Kryochirurgie

Wörtlich: Kältechirurgie (von griechisch kryos = Frost). Operativer Eingriff mittels starker Kälte. Bei Prostataerkrankungen experimentelles Verfahren (s.u.).

Die Kryochirurgie wird in der konventionellen Medizin gelegentlich auch als Kryotherapie bezeichnet, die zu den Naturheilverfahren gehört (Näheres hierzu s. Kryotherapie).

Für kryochirurgische Eingriffe werden spezielle Kanülen („Nadeln“), Sonden oder Skalpelle („Messer“) verwendet, die sich durch Verdampfen flüssiger Gase (Kohlendioxid, Lachgas oder Stickstoff) tiefgefrieren lassen (bis -196°C). Gelegentlich wird das Kältemittel auch direkt auf das Gewebe aufgebracht.

Das Gefrieren des Gewebes hat verschiedene Wirkungen, die man gezielt ausnutzt: Das Anfrieren an der Sonde (z.B. früher zum Entfernen = zur Kryoextraktion der Augenlinse), das Gefrieren von Flüssigkeit (z.B. zur Blutstillung), die Gewebeschädigung zur Auslösung einer (sterilen) entzündlichen Reaktion und damit zur Erzeugung einer narbigen Verklebung (z.B. zwischen Netzhaut und Aderhaut bei Netzhautablösung) sowie der hauptsächliche Einsatzzweck, die gezielte Zerstörung von Gewebe (z.B. zum Abtragen von Warzen).

Zur letzteren Wirkung tragen bei: Zerstechen von Zellmembranen durch Eiskristalle, Verklumpen von Eiweiß durch Wasserentzug, Einleiten des programmierten Zelltods (der Apoptose) durch chemische Veränderungen sowie das Unterbrechen der Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen durch Schädigung von Blutgefäßen.

Im Allgemeinen sind die Vorteile der Kryochirurgie: Geringe Schmerzen, gute Blutstillung und relativ geringe Schädigung der Umgebung. Damit gilt das Verfahren als minimal invasiv (wenig eingreifend) und eignet sich vor allem für ambulante Operationen sowie für Eingriffe ohne Narkose und bei Risikopatienten.

Die Kryochirurgie der Prostata erfolgt jedoch meist während eines stationären Aufenthalts in Narkose: Näheres zu dieser Kryoablation (Abtragung mittels Kälte) der Prostata (engl. cryosurgical ablation of the prostate, CSAP) in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Weitere lokale Therapie.