Diagnostik und Therapie der Prostatitis (Prostataentzündung)

Hierzu gibt es nach einer Analyse zahlreicher Studien durch eine Expertengruppe klare Richtlinien. Sie wurden in einer Übersicht über die derzeit gesicherten Erkenntnisse zur Prostataentzündung auf dem deutschen Urologenkongress 2006 vorgestellt.

Die Prostatitis wird nach NIH (National Institute of Health, Bethesda, USA) folgendermaßen eingeteilt:

  • I: Akute bakterielle Prostatitis
  • II: Chronische bakterielle Prostatitis
  • III: Chronisches Beckenschmerzsyndrom (engl. chronic pelvic pain syndrome, CPPS); IIIa entzündliches, IIIb nicht entzündliches CPPS
  • IV: Asymptomatische Prostatitis (Entzündung ohne Krankheitszeichen)
     

Diagnostik

Die akute und chronische bakterielle Prostatitis sind anhand des Keimnachweises im Urin und Prostatasekret zu diagnostizieren. Hierzu dienen die Viergläserprobe (s. Urinuntersuchungen) bzw. eine Zweigläserprobe aus Mittelstrahlurin und Urin nach Prostatamassage. Eine alleinige Sperma-Untersuchung reicht nicht aus.

Beim chronischen Beckenschmerzsyndrom (CPPS) erfasst und bewertet man zunächst die Beschwerden mit einem standardisierten Fragebogen, dem NIH-CPSI (NIH chronic prostatitis symptom index). Dann untersucht man Urin, Prostatasekret und ggf. Sperma auf Entzündungszellen (Leukozyten), um zwischen entzündlichem und nicht entzündlichem CPPS zu unterscheiden. Die Bestimmung von Restharn und Uroflow (Harnfluss) wird empfohlen, nicht aber der routinemäßige Einsatz von Verfahren zur Suche nach schwer nachweisbaren Erregern, Endoskopie ("Spiegelung"), TRUS (s. transrektaler Ultraschall) und anderen Spezialuntersuchungen.

Therapie

Bei akuter bakterieller Prostatitis wird bis zum Nachweis des Keims und seiner Empfindlichkeitsprüfung gegen Antibiotika ein erfahrungsgemäß wirksames Breitspektrum-Antibiotikum in hoher Dosis in eine Vene gegeben.

Bei chronischer bakterieller Prostatitis empfiehlt sich hingegen eine Antibiotika-Behandlung mit so genannten Fluorochinolonen in Tablettenform über 4-6 Wochen. Die Erfolgsrate beträgt 60-76%, eine Kombination mit Alpha-Blockern (senken die Muskelspannung in Prostata und Blasenhals) soll die Wirksamkeit erhöhen.

Zur Behandlung des CPPS kommen verschiedene Medikamente infrage (s. chronische Prostatitis). Die wenigsten davon wurden allerdings bislang in Studien gegen Plazebo (Scheinmedikament) geprüft. Für eine allgemeine Empfehlung ist jedoch zu fordern, dass die Medikamente wirksamer sind als Plazebos. Denn es ist bekannt, dass diese bei CPPS-Beschwerden sehr gut helfen.

Für eine Behandlung der asymptomatischen Prostatitis gibt es keine Empfehlung. Diskutiert wird eine Antibiotikatherapie lediglich in besonderen Fällen (z.B. bei PSA-Erhöhung).

Weitere Studien

9% aller Männer leiden unter mäßigen bis schweren Zeichen einer Prostatitis, bei schweren auch unter erheblichen Beschwerden beim Wasserlassen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, in der 1759 Männer den CPSI-Fragebogen (zu Prostatitis-Symptomen) und den IPSS-Fragebogen (zu Beschwerden beim Wasserlassen, s. IPSS im Lexikon) ausgefüllt hatten. Die Häufigkeit stieg mit dem Alter an: 5,4% (20-30 Jahre), 6,3% (31-40 Jahre), 8,5% (41-50 Jahre), 11,7% (51-70 Jahre), 13% (71-80 Jahre). Weitere Risikofaktoren waren nicht zu identifizieren.

Der Keimnachweis und damit die gezielte Antibiotikatherapie sind bei Prostatitis und auch Harnweginfekten oft schwierig. Sie lassen sich möglicherweise mit einer neuen Methode beschleunigen und verbessern: Bekannte Keime werden mit einer besonderen Massenspektrometrie analysiert. Dabei zeigt jeder Keim ein charakteristisches Proteinmuster, das in einer Datenbank gespeichert wird. Anhand dieses Musters sind Keime im Urin künftig vielleicht rasch und eindeutig zu identifizieren.

Quelle (u.a.): 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Hamburg, 20.-23.09.06:

  • Weidner, W.: Was ist gesichert bei Prostatitis/CPPS? Blackwell, Berlin, MedReport 35:4 (September 2006. Bericht über Forum 17 "Infektiologie" am 22.09.06, Vortrag 5)
  • Marszalek, M., et al.: Prävalenz von Prostatitissymptomen bei 1759 Männern erfasst anhand eines validierten Fragebogens. Vortragssitzung 4 "Unterer Harntrakt Diagnostik" am 21.09.06, Abstract V 4.2
  • Goebell, P. J., et al.: Der kulturelle Nachweis von Harnwegsinfekten - bietet MALDI-TOF Massenspektrometrie von Mikroorganismen eine Alternative? Vortragssitzung 9 "Infektionen" am 22.09.06, Abstract V 9.1
     

Weitere Informationen in der Rubrik "Wissen" im Abschnitt "Prostatitis"