinom-Detektion: Ein Vergleich mit Großflächenschnitten nach radikaler Prostatektomie. 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stuttgart, 24.-27.9.08, Abstract V 6.5, Urologe 2008 (Suppl 1):85
  • Sommerfeld, H.-J., et al.: Prostatakarzinomdiagnostik durch Ultraschallelastographie. Urologe (A) 2003 42:941–945
  • Zey, S., et al.: Verbesserung der transrektalen Prostatastanzbiopsie durch die parallele Echtzeitelastographie der Prostata. 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Berlin, 26.-29.9.07, Abstract V 13.6
     

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